| Regie | Jessica Hausner |
| Kinostart | 01.04.2010 |
Laut Lukas Foerster zielt LOURDES (
), "manchmal vielleicht etwas zu ausgestellt, auf die Ambivalenz in seinem Inneren. Nicht mehr, wie HOTEL, auf ein Rätsel, das seine Lösung auch außerhalb des Films haben könnte. Wenn LOURDES (
), ein extrem eleganter, atmosphärisch wie thematisch dichter Film einen am Ende unsicher zurücklässt, dann deswegen: Jessica Hausner definiert zunächst und schon in der ersten Szene ein Spielfeld sowie Spielfiguren und schiebt letztere dann mit viel technischer Finesse auf ersterem hin und her. Dabei entstehen immer wieder sehr interessante Konstellationen, aber das System bleibt ein geschlossenes, abgedichtet gegen sein Außen: die Welt."
Hans Mentz ist begeistert. "Was die Wienerin Jessica Hausner, die vor einigen Jahren mit dem eher spröden Film HOTEL reüssierte, da fertiggestellt hat, ist ein erfreulich schwer klassifizierbares Stückchen Film. Mit dokumentarfilmhafter Genauigkeit erzählt sie vom abergläubischen Kommerztreiben im französischen Wallfahrtsort und erlaubt sich dabei den charmanten Spaß, tatsächlich ein veritables Wunder geschehen zu lassen. Ihre distanzierte Erzählweise läßt Platz für komische Kleinigkeiten, die so beiläufig daherkommen wie einst die visuellen Gags des Jacques Tati."
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Anke Westphal hat sich nicht ganz überzeugen lassen. "Neid und Missgunst setzt Jessica Hausner gleich mehrfach ins Bild, wo man dies auch beim ersten Mal als Skizze kleinbürgerlichen Wesens verstanden hätte. Und wozu erst nach Lourdes fahren? Dass man bestraft wird, ausgeschlossen, wenn man die Konformität der Gruppe verlässt, wie es diese junge Frau tut - das gibt es überall. Jessica Hausner scheint ihre Figuren nicht zu verraten, die Regisseurin bleibt diskret. Aber sie akzeptiert die Bedürftigkeit dieser Menschen auch nicht."
Christina Tillmann schaute genau hin. "Die kalte Geschäftsmäßigkeit, mit der in Lourdes Krankheit, Glaube und Wunder verwaltet werden, die unpersönlichen Pilgerherbergen, die Routine des Personals, die endlosen Ströme von Rollstuhlfahrern, Kranken, Trostsuchenden, die den festgelegten Ablauf aus Grottenbesuch, Messe, Waschung und Segnung absolvieren, das alles wird geschildert mit dem nüchternen Blick des Feldforschers, durchaus polemisch unterlegt mit Schuberts "Ave Maria" in der Endlosschleife."
Hier dominiert laut Christoph Huber "ein totaler kleinbürgerlicher Geist. Jessica Hausner erzählt fast durchgehend in statischen Einstellungen: Die Eindrücke vom Wallfahrtsort als Serie steriler Guckkastenbilder, in Lichtstimmung und Geometrie oft geschickt arrangiert (Kamera: Martin Gschlacht). Die erwünschte Wirkung ist leichte Absurdität und betonte Banalität. Unseligerweise trifft das auch auf die Konstruktion des Films zu: Die minimale dramatische Entwicklung ist so vorhersehbar wie Hausners ermüdend seichte Variationen zu Kommerzialisierung und Leichtgläubigkeit."
Hier geht es um die Ökonomie der Seelenpflege, schreibt Dominik Kamalzadeh. "Jessica Hausners quasidokumentarischer Ansatz, sein ruhiger, fließender Rhythmus, ist ein großer Gewinn. Als Zuschauer wird man nicht gleich in einen Plot einbezogen, vielmehr ergeben sich zahlreiche Gelegenheiten, Einblicke in diese sonderbare Ökonomie der Seelenpflege zu gewinnen. Die Geschichte von Christine (Sylvie Testud), einer jungen Frau im Rollstuhl, fügt sich geschmeidig in dieses Setting ein. Über die Protagonistin, die auf die Hilfe anderer angewiesen ist - und sich nach Freiheit sehnt -, werden unterschiedliche Begehrlichkeiten manifest."