| Regie | John Madden |
| Kinostart | 16.07.2009 |
Felix Frieler ist durchaus angetan. "Trotz der verhältnismäßig geringen Spieldauer wirkt der Plot selten gehetzt. Es gelingt James Madden jedoch nicht, die einzelnen Teile des Films überzeugend miteinander zu fusionieren. Auch wenn alles auf den Zweikampf zwischen Wayne und Blackbird hinausläuft, thematisch sind die Geschichten voneinander isoliert und finden nie richtig zueinander. Dennoch wirkt Killshot (
) in gewisser Weise wohltuend. Hartnäckig widersetzt er sich einer voranschreitenden "Mainstreamisierung" einzelner amerikanischer Genres. Stattdessen frönt er Erinnerungen an Zeiten, in denen B-Pictures noch eine Existenzberechtigung und deren Regisseure besondere Freiräume hatten."
Laut Anke Westphal gibt Mickey Rourke den lässigsten Indianer der Filmgeschichte. Hier "gibt es große Kinomomente, die man fast ausgestorben glaubte: Momente, in denen eine Zeit lang so gut wie nichts passiert - jedenfalls meint man das -, wo etwa ein Fertiggericht verspeist und ein Drink genommen wird - und plötzlich alles anders ist, weil eine unsichtbare Grenze überschritten wurde von einem der Beteiligten, was ein anderer, der nun wahrlich Langmut und Coolness gezeigt hat, nicht mehr tolerieren kann. Dass ein paar von diesen Momenten die Verstümmelung des Films überdauert haben, genügt schon, um KILLSHOT (
) reichlich groß zu machen."
Einen Killer mit unvermuteter Tiefe sah Bert Rebhandl. Das Gesicht des Mickey Rourkes "trägt in diesen Fall die Spuren nicht nur eines verpfuschten Lebens, sondern bekommt fast historischen Charakter: Denn Blackbird ist zur Hälfte Indianer, ein versprengter Abkömmling der amerikanischen Ureinwohner, ein Rachegott mit Stammeszugehörigkeit. Aber so wenig die Indianer noch Subjekte einer großen Erzählung sind, so wenig ist Armand "Blackbird" Degas in KILLSHOT (
) das Subjekt eines konzisen Plots. Im Gegenteil, er gerät durch Zufall und Nachlässigkeit in eine Geschichte, die an bizarren Sprüngen nicht arm ist."
Die One-Man-Show hat Martin Schwickert überzeugt, der Film weniger. Er "ging durch allerlei Hände und wurde mehrfach umgeschnitten, und das merkt man ihm an. Nebenfiguren wie Rosario Dawsons Ganovenbraut oder auch der Beziehungskonflikt zwischen den Eheleuten bleiben schemenhaft. John Maddens Ambitionen, das Genre gegen den Strich zu bürsten, wurden offensichtlich wieder gestutzt. Dabei hätte KILLSHOT (
) gerade durch die Mischung zwischen Gefühl und Härte aus dem üblichen Killer-Thriller-Format herausragen können, in das sich der Film nun etwas ungelenk einreiht."
Laut Katja Lüthge hat Mickey Rourke das Comeback verpasst. "Interessanter und vor allem kohärenter als der Plot sind die Charaktere, die sich der trüben Winterlandschaft der im Film landschaftlich komplett reizlosen mittelöstlichen Grenzregion zwischen Kanda und den USA auf trüb-trostlose Weise geradezu camouflageartig anpassen. Diane Lane als verhärmte Immobilienmaklerin mit Sinnkrise und eben Mickey Rourke als krimineller und entwurzelter Halbindianer sorgen für eine Stimmung kalter, lakonischer Leere. Und selbst das vergleichsweise versöhnliche Ende mag den Zuschauer nicht aus dieser Gefühlslage entlassen."
Sehenswert ist der Film überraschenderweise für Ekkehard Knörer. "Es ist der Weinsteinschen Schere, anders gesagt, nicht gelungen, der Geschichte das bis zur allernüchternsten Heiterkeit düstere Menschenbild Leonards auszutreiben. Vom Prolog an, der einen katastrophal ausgehenden Überfall mit Mickey Rourke-Voiceover erzählt, werden dem Helden des Films, der ein gnadenloser Killer ist, immer wieder Rest-Sympathien zugeführt. Gegen sein Charisma kommt die fade sich windende Ehe-Geschichte einfach nicht an. Als Moment einer wirkungsvollen Spannungs-Dramaturgie funktioniert sie dagegen sehr wohl."
Norbert Raffelsiefen lobt die Darsteller. "Mickey Rourke deutet hier schon viel von seiner wiedererwachten Präsenz an, mit der er wenig später in The Wrestler (
) so beeindruckend die Leinwand füllte. Sein Killerkollege Joseph Gordon-Levitt darf als brutaler Spinner dem Affen so richtig Zucker geben, während Diane Lane und Thomas Jane dem kriselnden Ehepaar, trotz der fehlenden Unterstützung durch das Drehbuch, die nötige Glaubwürdigkeit verleiht Angesicht des raren Angebotes an klassischen Genrefilme, können sich Fans von Elmore Leonard auf jeden Fall freuen, dass der lakonische Thriller doch noch seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat."
Linksammlung zum Film.