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DAS WEISSE BAND

DAS WEISSE BAND

Regie Michael Haneke
Kinostart 15.10.2009

Kritiken • DAS WEISSE BAND

15. September 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Das weisse Band - Kritik - critic.de Partner von film-zeit

Felix von Boehm sah ein formvollendetes Filmwerk von universeller Gültigkeit, "das weit über die präzise komponierte und in seismographischer Manier erfasste filmische Welt hinausweist. Aus den fragmentarischen, aber sensiblen Momentaufnahmen in der hermetischen Realität des Dorfes setzt sich in dem streng chronologisch erzählten Film allmählich das Sittengemälde einer im Umbruch befindlichen Gesellschaft zusammen. Vielleicht verdankt der Film seinen Untertitel "Eine deutsche Kindergeschichte" dem Umstand, dass die Kinder eben jener Gesellschaft zwei Kriege erleben und einige von ihnen zu den größten Verbrechern des zwanzigsten Jahrhunderts werden sollten. Dabei greift es jedoch zu kurz, DAS WEISSE BAND (DAS WEISSE BAND Trailer) lediglich als eine Analyse des Ursprungs vom Nationalsozialismus zu begreifen."

15. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Frankfurter Rundschau

Obwohl sich der Film in seiner Form allen Regeln des Unterhaltungsfilms widersetzt, bannt er sein Publikum, stellt Daniel Kothenschulte fest. "Es ist die größte Schwierigkeit im Kino, einerseits fesselnd zu erzählen, anderseits aber auch einen Grad distanzierender Verfremdung zu wahren. Michael Haneke erreicht diesen Effekt durch eine vielleicht sehr bewusst ins Leere zielende Perfektion. Man verlässt den Film am Ende weniger ergriffen als beklommen. Ja, man möchte nachdenken über diesen außergewöhnlichen Film. Aber erst einmal verspürt man den Wunsch, die Luft zu atmen, die seinen Bildern fehlte."

15. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Der Freitag

Matthias Dell stellt Folgendes fest: "Man kann Michael Hanekes Film vorwerfen, dass er am Ende zu vage bleibt, übersieht dann aber, dass Das weiße Band zuerst nicht mehr ist als das Sittenbild einer sterbenden Epoche – die Kirche bleibt in den letzten Bildern tatsächlich im Dorf, aus dem der Erzähler sich entfernt –, in dem Funktion und Ästhetik von Gewalt dargestellt werden. Und das nicht mehr Bedeutung gewinnt, indem es sich erklärt: Anregender als die Überlegung, dass diese Kinder mit diesen Erfahrungen erwachsen waren, als der deutsche Faschismus begann, ist die Frage, wo Schuld anfängt."

15. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Der Spiegel

Christian Buß sah einen Horrorfilm, der keine Horrorbilder braucht. "Man könnte DAS WEISSE BAND (DAS WEISSE BAND Trailer), diese stille Folterballade in Schwarzweiß, angesiedelt am Vorabend des Ersten Weltkriegs, ein Historiendrama nennen. Man sollte aber nicht darauf hoffen, dass der Film den momentan gültigen Regeln des Genres folgt. Regisseur Michael Haneke zwingt uns dazu, das Sehen neu zu lernen. Schließlich leben wir in Zeiten, in denen das deutsche Kino und das deutsche Fernsehen eine Art Geschichtsunterhaltung kultiviert haben, die uns die zentralen Daten und Verstrickungen meist in einem bunten Strauß aus Kostümen und folkloristischen Darbietungen reicht."

13. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal schreibt über die kollektive Störung in dem großartigen Film. "Dieser Film ist das Ungeheuerlichste, Schönste und Größte, was dem deutschsprachigen Kino seit langem widerfahren ist: Er ist spannende Kriminalerzählung, analytisches Gesellschaftsbild und horrendes Psychogramm in einem. Er zeichnet das Porträt einer Gemeinschaft, die sich ausschließlich auf Autorität gründet und ihre Prinzipien durch das permanente Erzeugen von Schuldgefühlen, ständige Strafandrohung und tatsächliche Bestrafung durchsetzt. Strafe wird hier als Grundlage für Achtung angesehen und "Reinigung durch Züchtigung erlangt". Das wird in einem Ton höchster Vernunft vorgetragen, dem kaum zu widerstehen ist."

12. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Der Tagesspiegel

Christina Tilmann sah ein Meisterwerk über Autorität und Charakterdeformation. "Das sind Bilder, wie man sie aus der Kunst kennt, aus den aufgeräumten Stuben, den leeren Landschaften der Niederländer, den kargen Interieurs eines Edvard Munch, aber auch aus den existenzialistischen Filmen eines Ingmar Bergman. Und wie Kunstwerke sind auch die einzelnen Einstellungen gebaut, mit Blicken durch Türen, durch Fenster, die als Rahmen stehen bleiben, ein ewiges Spiel mit Drinnen und Draußen, mit Begrenzung und Ausblick, jedes Bild eine Bühne, und gespielt wird das große Stück von Leben und Tod."

10. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • br-online.de

Für Margret Koehler legt Michael Haneke den Finger in die Wunde. "Auch wenn der Regisseur keine spezifische Beziehung zwischen seinem Film und dem Faschismus ziehen möchte und auf Allgemeingültigkeit pocht - die Saat des Bösen ging auf, der Untertanengeist fand seine Entsprechung in der Nazi-Diktatur. Michael Haneke ist ein perfektionistischer Künstler, der nichts dem Zufall überlässt und hier in klassisch narrativer Form ein bis ins kleinste Detail genaues Zeit- und Sittengemälde zeichnet, mit den von ihm gewohnten dunklen Untertönen zeichnet - den unvermeidlichen Weg in die Katastrophe. DAS WEISSE BAND (DAS WEISSE BAND Trailer) gewann 2009 die "Goldene Palme" in Cannes als bester Film: ein gerechtfertigter Preis für ein verstörendes und beklemmendes Meisterwerk."

02. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • epd-film

Sattsehen oder Nachdenken, das ist die Frage für Marli Feldvoß. "Die blendend schönen hyperrealistischen Bilder Michael Hanekes, die Landschaften in kunstvolle Radierungen verwandeln, jedes Detail, jede Gesichtsregung registrieren, könnten Aufklärung betreiben, könnten ohne weiteres die Beweise dafür vorlegen, wo sich das Wahnhafte vom Normalen trennt. Doch der erklärte Realist Michael Haneke besteht auf dem Geheimnis, bedient sich lieber der Erzählmuster des Fantasygenres, vielleicht um seiner Grund­idee, den "gemeinsamen Nenner" terroristischer Taten aufzudecken, die schärfste Waffe zuzuliefern: die Aufstachelung des Zuschauers. Die Reibungsfläche zwischen der auf Wahrhaftigkeit pochenden Ästhetik eines August Sander – eine so noch nie dagewesene, mittels digitaler Technik erzielte Schwarz-Weiß-Fotografie – und der fehlenden narrativen Auflösung des ungeheuren Geschehens, mag dem atemberaubenden Suspense des Films zugutekommen."

02. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • ray-magazin 10/2009

Der Regisseur zeigt laut Oliver Stangl "anhand mehrerer Familien Mechanismen von Erziehung und Züchtigung. ... Das Materielle wird dabei zu einem eigenständigen Charakter: Wie sein Vorbild Robert Bresson schneidet Michael Haneke oft nicht weg, nachdem Figuren das Bild verlassen, lässt die Kamera auf Wänden oder Gegenständen verharren. Nicht zuletzt erscheinen die Menschen auch auf der Handlungsebene als Material – neben der Familie der Landarbeiter, die vom Wohlwollen des Gutsherrn abhängig ist, sind es besonders die Kinder, über die verfügt wird wie über Gegenstände. Menschenmaterial, das durch Repression gefügig gemacht wird.2

01. Oktober 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Filmbewertungsstelle Wiesbaden

Der Film ist "wunderbar komponiert, und zudem hat er eine erstaunliche Erzähldichte. In jeder Szene passiert etwas Entscheidendes, und der Zuschauer wird durch den Krimiplot ("Wer ist der mysteriöse Missetäter?") ständig in Spannung gehalten. Aber Michael Haneke will auch an diesem Exempel zeigen, aus welchen Zuständen jene Generationen von Deutschen erwuchsen, die das Jahrhundert mit zwei Weltkriegen und einem Terrorregime traumatisierten."

23. Mai 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Die Tageszeitung

Cristina Nord mag die Widerstands-Bilder. "Die Ernsthaftigkeit der mise en scène steht dabei manchmal in einem merkwürdigen Kontrast dazu, dass den Geheimnissen, die unter der Oberfläche der Wohlanständigkeit lauern, etwas Vorhersehbares eignet. Beeindruckend geraten Michael Haneke vor allem die Bilder des Widerstands: Aus Wut auf den Baron verwüstet ein Bauernbursche mit der Sense ein Kohlfeld; die Tochter des Pfarrers tötet dessen Wellensittich mit einer Schere. Die Leiche des Vogels ordnet sie zusammen mit der Schere auf dem Schreibtisch des Vaters so an, dass ein Kreuz entsteht."

23. Mai 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Frankfurter Rundschau

Fotografiert in klinischem Schwarzweiß, gibt sich Michael Hanekes neues Lehrstück in seiner Lesart laut Daniel Kothenschulte "früh zu erkennen: Zwei Jahrzehnte später wären diese bösen Kinder erwachsene Nazis. Doch die Reduzierung der Figuren auf wenige, exemplarische Eigenschaften führt zu einer unglücklichen Holzschnitthaftigkeit. ... Vor allem aber lassen die gleichwohl faszinierenden zweieinhalb Stunden den Zuschauer diesmal ohne Geheimnis zurück. Ein Eindruck, den das überscharfe technisierte Schwarzweiß - zumindest in der digitalen Projektion beim Festival - noch schmerzlich verstärkt."

22. Mai 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal sah einen sehr ernsthaften Versuch, etwas über das deutsche Wesen zu erzählen und das in einer angemessen klaren Form. "Michael Haneke entwirft weniger das Bild einer Gemeinschaft als das eines geschlossenen autoritären Systems, das auf der Grundlage permanenter Strafandrohung beruht. Die Kinder des Dorfs und deren Erziehung zu "Sitte und Anstand" stehen im Mittelpunkt. Haneke macht quälend deutlich, wohin eine solche Erziehung führt, wenn sie nicht von Liebe getragen ist und auch nicht auf Herzensbildung aus ist - sie führt zu Böswilligkeit, Neid, Stumpfsinn und Apathie. Sie bereitet den Faschismus vor."

22. Mai 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Der Tagesspiegel

So subtil wie zuletzt CACHÈ kommt der Film laut Jan Schulz-Ojala nicht daher. "Vieles spricht dafür, dass in diesem engen Dorf-Universum die Jugendlichen sich anonym an ihren Herren rächen und die Kleineren ihren protestantisch gefütterten Sünden-Sadismus an den Schwächsten auslassen. Und allzu leicht lässt sich die behäbig ausgepinselte Gesellschaft vom Baron bis zum Bauern, vom Pastor bis zur Hebamme als Metapher auf den noch einmal böse funkelnden, aber historisch bereits untergehenden Spätestfeudalismus deuten."

22. Mai 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • Der Standard

Das Allerwenigste wird hier ausagiert - um so mehr angedeutet, als Symptom beschrieben, entdeckt Dominik Kamalzadeh. "Michael Haneke inszeniert mit einer gravitätischen Strenge, er findet Bilder, in denen Figuren wie hinter Glas agieren, oft in gespenstischer Stille. Stilistisch schließt der Film an eine Tradition von Literaturverfilmung an (das Buch ist jedoch von Michael Haneke selbst), als gelte es, diese Form nochmals zu radikalisieren. Das wirkt bei aller Präzision und Raffinesse oft auch ein wenig museal."

22. Mai 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • telepolis.de

Protestantischen Terror hat Rüdiger Suchsland ausgemacht. "Mit hoher historischer Genauigkeit hat Haneke einen Film über die autoritäre Gesellschaft gemacht. Es ist eine Welt, wie sie - für die Stadt und für andere Klassen - Schnitzler, Thomas Mann, Bernhard von Brentano und viele andere beschrieben haben, nur noch etwas strenger und repressiver, denn die Verhältnisse sind halt weniger gebildet. ... Vor allem aber erzählt der Katholik Michael Haneke, der einen Teil seiner Kindheit in Schweden verbrachte, von Protestantismus und den Abgründen eines protestantischen Pfarrhauses - im Stil der ruhigen, präzisen Schwarzweiß-Bilder erinnert das oft an die Schuld und Sühnedramen Ingmar Bergmans."

21. Mai 2009 | DAS WEISSE BAND • Kritik • sennhauser.ch

Michael Sennhauser ist sich noch nicht ganz klar darüber, ob das nun ein beeindruckend kontrollierter Film ist, oder ein ganz grosses Meisterwerk. "Das ist ein Michael Haneke-Film, wenn auch mit einer neuen (oder alten?) aufdringlichen Zurückhaltung gefilmt, die mitunter an Michael Hanekes Landsmann Ulrich Seidl erinnert. Allerdings sind die einzelnen Szenen hier ungleich kontrollierter, strenger und auch hinterhältiger gestaltet als bei Ulrich Seidl. Und die beiden sprachlichen Ebenen, jene der Figuren und die des Erzählers, hetzen sich mitunter gegenseitig, auch wenn der Film unglaublich ruhig bleibt, angesichts der Ungeheuerlichkeiten, die er erzählt."

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