| Regie | Jaco van Dormael |
| Kinostart | 08.07.2010 |
So faszinierend das Allegorische des Zusammenspiels verschiedener Facetten von Realität und Imagination sein mag, entzieht sich der Film am Ende einer thematischen Zuordnung zugunsten allobwaltender relativierender Effekte, kritisiert Robert Zimmermann. "Trotz dieser Schwäche ist MR. NOBODY (
) aufgrund des Sammelsuriums seiner aberwitzigen einzelner Geschichten, der starken visuellen Kraft der Bilder von Christophe Beaucarne und einer stimmigen Musikdramaturgie ein durchweg sehenswerter Film, der dem Zuschauer nicht nur die Aufgabe überlässt, Antworten zu finden, sondern auch die richtigen Fragen zu stellen."
Christian Alt meint: "Nicht nur in der Existenzphilosophie finden sich Anleihen. Mr. Nobody (
) bedient sich exzessiv am Inventar der Astronomie, mitsamt ihrer Fülle an unterschiedlichen Welterklärungsmodellen, wie Stringtheorie, Viele-Welten-Interpretation und dem Gesetz der Entropie. Jaco Van Dormael gelingt es, diesen intellektuellen Überbau aber nie allmächtig werden zu lassen, denn das Herz des Films ist immer noch Nemos Beziehung zu drei verschiedenen Frauen, die alle seinen Lebensweg nachhaltig bestimmen."
"Kaum ein anderer Film zeigt so schön und intensiv, was wahre Liebe ist. Und kein anderer Film vereint eine tiefgehende Romanze mit Drama, Science-Fiction, Mystery-Thriller, grandiosen Spezialeffekten und der Geschichte vom Erwachsenwerden, während nebenbei in puncto nicht-lineare Erzählweise neue Maßstäbe gesetzt werden. Dieser, nach längerer Filmpause entstandener, erster englischsprachige Film des belgischen Regisseurs und (Theater-) Autors Jaco Van Dormael ging aufgrund fehlender Werbung regelrecht unter im Kinojahr 2010. Völlig zu Unrecht, doch dafür wird MR. NOBODY (
) zum ultimativen Geheimtipp."
Philipp Bühler sah mit MR. NOBODY (
) einen bunten Trip der Möglichkeiten, hätte aber etwas mehr erwartet. "Den haarsträubenden Ideenklau bei so unterschiedlichen Quellen wie Julio Médem, John Cassavetes oder Krzysztof Kieslowski verbuchen wir mal als Hommage. Aber die Nähe zur Werberästhetik ist ebenso offensichtlich. Die richtige Wahl zu treffen, um für alle Eventualitäten des Lebens gerüstet zu sein - mit diesen Selbstzweifeln spielt heute jeder Versicherungswerbespot. Und im Allgemeinen gefällt einem nicht, wie dort die Frage nach dem richtigen Leben mit hohler Bedeutung aufgeladen wird."
Visuell ist MR. NOBODY (
) für Karl Hafner "extrem beeindruckend. Beinahe ein Wunder ist es jedoch, dass der Zuschauer bei all diesen Fragmenten, Verweisen, Assoziationen und Wendungen den Überblick behält, wobei das konkrete Verstehen gar nicht so wichtig ist. Der Film ist traurig und lustig, melancholisch und kitschig, enervierend und unterhaltend, nichts oder alles. Auf dem Sterbebett lacht sich der große Geschichtenerzähler Nemo Nobody beinahe tot. Ja, vielleicht war der Film, ist unser ganzes Leben, ist alles nichts weiter als ein guter Scherz."
Für Ekkehard Knörer spricht MR. NOBODY (
) "unmotiviert von einem Genre zum andern. Große Geste, adoleszentes Liebesdrama, Möchtegern-Philosophie und zwischendurch sogar Pseudowissenschaftsdoku. SciFi, Scheidungskindtrauma, als seltsamste Interferenz Thrillereinsprengsel, Hanebüchenes neben Charmantem, Jared Leto unter Runzellatex, mit Vollbart, mit zig verschiedenen Frisuren und einem Jugenddarsteller seiner Figur, der tatsächlich exzellent ausgewählt ist. Die Teile rasen vorbei und ergeben als Gesamt keine sehr überzeugende Summe."
"Trotz der allzu deutlichen Zitate, die insbesondere in der Mars-Episode irritierend wirken, weil Jaco van Dormael eine mit Wong Kar-wais 2046 verwandte Geschichte in ähnlichen Bildern erzählt und mit genau derselben Musik unterlegt, trotz eines überfrachteten Drehbuchs, das mühelos Stoff für gleich mehrere Spielfilme geliefert hätte, überzeugt MR. NOBODY (
) nicht nur durch seine betörenden Bilder und seine bestechende Kameraführung, seine hervorragende Ausstattung und eine immer adäquate Filmmusik, sondern auch durch seine Grundaussage von der entscheidenden Wirkung kleiner Entscheidungen im Laufe eines Lebens."
Manische Züge der Detailverliebtheit entdeckt Alexandra Wach bei Jaco van Dormael. "Die sich auffächernden Ereignisse und Realitätsebenen verhandelt er dagegen mit einer Routine, die ihnen jeden Zauber nimmt. Es dauert nicht lange, bis der vorhersehbare Fantasy-Spuk jede Spannung einbüßt und sich im Wildwuchs der eigenen philosophischen Manierismen verliert. Da hilft der teure Soundtrack von Pixies bis zu Arvo Pärt auch nicht weiter, zumal Jan van Dormael seiner allzu glatt geölten Zufallsmaschine keinen inspirierenden Kratzer zuzufügen vermag."
Christina Raftery nennt den Film "eine Fantasiereise durch die Augen der Hauptfigur, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beliebig angeordnet werden. Das ist streckenweise anstrengend und verwirrend, zeigt aber, dass es sich zuweilen lohnt, das Denken auszuschalten und sich dem Spiel der Emotionen zu überlassen. Fazit: Denken oder Fühlen? Vorbestimmung oder Plan? MR. NOBODY (
) ist ein komplexer Film, auf den man sich voll und ganz einlassen muss. Das Ergebnis ist ein Experiment mit der Interpretationskraft der Zuschauer – und geht damit weit über ein Popcorn-Erlebnis hinaus."
Hohe Schauwerte und zahlreiche Filmzitate hat Gebhard Hölzl identifiziert. "MR. NOBODY (
) ist ein Film wie ein Abenteuerspielplatz, ein Imaginarium, wie es sich Terry Gilliam oder die Monty Pythons nicht verrückter hätten erträumen können. Genau da liegt aber auch die einzige Schwäche der Arbeit: Van Dormael will zu viel. Es fehlt trotz des hervorragend aufspielenden Jared Leto als Nemo das emotionale Zentrum, der Punkt, an dem der Zuschauer sich ausruhen und zur Besinnung kommen kann. Aber eins ist sicher: Langweilen wird sich hier niemand."
Überblick zum Film auf moviepilot.de