| Regie | Sönke Wortmann |
| Kinostart | 22.10.2009 |
Laut Michael Kienzl leidet der Film an der typischen Krankheit der Literaturverfilmungen. "Da jede zusätzliche Minute an Überlange abschreckend auf den potenziellen Zuschauer wirken könnte, werden in möglichst kurzer Zeit sämtliche wichtigen Stationen des Romans abgehakt. Die Folge davon ist, dass der Film derart dicht mit Handlung vollgestopft ist, dass keine Zeit mehr für die Schaffung von Atmosphäre, die Vertiefung von Konflikten oder eine komplexe Figurenzeichnung bleibt. Allerdings zieht DIE PÄPSTIN (
) den Vorteil daraus, dass bei einem derart schnellen Fortgang der Handlung mitunter sehr an den Haaren herbeigezogene Wendungen weniger ins Gewicht fallen."
Alexandra Stäheli entdeckt die Handschrift der Constantin: "üppige Historiendramen, in glänzenden Bildern und mit einem seltsamen Zwang zur Halbgenauigkeit auf die Leinwand gebracht. Musste im DAS PARFÜM beinahe jede Farbe vor unbändiger Sinnlichkeit duften, so wälzt sich das Production- Design nun im dunklen Mittelalter und in viel authentischem Dreck: Zentimeterdick wuchert da der Schmutz unter den Fingernägeln der einfachen Leute, nur die Zähne wollte Wortmann "unbehandelt" lassen, damit uns die Figuren dennoch sympathisch bleiben."
Christoph Huber ist enttäuscht. "Der aufklärerische Geist der gebildeten, als Mönch getarnten Heldin erschöpft sich auf dem Weg übers Kloster nach Rom im Widerlegen unglaublicher Unvernunft: Schrumpft die Gebärmutter von Frauen, die zu viel lesen? Dieselben Klischees – zu jeder korrupten Vaterfigur gibt es eine verständnisvolle – werden vor verschiedenen Hintergründen variiert, zuletzt noch Liebeskitsch, einer Planschbecken-Empfängnis folgt das unvermeidliche tragische Ende, wobei sich die Heldin bemerkenswert irrational verhält. Da sehnt man sich schon lang nach einer Gegenpäpstin. Vergeblich."
Ohne eigene Handschrift ist der Film für Barbara Schweizerhof. "Bedient werden die alten Filmklischees von den gerade erst missionierten Barbaren mit den strähnigen, fettigen Haaren und den groben Sitten auf der einen und den eleganten, aber intriganten Römern mit ihren goldrandverzierten Togas auf der anderen Seite. Weder David Wenham als Liebhaber noch John Goodman als Papst machen den Eindruck, als würden sie sich dafür interessieren, in welchem Film sie da spielen. Und Johanna Wokalek scheint viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, um sie darauf hinzuweisen."
Für Bert Rebhandl ist DIE PÄPSTIN (
) "tatsächlich der perfekte "Amphibienfilm" geworden, zweieinhalb Stunden lang im Kino, und für das Fernsehen demnächst locker um eine halbe Stunde so verlängerbar, dass ein Zweiteiler für die beste Sendezeit herauskommt. ... Wissen ist das eigentliche Thema von DIE PÄPSTIN (
), und hier verwickelt sich der Film auch am deutlichsten in einen Widerspruch: Er tut nämlich ständig ungeheuer klug, stellt sich dabei aber sehr dämlich an."
Jan Schulz-Ojala hat markerschütternder Betulichkeit ausgemacht. "Johanna Wokalek, die Hauptdarstellerin. Kein Zufall – so zurückhaltend ist ihr Spiel, als wäre sie lieber Neben-Akteurin geblieben. Die Lovestory mit Gerold: ohne jeden Eroberungszauber. Ihr Aufstieg in der klerikalen Hierarchie: immer bloß dienend. Und auch auf den Papstthron gerät sie wie eine Figurantin: husch, husch, die deutsche Waldfee. Überhaupt scheint es, als arbeite auch der Regisseur das feministische Pflichtprogramm bloß ab, um sich umso lustvoller dem Männer-Politintrigenstadl hinzugeben."
In seiner schwelgerischen Naivität erinnert der Film Daniel Kothenschulte an die Spätzeit des Sandalenfilms. "In einer piktoralen Wucht, wie man sie von Sönke Wortmann bislang nicht kannte, gelingt es seinem Film sogar, sich nicht im Ausmalen der Vorlage zu erschöpfen, sondern kontinuierlich zu steigern. Insbesondere, wenn Johanna nach etwa einer Stunde Laufzeit erwachsen wird: Hier übernimmt die Burgschauspielerin Johanna Wokalek die Rolle von der vorzüglichen Kinderdarstellerin Lotte Flak. ... Statt mit aktionistischer Dynamik führt sie behutsam und schwerelos durch diesen Film als Getriebene, die sich von intellektuellen Herausforderungen locken lässt wie eine Prinzessin von unstatthafter Liebe. So entsteht eine geistige Erotik, die ein Ritterherz entflammt – und eine herrliche Verkehrung märchentypischer Geschlechterrollen."
"Auch wenn die Filmemacher den Film zumindest im Trailer als "wahre Geschichte" verkaufen, so handelt es sich dennoch sehr wahrscheinlich nur um eine Legende. Durch die überladene und von Klischees durchtränkte Handlung im Film DIE PÄPSTIN (
) wird die Geschichte zu einem schlechten Märchen oder einer lediglich mittelmässigen Parabel über die Selbstbestimmung der Frau. Das liegt aber auch vor allem an der schwerfälligen Inszenierung, in der die Schauspieler zwar jedes Wort sehr genau betonen, aber nicht in der Lage sind, Gefühle zu transportieren."
Linksammlung zum Film
"Johanna Wokalek überzeugt als die starke Heldin, die nicht etwa aus Ehrgeiz und Berechnung in Männerkleidung schlüpft und in der kirchlichen Hierarchie aufsteigt, sondern immer versucht das Richtige zu tun und sich so redlich ihren hohen Titel verdient. Nicht zuletzt die tragische Liebensgeschichte zwischen Johanna und dem edlen Ritter Gerold sorgt dafür, dass DIE PÄPSTIN (
) zugleich großes historisches Drama und bewegendes Gefühlskino bietet."
Bert Rebhandl kommentiert den Regie-Wechsel. "Der Streit geht um die Rolle der Fernsehanstalten bei der Produktion deutscher Spielfilme. In mehreren Fällen, an denen die Constantin beteiligt ist, wird schon beim Drehen darauf Rücksicht genommen, dass neben der Kino-Fassung auch eine Fernsehfassung zustande kommt. ... In die Kontroverse haben sich inzwischen weitere Stimmen gemischt, dabei blieb jedoch unerwähnt, dass für den weitaus überwiegenden Teil des deutschen Films die Kofinanzierung durch das Fernsehen die Regel ist, und ohne TV-Gelder die wenigsten Filme entstehen würden."