| Regie | Jane Campion |
| Kinostart | 24.12.2009 |
Für Birte Lüdeking spiegeln "die Landschaften und Jahreszeiten die Stimmungen und Entwicklungen der Protagonisten wider. Keats Poesie fließt bis auf einige etwas zu plump geratene Szenen beiläufig und unaufdringlich in die Handlung ein. Das Einnehmende an der Erzählung ist eine für die Regisseurin ungewöhnliche Schwerelosigkeit. Wenn es später eigentlich tragisch werden soll, gelingt ihr allerdings kein überzeugender Tonfallwechsel. Als Momentaufnahme junger Liebe funktioniert der Film über weite Strecken sehr gut, weniger aber als deren dramatische Verlaufsgeschichte. Gegen Ende greift Jane Campion leider wieder auf frühere Stilmuster zurück und präsentiert uns erneut eine Frau, die ein bisschen zu kunstvoll leidet."
Linksammlung zum Film.
Laut Katja Nicodemus muss aus der Geschichte "kein großes Drama mehr entstehen. Für die unerfüllten Gefühle reichen einfache Bilder: zwei Betten in zwei Zimmern, durch eine Wand getrennt. Und zwei Hände, die durch den Stein die Nähe des jeweils anderen suchen. Nur in der Natur dürfen sich die Filmbilder und Keats’ Texte gegenseitig feiern und überhöhen. Obwohl Jane Campion die eine oder andere Wiese zu schön und das eine oder andere Wildblumenfeld zu viel geraten ist: BRIGHT STAR (
) bleibt ein angenehm unromantischer Film, weil seine Helden die romantische Gefühlssemantik, die man von heute aus in sie hinein projiziert, gerade erst erfinden."
Andreas Borcholte findet einiges zu vorhersehbar. "Nun muss ein Film über die große, tragische Liebe des größten Romantikers der englischen Literatur natürlich selbst etwas Schwelgendes haben. Denkt man. Jane Campion jedoch, die auch das Drehbuch schrieb, erzählt ihre im frühen 19. Jahrhundert spielende Geschichte nicht nur als allmählich aufkeimende und dann heftig aufflammende Love Story, sondern legt wie immer viel Wert auf Zwischentöne und gesellschaftliche Beobachtungen."
Die Geschichte würde laut Anke Westphal "Anlass bieten zu allerlei bedeutsamem Kleiderrauschen, keuschem Gekicher und scheuem Augenaufschlag, doch so einfach macht es sich Jane Campion nicht. Sie verweigert ihr das wohlfeil Ätherische, das man aus diversen Jane-Austen-Adaptionen kennt, nicht aber die Zartheit. ... Jane Campion wahrt eine wunderbare Balance und Leichtigkeit, wenn sie die komplexen Zusammenhänge zwischen Leben und Kunst verhandelt."
Laut Cristina Nord weidet sich der Film "an den Darstellern, den Kostümen, der Fliederblüte und am vorweihnachtlichen Schneefall. ... Der ländlich-idyllische Vorort Londons, in dem der größte Teil des Filmes spielt, steht in scharfem Kontrast zu der bereits von der Industrialisierung gezeichneten Stadt. Die Dichter der Romantik wollten nicht hinnehmen, dass die Ökonomisierung die Welt entzauberte. BRIGHT STAR (
) möchte den Zauber wiederherstellen."
Laut Michael Sennhauser bleibt die Regisseurin "filmend immer auf Distanz, fast so, wie auch Abbie Cornishs Fanny Brawn bemerkenswerterweise immer zugleich schwärmerisch, leidenschaftlich und nüchtern zugleich auftritt. Zusammen mit der natürlich wirkenden Tageslichausleuchtung der historisch detailliert aufgebauten Sets, den Kostümen und dem Verzicht auf einen musikalischen Score ergibt das eine eigenwillige Stimmung. Bilder, die stets knapp vor dem elegischen Absaufen gefrieren, Settings, die auch Merchant-Ivory so genutzt hätten, aber mit Musik und der Intention, die Zuschauer einzusaugen."