| Regie | Spike Jonze |
| Kinostart | 17.12.2009 |
Michael Kienzl hat sich überzeugen lassen. "Jüngere Kinder könnten mit dieser teilweise sperrigen und düsteren Version eines Kinderfilms Schwierigkeiten haben. Der Film verfügt zudem über eine Indie-Credibility, die sich vor allem an Erwachsene richten dürfte. Da wäre etwa die krakelige Kinderschrift aus dem Vorspann, der von Karen O., Sängerin der Yeah Yeah Yeahs, mit einem quäkenden Kinderchor eingespielte Soundtrack und der bewusste Verzicht auf durchweg digital animierte Monster zugunsten von Menschen in Kostümen. Wer sich letztlich WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) ansieht, wird sich zeigen. Wie Spike Jonze aber ein Kinderbuch für die große Leinwand adaptiert, ohne den eigenen Stil zu verwässern oder Zugeständnisse an das Genre zu machen, ist in jedem Fall sehenswert."
Kongenial findet Hannah Pilarczyk die Verfilmung. "Wer jemals das Bedürfnis verspürt hat, wild schreiend durch die Gegend zu laufen und sich kopfüber Sanddünen herunterzurollen, Freunde zu schubsen und sie mit Dreckklumpen zu bewerfen - der wird nach "Wo die wilden Kerle wohnen" das Gefühl haben, es endlich getan zu haben. Und wer das alles noch nie wollte, wird es am Ende wollen. Was kann ein Film, in dem der Hauptdarsteller die meiste Zeit über wild schreiend durch die Gegend läuft, sich kopfüber Sanddünen herunterrollt, Freunde schubst und sie mit Dreckklumpen bewirft, mehr erreichen?"
Das Einzigartige an dem Film ist laut Sven von Reden, "wie er die anarchische Energie eines hyperaktiven Neunjährigen im Kinosaal physisch erlebbar macht - daher konnten die Monster auch nur von riesigen Puppen dargestellt werden und nicht virtuell im Computer entstehen. Den Film völlig aus der Perspektive von Max zu erzählen, erlaubt, an der befreienden Verantwortungslosigkeit teilzuhaben, die nur Kindern erlaubt ist. Da wird hemmungslos dem Spaß gefrönt, Dinge kaputtzumachen, da wird wild geheult statt kultiviert gesprochen oder zusammen auf einem Haufen geschlafen statt gesittet im Bett. Anders gesagt:
Für Simon Rothöler ist der Film als "klassischer Fantasyfilm angelegt, mit physisch inszenierten Live-Action-Puppen und demonstrativ zurückhaltendem Einsatz digitaler Effekte. Die hipperen popkulturellen Signale sind diskret in den Hintergrund gerückt (der Soundtrack stammt von der Yeah-Yeah-Yeah-Frontfrau Karen O.). Kaum einmal kokettiert Spike Jonze mit der verschachtelten Smartness seiner beiden vorhergehenden Arbeiten BEING JOHN MALKOVICH (1999) und ADAPTION (2002)."
"Der Film enthält sich psychologisierender Ausführungen, wodurch Max' Konflikt umso eindringlicher erfahrbar wird. Für Kinder könnte die letztlich tieftraurige Geschichte verstörende Wirkung haben – den zotteligen Kerlen (riesenhafte Puppen, gesprochen von James Gandolfini, Forest Whitaker, Chris Cooper u. a.) zum Trotz, denn ihre gewalttätigen Sitten sind durchaus angsteinflössend. Ein Kinderfilm für Erwachsene."
Der beträchtliche Charme des Films verdankt sich laut Dominik Kamalzadeh "der Bereitschaft, eine kindliche Ökonomie des Erlebens zu wahren. Das hat überhaupt nichts mit Lieblichkeit zu tun, vielmehr mit unbändigen Gefühlen, die jederzeit in Gefahr laufen, so groß zu werden, dass für sie keine Form gefunden werden kann. ... WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) ist sein bisher persönlichster Film, der - getragen von der großartigen Musik von Karen O. - die Kindheit als ein schwermutbeladenes Königreich im Herbstlicht betrachtet und sich ein bezwingendes Lächeln für den Schluss bewahrt."
Für Birgit Glombitza erzählt der Film "etwas, was bei Sendak in den Andeutungen seines feinen Zeichenstrichs bleibt, der an die Illustrationstechniken des 19. Jahrhunderts erinnert und an die Kunst, das Große und das Tragische in einer Gestalt zu vereinen. Er erzählt, dass es keinen Ort, nicht einmal im hintersten Schlupfwinkel der kindlichen Vorstellungskraft gibt, an dem alles harmonisch und problemfrei zugeht. Und kein noch so mächtiger Despot kann die Angst und Traurigkeit wegbefehlen, die ihre Schatten auch in die strahlendste Allmachtsfantasie werfen."
US-Regisseur Spike Jonze hat Maurice Sendaks Kinderbuchklassiker WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) ganz großartig verfilmt, lobt Bert Rebhandl. "Es war eine schwierige Produktion, die US-amerikanische Tageszeitung New York Times hat das in einer seither häufig abgeschriebenen Reportage eingehend dargelegt. Das grundlegende Problem ist, dass das Hollywood-Studio Warner Bros. bei diesem Film vor allem an Kinder als Zielgruppe dachte, während Spike Jonze sich daran hielt, dass das Kino diese Grenze in seinen besten Momenten einfach nicht kennt. Kinder und Erwachsene werden diesen Film toll finden, zum Teil aus unterschiedlichen Gründen, zum Teil aber auch aus denselben."
Monster mit Herz hat Claudia Schmölders ausgemacht. Die Autorin schreibt über die literarische Vorlage.
Die Buch-Verfilmung verbindet magischen Realismus mit dem Charme der Sesamstraße, findet Daniel Kothenschulte. "Der Film WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) mag in seinem für das Genre erstaunlichen Realismus auf den ersten Blick die Eleganz und Farbigkeit des Bilderbuchs vermissen lassen. Aber gerade mit seiner Rohheit und mit den Mitteln des Kinderfernsehens vergangener Tage kommt er dem anarchischen Charakter des Buchs nahe. Die Tonspur des Films klingt dagegen klar und eindringlich wie ein Kinderhörspiel. Spike Jonze hat sich also nicht nur das Bilderbuch zur Vorlage genommen - dessen Geist er überaus treu bleibt. Er stürzt uns vielmehr zurück in die Gesamtheit der medialen Kindheitserinnerungen."
Spike Jonzes erweiterte Verfilmung des klassischen Kinderbuchs ist oft mehr mild als wild, aber treffend – und hinreißend handgemacht, wie Christoph Huber schreibt. "Überhaupt legt Spike Jonze Wert auf realistische Texturen, auch in den Fantasielandschaften. Das entspricht einem entscheidenden Element kindlicher Vorstellungskraft: der Gabe, Alltagsobjekte spielerisch in wunderbare Gegenstände zu verwandeln. Max ist zwar vom Kind zum Teenager befördert worden, aber das bezwingend natürliche Auftreten des Darstellers (der tatsächlich Max Records heißt) macht das, gerade im Zusammenspiel mit den Kreaturen, wieder wett."
Claudia Schmid stellt folgendes fest: "Viel Handlung ist das zwar nicht, aber die Bilder, an denen 280 Visual-Effect-Spezialisten gearbeitet haben, sind umwerfend. Allerdings ist diese Fantasy-Opera weniger für Kinder als für ältere Semester geeignet. Aber das macht gar nichts: Schliesslich sind einige der Generationen von Sendak-Lesern inzwischen schon ziemlich erwachsen."
WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) ist laut Margret Köhler eine fantastische Reise für Groß und Klein. "Aus dem nur etwas mehr als 300 Worte umfassenden Kinderbuchklassiker von Maurice Sendak macht Regisseur Spike Jonze eine rasante Reise durch Realität und Fantasie. Erzählt wird sie aus kindlichem Blickwinkel von Träumen, Ängsten und Enttäuschungen, tiefer Einsamkeit und ausgelassener Gemeinschaft. Kleinere Zuschauer können sich in der Hauptfigur wieder finden und über die seltsamen Inselbewohner mit großen Augen staunen. Erwachsene sollten an den ausgefeilten Tricks und der Kombination von klassischer und digitaler Technik dieses 100 Millionen schweren Films ihren Spaß haben."
"Kinogerechte, atemberaubende Landschaftsaufnahmen im fernen Land vor prächtigen Fantasiekulissen, die bereits auf dem Weg des jungen Protagonisten im tosenden Meer vor bedrohlichen Felsklippen und aufpeitschender Brandung einsetzen, ziehen den Zuschauer unaufhaltsam in eine Geschichte hinein, die von Anfang bis Ende spannend erzählt und von großer Zärtlichkeit und Hingabe zu seinen Figuren getragen ist. Unterlegt mit ansprechendem, sehr kindgerechtem Soundtrack mit teils fantastischer, bisweilen surrealer Musik, entsteht ein Klang- und Tonerlebnis, dem sich der Betrachter kaum entziehen kann."
Bettina Schuler ist begeistert. "Schon durch die Weite der Landschaft mit ihren zurückhaltenden Sepiafarben, die allein vom Blau des Meeres und des Himmels gebrochen werden, wird das Publikum in eine andere, phantastische Welt katapultiert. Auf ein Fleckchen Erde, in dem überdimensionale Hunde durch die Wüs-te spazieren und flauschige Monster mit kantigen Zähnen leben, deren puschelige Katzennasen zum Anfassen einladen. Sie alle sind bei Spike Jonze nicht bloße Spielgefährten, sondern personifizieren zugleich die verschiedenen Probleme und Konflikte, mit denen Max in der Realität konfrontiert wird."
Laut Michael Meyns finden bei WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) "Reflektionen übers Außenseitertum eine ideale Projektionsfläche. Die kleine, offene Erzählung Maurice Sendaks allerdings, wird dadurch oft etwas überfrachtet. Was sich allerdings kaum vermeiden lässt, wenn man aus einem kleinen Kinderbuch einen großen Hollywoodfilm macht. Und für einen annährend 100 Millionen Dollar teuren, mit aufwändiger Tricktechnik gedrehten Film, mutet WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) wiederum fast experimentell an. Eine etwas bizarre Mischung also, eine nur bedingt gelungene Adaption, aber ein unbedingt sehenswerter Film."
Linksammlung zum Film.
Übersicht zum Film mit Bewertungen, Kommentaren und News.
Wo die wilden Kerle wohnen (
) – ist dieser Film für Kinder? Darüber ist in den USA eine große Debatte entbrannt. Schon das Buch hatte seinerzeit Diskussionen ausgelöst. Sebastian Moll berichtet.
Christina Waechter schreibt 10 Fakten über WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN (
) auf.
"Nun liegt die Magie solcher Bilderbücher ja gerade in ihrer Sparsamkeit, und eine Verfilmung riskiert, alles zu zerstören, was wir uns im Kopf an Schätzen angehäuft haben. Aber wenn ich mir den Trailer zum Film von Spike Jonze ansehe, wird mir warm ums Herz. Die Figuren sind gut getroffen, die Vorenthaltungsstrategie am Anfang, mit dem Gesicht des Jungen, der langsam aufwacht, ist viel versprechend."