| Regie | Connie Walther |
| Kinostart | 25.06.2009 |
Sascha Keilholz wartet weiter auf einen aktuellen audiovisuellen RAF-Beitrag. "Obwohl der Film, anders als Christian Petzold in DIE INNERE SICHERHEIT (2000), ganz konkret die RAF nennt und sich an deren Taten orientiert, führt Walthers Konzept, mit Andeutungen und Auslassungen zu arbeiten, den Figuren einen scheinbaren Freiraum zu gewähren, hier in eine Sackgasse. Was zum einen daran liegt, dass sich im Gegensatz zum vorangegangenen Film immer wieder erklärende und psychologisierende Dialoge einschleichen."
So provokant wie fulminant nennt Christian Buß das RAF-Drama. Er ist "von der Frage bestimmt, wie Opfer und Täter zu gleichberechtigt aktiven Figuren gemacht werden können, die gewissermaßen auf Augenhöhe agieren, ohne dass das Leid des einen und die Schuld des anderen relativiert werden. Connie Walther findet dafür ein paar starke, verstörende Bilder, etwa wenn der Ex-Terrorist und die Rächerin auf dem Balkon kiffen, während unter ihnen im Garten das Leben der anderen stattfindet. Fremd ist die Welt ihnen beiden im gleichen Maße - bloß ist eben der alte Mann dafür verantwortlich, dass es der jungen Frau so geht."
Laut Christina Bylow gibt der Film "seinem Sujet eine eigenwillige, suggestive Bildsprache. Die Farben dieses Films sind nicht einfach verblasst wie alte Dias; sie gleichen den irgendwo in der Farbentwicklung stecken gebliebenen Filmen, unentschieden zwischen Farbe und Schwarz-Weiß. ... Connie Walther erzählt die Weitergabe von Gewalt mit großem Gespür für die Not der Figuren, ohne sie dabei durchsichtig werden zu lassen. Ihre Schauspieler sind Virtuosen der Einsamkeit."
Cristina Nord findet es traurig, dass der Film "die Frage, wie Opfer und Täter leben, wenn die Tat schon lange zurückliegt, so umstandslos mit neuen Taten beantwortet. Er rutscht dabei in die dramaturgische Aufgeregtheit eines TV-Movies, was in eigentümlichen Widerspruch zur durchgängig entsättigten Farbgestaltung steht. Die suggeriert eher Verlangsamung, Stillstand und kühles Registrieren als Handlungsüberschuss. Der Film könnte die Akzente anders setzen, er könnte sich die vorhandenen Beschädigungen geduldig ansehen, bevor er neue erfindet."
Heike Kühn sah endlich einen Film, "der die Folgen der RAF-Morde aus der Perspektive menschlicher Anteilnahme und filmanalytischer Traumaforschung beleuchtet. SCHATTENWELT (
) lässt den vermeintlich unbedeutenden Mit-Opfern der ermordeten Elite Gerechtigkeit zukommen und stellt die Leiden aller Nachkommen in den Mittelpunkt."
Matthias Dell wirft dem Film Fernsehfilmpsychologie vor. "Anfangs sind die Bilder schwarz-weiß-farblos (schwierige Geschichte!), sie zeigen den nach langer Zeit entlassenen Widmer als beschädigte Seele, die Neubauwohnung richtet er sich ein wie einen konspirativen Verschlag. Bald kommt Farbe ins Spiel, und dann wird es auch egal, ob Ulrich Noethens Figur nun ein RAF-Mitglied ist oder nur ein beziehungsgestörter Mann, wie man ihn als einsamen Wolf in jedem zweiten deutschen Film trifft: Es läuft darauf hinaus, dass zwei Leute in einem Auto sitzen und sich ihre Vergangenheit erzählen."
Zwar laboriert der Film laut Ulrich Kriest "an ein paar empfindlichen Schwächen – etwa die grobschlächtige Signifizierung der Traumatisierung Valeries, die etwas umstandslose Präsenz von Schusswaffen und das permanente Kokettieren mit Shootout-Situationen. Dennoch liefert der Film der "never ending story" der filmischen Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte einige produktive neue Impulse, insofern der Panzer des Politischen originell aufgebrochen wird und Fragen nach persönlicher Verantwortung oder Schuld virulent werden. Dass Connie Walter kein wohlfeiles, affirmatives oder gar nachtarockendes Sieger-Entertainment anbietet, sondern mit ernsthaften moralischen Fragen in der gebotenen Schärfe umgeht, ehrt diesen kleinen, aber unbequemen und rücksichtslosen Film."
Es geht hier laut Thilo Wydra vor allem "um die Opfer, um Angehörige der Ermordeten und darum, wie mit ihnen umgegangen wurde. Ein durchaus heikles, ambivalentes Sujet. Doch die Unaufgeregtheit von SCHATTENWELT (
), die formale und stilistische Reduktion auch, und, dass hier nicht alles nur wie behauptet wirkt, sondern durchaus authentisch anmutet, all dies nimmt für diesen kleinen Film ein. Er wirkt wie ein hermetisches Kammerspiel, einem Druckkessel gleich, der früher oder später hochgehen wird."
Für Gary Rohweder ist dies "ein spannender und engagierter Beitrag zum "Mythos RAF", der lediglich in seiner Optik aufgrund der enormen Farbreduzierung im wahrsten Sinne blass erscheint. Dieses wie auch das abrupte Ende bleiben Ausdruck künstlerischer Freiheit."
Thomas Engel ist durchaus angetan. "Nüchtern, in einer fast düsteren monochromen Farbgebung, in einer Stimmung, wie sie dem Thema angemessen erscheint, wird dies alles dargestellt. Eine SCHATTENWELT (
) im wahrsten Sinne des Wortes. Wie gesagt der Terrorismus ist heute gegenwärtig, der Kampf gegen ihn angesagt, doch auch seine Bewältigung ist wichtig. „Schattenwelt“ ist eine Facette in dieser Realität. Franziska Petri ist eine unbeirrbare Valerie, Ulrich Noethen zeigt sein kaputtes Leben, Eva Mattes spielt die verdrückte Marita."
Linksammlung zum Film.