| Regie | Hans-Christian Schmid |
| Kinostart | 07.05.2009 |
Ein deutsches Unternehmen bringt die Schmutzwäsche führender Berliner Hotels nach Polen - und am nächsten Tag sauber gewaschen und gebügelt zurück. Eine Geschichte über Arbeit, die auswandert. Und über die Menschen, zu denen sie kommt.
Wie in seinen Spielfilmen, hat der Regisseur auch hier ein feines Sensorium für Familien, für die Kluft zwischen Außendarstellung und Innenleben, schreibt Christina Bylow. "Das Geld ist knapp, die Arbeit ermüdend. Hunderte von Bademänteln auf Kante gelegt, Kopfkissen und Bettlaken auseinander sortiert, und das im Schichtdienst, sieben Tage in der Woche. Schmid zeigt, wie der Rhythmus der Fabrik das Leben der Arbeiterinnen in seinen Zeittakt zwingt, aber die Waschfabrik bleibt der weiß leuchtende Bildgrund seines Films, nicht das Zentrum."
Ergreifend nennt Christiane Peitz die Dokumentation. "Dass die Stimmen von Beata, Monika oder Monikas Ehemann Janusz, der vom Wegzug der jungen Leute aus der Region berichtet, aus dem Off kommen, sorgt für eine erhellende Nah-Fern-Wirkung, die Ästhetik des cinéma direct. Arbeit zeigen ist das eine. Über Arbeit reden etwas anderes. Die Abkoppelung von Ton und Bild schafft einen Freiraum fürs Imaginäre. Für die Fantasie, die Beata sich leistet, wenn sie nachts beim Bügeln so vor sich hinträumt. Ein kleines Haus für die Familie, das wäre das Glück."
Schmutzig ist die ganze Sache, meint Alexandra Exter. Der Regisseur "hat sich das Alltagsleben der Frauen angesehen, die dafür sorgen, dass die Morgenmäntel im Hotel Adlon immer schön fluffig sind. Er fand Menschen, die in einer strukturschwachen Gegend froh sind über den halbwegs sicheren Arbeitsplatz. Menschen aber auch, deren Alltag kaum ferner sein könnte von dem Leben derjenigen, die Nutznießer ihrer Arbeit sind."
Für Stefan Volk baut der Regisseur "eine fast intime Nähe zu diesen vier Frauen auf, was den Eindruck entstehen lässt, man nehme unmittelbar an ihrem Leben teil. Die ruhige, sehr flexible Kamera bewegt sich wie willkommener, wenn auch zurückhaltender Besucher durch die Familien. Die gefühlte Authentizität dürfte daraus resultieren, dass Schmid an die Dreharbeiten mit einem "offenen Konzept" herangegangen ist. ... Dieser Vorgehensweise verdankt der Film die freundschaftliche Nähe zu den Protagonisten; ihr ist aber auch seine Schwäche geschuldet. Angesichts des politischen und sozialen Spannungsfeldes, in dem sich der Film bewegt, fehlt es ihm an einer erkennbaren Argumentationsstruktur."
Ronja Dittrich sah einen beeindruckenden Dokumentarfilm über Arbeit, die auswandert und Menschen, die sie in die Mangel nehmen. "Beim Dreh nahm der Regisseur, der selbst nur wenig polnisch spricht, in Kauf, dass sich die Gespräche teilweise ohne sein genaues Verständnis entwickelten. Der Authentizität hat das gut getan. Manchmal will der Film jedoch zu viel erzählen, und läuft dann Gefahr, sich zu verzetteln. Die Kraft der Erzählung nimmt daran jedoch keinen großen Schaden. Die wundersame Welt der Waschkraft, Schmid hat sie eingefangen: Auch in diesem Moment sind LKW-Ladungen aus Berlin unterwegs. Die schmutzige Wäsche, sie wird woanders gewaschen."
Linksammlung zum Film.
So spült man sich Ausbeutung weich, meint Thekla Dannenberg. "Besonders skandalös oder außergewöhnlich ist das Waschprogramm der Firma Fliegel wohl nicht, vielleicht nicht einmal unsauber. Aber, und das zeigt der Film sehr sympathisch, verdammt schizophren. Man muss schon gehörige Selbstverleugnungskräfte aufbringen, um sich eine Wirtschaftslogik schönzureden, die auf solch tristen Lebensbedingungen gründet. Um um nicht den Grauschleier zu sehen, der auf den Bettlaken Berliner Nobelhotels liegt."
"Es ist das große Verdienst des Regisseurs, dass er deutsche Interessen und polnische Lebenswirklichkeit nicht gegeneinander ausspielt, sondern mit rein dokumentarischem Interesse die menschlichen Dimensionen des kleinen Grenzverkehrs zeigt. Und zu dem gehören die Träume der Polinnen eben genauso wie der Drill, dem die deutschen Zimmermädchen in den Berliner Nobelhotels ausgesetzt sind. Die nüchtern beobachtenden Bilder vom Arbeitsalltag hier wie dort sagen genug."
Hans-Christian Schmids Film ist keine larmoyante Anklage gegen die relative Armut in unserem Nahbereich, meint Claudia Lenssen: "Er schildert vielmehr sehr persönlich und einfühlsam, wie Menschen gezwungen sind, sich mit den Bedingungen exportierter Arbeit zu arrangieren. ... Behutsam und diskret schildert er, wie die Schichtarbeit das Leben der Frauen, Kinder und Lebenspartner dominiert, welche moderaten Aufstiegsträume möglich scheinen und welche Entscheidungen die unsicheren Verhältnisse den Familien abverlangen."
Datenblatt zum Film.