| Regie | Ruben Fleischer |
| Kinostart | 10.12.2009 |
Rochus Wolff entdeckt, was ZOMBIELAND (
) zuallererst ist: "ein Entwicklungsroman als Zombiefilm, oder vielleicht auch umgekehrt, und weil es sich um Film handelt, ist er natürlich zuallererst ein Roadmovie. Alle Figuren sind unterwegs, und weil sie ihre "wirklichen" Namen nicht nennen wollen – alle scheinen sich einig zu sein, dass enge emotionale Bindungen schädlich sind, wenn das Gegenüber jederzeit zu einem Zombie werden könnte –, geben sie sich die Namen jener Orte, zu denen sie unterwegs sind."
Peer Schmitt schaut besonders auf einen Darsteller. "Das erratische Spätwerk von Bill Murray – er ist in letzter Zeit in immer unwahrscheinlicheren und eigenartigeren Zusammenhängen zu sehen, sagt also kurz Hallo und verschwindet wieder – das dürfte noch zum Diskussionsstoff von Generationen zukünftiger Cinephiler werden. Falls es solche noch geben sollte. Denn die Überlebenschancen des Kinos in seiner bis jetzt bekannten Form sind wohl nicht viel größer als die von Bill Murray in ZOMBIELAND (
). Das heißt, nicht allzu groß. Dieser Film ist ein lustiger Abgesang mehr. Eine Fortsetzung – ZOMBIELAND 2 – ist bereits in Arbeit."
Rüdiger Suchsland empfiehlt, unbedingt pünktlich zu kommen, um den rasanten Vorspann nicht zu verpassen. "Auch Zombie-Puristen können diese Horrorkomödie genießen, gerade weil sie nicht einfach ein weiterer Rip-Off des Genres ist. Sie hält sich an einen großen Teil der traditionellen Regeln, wenn es aber zu Verstößen kommt, dienen diese dem Zweck, das Publikum zu amüsieren. ZOMBIELAND (
) ist überdies an tieferen Aussagen nicht interessiert. Endlich einmal Kino für all jene, die ihre größten Schockmomente nicht etwa erleben, wenn die Körperfresser kommen, Glieder weggesägt werden oder Massenvergewaltigungen stattfinden - sondern wenn es auf der Leinwand einmal nicht einfach "nur um Unterhaltung" geht."
Den Weltuntergang gibt es hier als großen Spaß, schreibt Thomas Klein. "Gekonnt verbindet ZOMBIELAND (
) Schrecken und Spaß, Gruselfilm-Parodie und Teenager-Komödie, George A. Romero und Judd Apatow, die Genre-Coolness des Zombie-Killers mit den Sehnsüchteleien des Mauerblümchens. Der Regisseur Ruben Fleischer erzählt mit gutem komödiantischen Timing, Einschübe und Rückblenden staffieren sein Road Movie geschickt aus. Als Sahnehäubchen gibt es einen wunderbaren Gastauftritt eines Hollywood-Stars, der bei seinen letzten, schwer melancholischen Rollen schon etwas untot wirkte. Insofern ist ZOMBIELAND (
) für einige der perfekte (Vor-) Weihnachtsfilm und für viele andere ein überfälliges Gegenmittel nach zahllosen säuerlichen Endzeit-Spektakeln."
Jan Kedves sah eine Jugendkomödie mit einem Schuss Feminismus. "Will man dem ansonsten von Ironisierungen der eigenen Genreklischees recht freien Film etwas abgewinnen, muss man sich auf Teilaspekte konzentrieren. Da ist zum einen der semifeministische Subplot: Im Grunde dirigiert das abgebrüht-charmante Schwesternduo aus dem Fonds die Männer. Wichita und Little Rock können mit Knarren besser zielen und haben die besseren Witze auf Lager. So kontert Little Rock etwa Tallahassees Empörung darüber, dass Little Rock Willy Nelson nicht kennt, mit der Frage, ob er denn wisse, wer Hannah Montana ist."
ZOMBIELAND (
) will nichts anderes sein als eine gewitzte Genreparodie, stellt Michael Kohler fest. "In Hollywood ist der talentierte Nachwuchs-Regisseur Ruben Fleischer endlich zu Hause angekommen, und das nicht nur, weil Bill Murray einen grandiosen Gastauftritt absolviert. Die Botschaft des Films ist dabei mit der von Harrelsons Figur weitgehend identisch: Man kann mit Untoten auch einfach seinen Spaß haben und braucht sich nicht mit mehr oder weniger tiefschürfenden Metaphern aufzuhalten. Alles, was Zombie-Großvater George A. Romero in seinen Filmen umtreibt, geht hier im flott inszenierten Nonsens unter. So werden die United States of Zombieland immerhin von der Geißel der Bedeutungshuberei befreit."
Zoran Gojic lobt einen wunderbaren Gastauftritt. "richtig schwarzhumorig wird es, als das Quartett in Hollywood eintrifft, wo sich im Grunde rein gar nichts verändert hat. Dazu gibt es einen wunderbar hinterhältigen Gastauftritt von Bill Murray, der hier rücksichtslos sich selbst und das Filmgeschäft persifliert. Er hat überlebt, schminkt sich aber wie ein Zombie ("Ich mische mich eben gerne unerkannt unter die Leute") und lebt letztlich so wie vor der Zombieseuche. Regisseur Ruben Fleischer arbeitet sehr gekonnt mit den Elementen des Genres und der Film ist auch dank seinem romantischen Happy Ends in den USA ein kommerzieller Erfolg. Und: Der zweite Teil ist schon in Arbeit."
In der filmpädagogischen Arbeit kann ZOMBIELAND (
) wegen seines parodistischen Charakters gut zur Analyse von Genrestrukturen und Erzählformeln von Horrofilmen genutzt werden, glaubt Birgit Roschy. "Darüber hinaus bieten sich Möglichkeiten, mit Jugendlichen die (entwicklungs-)psychologische Funktion des Genres zu analysieren. Zombies, so meinen manche Medienwissenschaftler/innen, dienen Pubertierenden als Leerstelle, auf die sich reale Bedrohungen projizieren lassen – helfen also bei Angstbewältigung und Aggressionsabbau."
Regiedebütant Ruben Fleischer ist angetreten, mit Popcornkino Geld zu verdienen, stellt Jörg Gerle fest. "Mit intelligenten Genrezwittern wie Shaun of the Dead hat dies nichts gemein, weil Ruben Fleischer kein Interesse hat, die Synergien, die sich zwischen Horror und Comedy ergeben können, zu nutzen. Nichts ist in ZOMBIELAND (
) ernst gemeint, weshalb auch nichts komisch oder spannend ist. Selbst prominente Darsteller wie Woody Harrelson und Abigail Breslin bleiben blass. Sie spielen überdreht in einem mäßigen B-Picture, das gerne so campy wäre wie From Dusk Till Dawn, in dem George Clooney und Harvey Keitel so originell gegen ihrem Image im Vampirblut baden. In ZOMBIELAND (
) kommt die Originalität mit dem Holzhammer daher und wird assimiliert sein, sobald Brachialkomödien wie Scary Movie 5 demnächst den Zombie-Film entdecken."
"Freunde der von George A. Romero begründeten Tradition der bedeutungsschweren Zombiefilme wären von ZOMBIELAND (
) möglicherweise enttäuscht. Selbstverständlich liegt diesem Film eher weniger tiefgründige Sozialkritik zugrunde, der Comedy-Aspekt überwiegt. Das Budget für Special Effects hat sich gelohnt, denn bereits der Vorspann, gekonnt hinterlegt mit Metallicas "For whom the bell tolls", füllt einen Fan dieses Genres mit Vorfreude. Der Film ist ein buntes Spektakel, das für viele Lacher und anderthalb Stunden guter Unterhaltung ohne großartige Längen sorgt. Hinzu kommt ein Gastauftritt eines sehr bekannten Schauspielers, der seine Fähigkeit zur Selbstreflektion unter Beweis stellt und für den es sich allein schon lohnt, den Film zu sehen."
Dieter Oßwald findet ZOMBIELAND (
) kindisch und einfältig: "Drehbücher wie diese schreibt man wohl auf Droge, nüchtern wirkt das eher unerträglich. Die Story ist so läppisch und unlustig wie das alberne Getue der Akteure. Spannung und Späße kochen stets auf Sparflamme, der Dramaturgie geht gleich beim Start der Saft aus. Im Vergleich zur schrägen Splatter-Satire Shaun of the Dead wirkt dieses einfallslose Werk so amateurhaft wie ein YouTube-Filmchen. Und dennoch wurde dieses Messer ohne Klinge, dem der Griff fehlt zum ganz großen Überraschungserfolg und stürmte die Spitze der US-Charts – es war einmal in Amerika."
Mit infantil ist ZOMBIELAND (
) für Thomas Friedrich nur unzureichend beschrieben. Der Film "huldigt der blanken Lust an der Zerstörung und strahlt eine Vernichtungswut aus, die beängstigend wirkt, gerade wenn sie komisch ist. Während des Films kommt einem mitunter der Gedanke: Amerika ist Zombieland. Danach macht der Film dann allerdings gar keinen Spaß mehr."
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