| Regie | Michael Herbig |
| Kinostart | 09.09.2009 |
Die Chancen, mit dieser Story ins Herz der Zielruppe zu treffen, stehen nicht schlecht, glaubt Maurice Lahde. "Die entführten Kinder nehmen ihre Rettung am Ende weitgehend selbst in die Hand, die Großen sind vor allem als Schlepp- und Prügeltrupp einsetzbar und stehen ansonsten bestenfalls nicht im Weg. Abenteuerfilmzutaten gibt es reichlich – eine Schatzinsel, ein Geisterschiff, ein geheimnisvoller Nebel –, und nebenbei erfindet der Titelheld noch die bemannte Luftfahrt. Als Diskursstoff mag WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER (
), rundweg brav und ohne doppelten Boden, wenig hergeben (höchstens Zitatesucher haben einiges zu tun), doch einwenden kann man gegen diesen liebevoll gemachten Film wenig. Und 90 Minuten Bully ohne einen Schwulenwitz, das ist doch auch schon mal was."
Daniel Haas sah einen mitreißenden, rundherum stimmigen Kinderfilm geschaffen, der nicht nur kleine Menschen ins Boot holt. "Ein wunderbarer Film. Weil herzig, schnell, ulkig, mit großer Liebe fürs Detail ausgestattet und vor allem von den kleinen Darstellern (Jonas Hämmerle als Titelheld, Mercedes Jadea Diaz) ganz groß gespielt. Hier ist der infantile Bully-Witz rundherum angemessen: schmerbäuchige Wikinger, depravierte Seeräuber (Jürgen Vogel in der, aus zahnästhetischer Sicht, angemessensten Rolle seiner Laufbahn), wilde Raufereien - dies alles ist mit herrlicher Verve inszeniert."
Mit bewährter Situationskomik ködert Michael Herbig laut Maris Hubschmid die kleinen Zuschauer, mit viel Ironie und launigen Anspielungen die großen. "Wenn er das eigens gezimmerte Schiff über eine Insel tragen lässt, lacht das junge Publikum über den nimmersatten Faxe, der – einem Braten hinterherlechzend – als Zugtier eingespannt wird. Die Erwachsenen hingegen, jedenfalls die Cinephilen unter ihnen, fühlen sich an Werner Herzogs Fitzcarraldo erinnert. Herbig selber segelt ganz in ein neues Genre: weg von Klamotte und Klamauk, hin zum gut gemachten, liebevollen Kinderfilm."
Isabella Reicher ist etwas enttäuscht. "Bei WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER (
) handelt es sich nicht um eine Parodie. Bei Wickie hört der Spaß diesbezüglich offenbar auf. Lieber vertraut man auf die bewährten Figuren und die immer noch gültige Botschaft. Würde das alles nicht so viel Kalkül und so wenig eigenen Charme verströmen, wäre es vielleicht sogar abseits der Kasse wirklich ernsthafte Konkurrenz für unseren Cartoon-Liebling."
Thomas Klein hat keine Überraschungen ausgemacht. "Dem großen Wurf steht letztlich nur der Filmemacher selbst im Weg. Immer wieder streut Michael Herbig matte Witzeleien ("Der kleine Wickie soll sich bitte an der Reeling melden.") und schale Popkultur-Anspielungen ("Drama, Baby, Drama!") ein, zu viele unnötige Gastauftritte (Christoph Maria Herbst, Jürgen Vogel, Herbert Feuerstein, Billie Zöckler) lenken von der Geschichte und Herbigs Schauspiel-Entdeckungen ab. Am lästigsten werden aber die Auftritte des Regisseurs als lispelnder spanischer Reporter: Ob nun Ego oder Wunsch der Geldgeber, weniger Bully wäre hier deutlich mehr gewesen."
Dass Michael Herbig diesmal komplett ohne tuntig angehauchten Klamauk auskommt und auch sonst bemerkenswert wenigen Wikingern etwas auf den Kopf fallen lässt, macht WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER (
) zu einem erstaunlich gelungenen Familienfilm, dessen Humor im Vergleich geradezu erwachsen daherkommt, lobt Kathrin Häger. Außerdem tat es gut, "dass sich Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Michael Herbig diesmal selbst nur eine kleine Nebenrolle auf dem Wikingerboot zugestand, um sich ganz darauf zu konzentrieren, den Film vom Regiestuhl aus sicher durch die Untiefen des Komödiengenres zu manövrieren."
Wickie und die starken Männer (
) hat Regisseur Michael Herbig verwandelt, behauptet Norbert Meyer: Statt brachialen deutschen Humors gibt es leichte Ironie in einem geradlinigen Kinderfilm. "Es gibt rassige Kampfszenen, die kleine Leute auch ohne elterliche Begleitung verarbeiten können, und Gedankenblitze Wickies, durch die er schließlich auch die Schwerkraft besiegt."
Rundum gelungen ist die Sache für Oliver Zimmermann. "Der Abenteuerfilm ist witzig und überaus detailverliebt. Wobei die Ausstattung weniger Wert auf historische Genauigkeit legt, als auf ihre Nähe zur Fernsehserie. Das spiegelt sich auch inhaltlich wieder. So erkennt der kundige Zuschauer viele Szenen, Wendungen und Ideen aus der Originalserie wieder. Daneben gibt es zahlreiche Anspielungen auf Filme wie Der Herr der Ringe oder Der weiße Hai zu erspähen. Und wenn Wickies Schatten in einer gewittrigen Szene durch den Türspalt fällt, kommt einem sogleich das Asterix-Titelblatt von "Der Seher" in den Sinn."
Linksammlung zum Film.
Barbara Nolte erklärt, wie Bully Herbig zum erfolgreichsten Humoristen des deutschen Kinos wurde.