Etwas rezeptartig findet Michael Kienzl das Schicksal der Figuren. "Entweder sie finden scheinbar ihr Glück und werden dann doch unglücklich oder sie sind es ohnehin schon von Anfang an. Dass besonderes Letzteres für einen Film wenig hergibt, zeigt sich exemplarisch an der Figur der Joy. Sie steht mit ihrem mangelndem Selbstwertgefühl und ihrer weinerlichen Stimme für eine Kategorie an Figuren, auf die Todd Solondz immer wieder gerne zurückgreift und der man eher Aggressionen als Mitleid entgegenbringt."
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"Todd Solondz arbeitet dabei mit der Variation einiger Szenen seines größten Erfolgs Happiness, hat jedoch die Rollen neubesetzt. Problematisch ist das Ganze jedoch für alle die mit dem "ersten Teil" nicht vertraut sind. Denn obwohl sich der Film mit seinen punktierten Dialogen viel Mühe gibt, bleiben die Figuren doch seltsam fremd, und es ist schwer die Charaktere in all ihren Facetten wirklich zu verstehen. Sehenswert bleibt Life During Wartime (
) zwar dennoch, aber es gibt einige Probleme, die den Genuss etwas trüben."
Jochen Werner hatte eine kleines déjà-vu. "LIFE DURING WARTIME (
) ist nicht einfach nur ein Sequel, obwohl Todd Solondz hier die Erzählstränge aus HAPPINESS relativ geradlinig wieder aufgreift und weiterspinnt. Stattdessen sperrt er seine Figuren in tableauhaften, von Pastellfarben und großflächigen Mustern dominierten Szenenbildern ein und verknotet ihre Geschichten in einer fatalistischen Boshaftigkeit, die als einzige Erkenntnis zulässt, dass niemand sich selbst und seinen privaten Dämonen jemals entkommt."
Laut Anke Westphal will der Film zeigen, was grundsätzlich nicht stimmt mit den Menschen. "Das Generalthema des US-Amerikaners ist das Scheitern der Kommunikation und damit der menschlichen Beziehungen. Er variiert es auch in seinem neuen Film, mit dem er seine umstrittene Arbeit HAPPINESS, in der es auch um Pädophilie ging, fortschreibt - zehn Jahre später und weniger zynisch als erwartet. Am Beispiel dreier Schwestern und deren Liebschaften führt Todd Solondz vor, was dabei herauskommt, wenn man sich vorgeblich alles sagt, aber nie das, was man meint. Wenn die eigene Existenz kein Korrektiv mehr kennt, sei es nun human oder göttlich."
Christina Tillman sah ein "ein Kammerspiel, strukturiert durch eine Reihe unglücklich verlaufender Restaurant-Dates, bei denen geheult wird, was das Zeug hält, und die existenzielle Verzweiflung – immerhin geht es um Pädophilie, Perversion, Selbsthass und Selbstmord – durch mindestens so viel schwarzen Humor wettgemacht wird. Vergeben und vergessen – das ist das Motto, das keiner der Beteiligten einhalten kann, und über die Frage, was denn besser wäre, vergeben und erinnern oder alles vergessen und verdrängen, entfaltet der Film seine emotionale Sprengkraft."
Der Film strapaziert Cristina Nords Nerven. Der Regisseur verstaut "so viele Neurosen und andere, schwerer wiegende psychische Defekte, dass ich den eigenen, von Kannibalen und Zombies bedrängten Psychohaushalt hart arbeiten lassen muss, damit ihn die Störungen der Figuren nicht angreifen. ... Stets wiederkehrende Frage ist, wie man mit Schuld und Verantwortung umgeht: Vergessen? Vergeben? Vergessen, ohne zu vergeben? Vergeben, ohne zu vergessen? Schade, dass Todd Solondz seine Figuren in ihren Neurosen einsperrt. So hat man den Eindruck, er führe sie vor, statt sie ernst zu nehmen."
Daniel Kothenschulte bezeichnet den Film als Meisterwerk. Er sah "einen ebenso radikalen wie zurückhaltenden Film über die moralische Befindlichkeit eines Landes in einem Zustand kollektiver Paranoia. Todd Solondz reiht die arglosen Gespräche von Liebespaaren in anonymen Gaststätten zu einer scheinbaren Gesellschaftskomödie aneinander - um dann unversehens gespenstische Mauern des Verdrängten einzuziehen."
Ganz hat sich Dominik Kamalzadeh nicht überzeugen lassen. "Der Film beginnt mit einer hübsch getimten Restaurantszene, ein Paar will sich vergeben, dabei werden viele Tränen vergossen, bis die Kellnerin den Mann plötzlich wüst beschimpft. Das gibt die Tonart für ein Kaleidoskop dysfunktionaler Familienverhältnisse vor, in dem, wie schon in Palindromes, Pädophilie und sexuelle Nöte zentrale Motive sind. Manches davon gerät durchaus pointiert, manches komisch, manches arg forciert - Todd Solondz' Figuren leiden unter ihrer Beweislast, die ihnen ihre Freiheit nimmt und sie zu thesenhaften Typen degradiert."
Felicitas Kleiner sah eine "Gratwanderung zwischen überspitzter Groteske, Familienkomödie und Drama mit leicht surrealen Zügen, situiert in einem Florida, aus dem die brillante, messerscharfe Inszenierung ein degeneriert sonnig-buntes Wunderland gescheiterter Träume macht. Thematisch kreist der Film um die Versuche der Figuren, ihre von diversen Verwundungen und grausamen Enttäuschungen gezeichneten Beziehungen bzw. familiäre Bindungen wieder in den Griff zu bekommen, die Sehnsucht nach intakter familiärer Nähe zu befriedigen oder aber Vergebung für eingebildete oder echte Fehler zu erlangen."