| Regie | Sandra Nettelbeck |
| Kinostart | 26.11.2009 |
"Eine sehr eindringliche Beschreibung einer Depression" schreibt Felix Frieler, bemängelt allerdings die Distanz: "Der Film bleibt dabei aber auf Distanz zu seiner Protagonistin. Obwohl sich Helen (
) gerade mit einem psychologischen Problem beschäftigt, bietet Sandra Nettelbeck keinen Blick ins Innere der Psyche ihrer Hauptfigur an, sondern bleibt bei der Außensicht und lässt damit Raum für Reflexion."
HELEN (
) ist das glatte Gegenteil eines Feelgood-Movies, meint Alexandra Seitz. "Ungeschönt und unsentimental schildert die Regisseurin Sandra Nettelbeck darin das klinische Krankheitsbild der Depression und lässt sich dabei nicht von jenem gängigen Missverständnis ablenken, das den lebensgefährlichen Bewusstseinszustand als eine unselige Stimmungseintrübung abtut, der mit etwas Selbstdisziplin schon beizukommen wäre. Nicht verwunderlich ist es daher, dass potenzielle Finanziers vor der Härte des Stoffs immer wieder zurückschreckten und Nettelbeck zehn lange Jahre um die Realisierung ihres Projekts kämpfen musste. Gewidmet ist HELEN (
) einer Freundin der Regisseurin, die 1995 im Alter von 30 Jahren ihren Depressionen schließlich zum Opfer fiel."
Finster ist HELEN (
) für Nadine Lange. Der Film "einen Grusel, der sich nicht mehr aus den düsteren Depressionsabgründen speist, sondern aus einer verhängnisvollen Dramaturgie. Mit dem Ziel, ein hoffnungsvolles Hollywood-Ende in Gestalt einer glücklich vereinten Familie zeigen zu können, muss die Figur der Studentin Mathilda kurzerhand entsorgt werden. Wie kaltblütig Sandra Nettelbeck das inszeniert, ist erschreckend. Und dass der stets als extrem selbstbezogen dargestellte David letztlich das rettende Ufer für Helen sein soll, erscheint doch ziemlich unplausibel. Gut möglich, dass sie bald wieder die schwarzen Klamotten aus dem Schrank holt."
Das Kino ist vernarrt in nervenkranke Frauenfiguren, stellt Birgit Glombitza fest. Der Film "ist ernst, sehr, sehr ernst, und gehört ganz eindeutig zur gedämpften, schwingungsunfähigeren Abteilung. Seine Heldin ist nicht bipolar oder manisch, was sicher den größeren Schauwert hätte, sondern nur und ausschließlich depressiv. Die protestantischste, reinste, moralischste Variante der Psychiatriefilme, wenn man so will. Das heißt, wir sehen, nachdem die Fallhöhe überdeutlich abgesteckt ist, eine Frau, die plötzlich nach Worten ringt, mitten im Satz eine Vorlesung abbricht oder den halben Tag verschläft."
Durch Robert Enkes tragische Selbsttötung hat der Film nun eine ungeahnte Aktualität zu erfahren, meint Michael Kohler. "Im Kino der 50er Jahre hätte es für Helens Leiden wohl nur eine Diagnose gegeben: die Entfremdung der bürgerlichen Welt. Es gibt kein richtiges Leben im falschen, das galt damals von Adorno bis Michelangelo Antonioni als ausgemacht und schlug sich an scheinbar grundlos leidenden Heldinnen mit den entsprechenden Symptomen nieder. In Sandra Nettelbecks Fallstudie ist das bürgerliche Unglück hingegen nicht mehr gesellschaftlich geprägt, sondern erscheint als schicksalhaftes Naturgesetz."