| Regie | Wayne Kramer |
| Kinostart | 25.06.2009 |
Bert Rebhandl sieht viele Klischees. "Alles an Crossing Over (
) ist von einer dramatischen Dringlichkeit bestimmt, die im Einzelfall sicher ihre Berechtigung hat, die in dieser pathetischen Verknüpfung aber eher anstrengend wirkt. Wayne Kramer möchte ganz offensichtlich an die bekannten Querschnittfilme anschließen, die es aus Los Angeles gibt ... Die Klischees, von denen das Zusammenleben der unterschiedlichen Gruppen in den USA bestimmt sind, werden in Crossing Over (
) aber eher bestärkt, als dass Wayne Kramer ein neuer und originärer Blick auf die realen Verhältnisse in den USA gelänge."
Mindestens so ehrenhaft wie misslungen ist der Film für Daniel Sander. "Manche Handlungsstränge - besonders der von Harrison Ford - sind packend und spannend erzählt, werden aber unterminiert von dem albernen Zwang, dass sich die Geschichten immer irgendwann kreuzen und beeinflussen müssen. ... Crossing Over (
) hat zu viel Inhalt und zu wenig Zeit, um alle guten Absichten zu einem überzeugenden Film zu bündeln. Und gute Absichten allein, das hat noch nie gereicht."
Der wichtige Hollywoodfilm zum Thema Migration fehlt noch, meint Anne Kreby. "Grund, sich über Klischees, unrealistische Darstellungen und Herabsetzungen beim Regisseur zu beschweren, hätten vielleicht noch ganz andere Communities gehabt. Allen voran die Schwulen, die in der Schlussszene durch ein auf besonders feist und schmierig gemachtes Exemplar vertreten werden. Ein mittelalterlicher blondgefärbter Ohrringträger quetscht sich hier vor dem jungen, vitalen migrantischen Publikum auf der offiziellen Einbürgerungsfeier die amerikanische Nationalhymne heraus."
Leider sind für Sascha Koebner "die Figuren so zahlreich, dass kein Raum bleibt, ihre Charaktere differenzierter zu zeichnen: Sie wirken eher wie beispielhafte, aber eindimensionale Vertreter bestimmter Schichten denn wie echte Menschen. Auch wenn einige der Geschichten, etwa die des Lebensretters Max oder der Werdegang der islamischen Schülerin, anrühren, kann man sich nur schwer des Gefühls erwehren, einem stark konstruierten Film beizuwohnen, der über der modellhaften Darstellung der vorherrschenden sozialpolitischen Verhältnisse der USA vergisst, erinnerungswürdige und originäre Figuren zu entwickeln."
Laut Susanne Ostwald ist es dem Regisseur gelungen, die Klischees zu meiden. "Jeder einzelne Erzählstrang ist durchaus überzeugend; unglaubwürdig sind nur einige der Zufälle, durch welche sie miteinander verknüpft werden. Manche der Storys nehmen überraschende Wendungen, wobei Wayne Kramer den ernsten Stoff durch einige zynische Einsprengsel gelegentlich aus der Betroffenheitsecke zu holen weiss. Im Ganzen aber überwiegt ein menschelnder Ton, der dem Film die potenzielle Brisanz nimmt, denn Wayne Kramer blendet politische Implikationen der Immigrationsproblematik beinahe vollständig aus. Betroffenheit (vor allem die eigene) ist jedoch ein ungeeignetes Instrument, um ein derart heisses Eisen zu schmieden. Wayne Kramers humanitäres Engagement in allen Ehren, aber weniger Pathos und mehr kritische Distanz hätten seinem Film gutgetan."
Für Michael Meyns ist das alles "ein bisschen viel und führt in der Masse der Figuren, Episoden und Themen dazu, dass vieles nur sporadisch angedeutet und über weite Teile des Films vernachlässigt wird. In seinem Bemühen, auch noch den kleinsten Aspekt der weiten Thematik in den Film aufzunehmen, verzettelt sich Wayne Kramer in so vielen Geschichten, dass kaum eine Einzelne größere Resonanz entfaltet. Im Endeffekt ist CROSSING OVER (
) ein extrem gut gemeinter Film, der es aber nur in wenigen Momenten schafft, seinen Figuren und Geschichten eine emotionale Bedeutung zu verleihen, die über die Komplexität einer Zeitungsnotiz hinausgeht."
Laut Frank Arnold funktioniert die durchgängige Anteilnahme an den Charakteren nicht, "vielleicht, weil jede seiner Figuren für etwas stehen muß. Ihre Zerrissenheit wird dabei nur selten so auf den Punkt gebracht wie in der Figur von Brogans aus dem Iran stammendem Partner Hamid, der einem koreanischen Jungen in einer höchst prekären Situation ins Gewissen redet."
Linksammlung zum Film.