UN PROPHETE

film-zeit Film: UN PROPHETE
Regie Jacques Audiard

Inhalt • UN PROPHETE

Die Geschichte eines ungebildeten Straßenjungen, der im Knast zu einer großen Gangster-Nummer wird.

Pressespiegel • UN PROPHETE

19. Mai 2009 | 

Dominik Kamalzadeh sah die Geschichte der Zivilisierung, aus der Negation heraus: Aus dem wilden Tier wird ein soziales Wesen. "Malik wächst über sich hinaus, gewinnt das Vertrauen des Gefängnispaten, gibt jedoch seine Intelligenz nur in Maßen preis und erhöht damit seinen Einfluss, sein Prestige. Jacques Audiard füllt Genrestrukturen mit sozialrealistischen Beobachtungen an - und lässt sie damit lebensnäher, dichter werden. Allenfalls die metaphysische Note, die den jungen Araber zum Vorboten eines neuen Zeitalters stilisiert, wirkt in diesem eindrucksvollen Film ein wenig überzogen."

18. Mai 2009 | 

Andreas Borcholte ist begeistert. Die Geschichte klingt "nicht weiter aufregend, denn Gefängnisdramen gibt es zur Genüge, doch Jacques Audiard schafft es, vor allem auch dank Tahar Rahim, der in fast jeder Szene zu sehen ist, eine atmosphärische Dichte zu erzeugen, die den Zuschauer immerhin 150 Minuten lang fesselt und neben einem Einzelschicksal auch noch die Korruption französischer Behörden und den Niedergang der klassischen Mafia zugunsten einer global agierenden Muslim-Gangstergemeinde anmahnt."

18. Mai 2009 | 

Jan Schulz-Ojala sah ein Genre-Produkt – und viel mehr als das. "Die anfängliche Einsamkeit des halbwüchsigen Kleinkriminellen, die sexuelle Gewalt, das Gesetz des Stärksten, das korrupte Gefängnispersonal: All diese genregesättigten Vorstellungen nutzt Jacques Audiard – und baut sie, ein Stück näher an der Realität, unerhört nuancenreich neu zusammen. Als Malik nach sechs Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, sind zweieinhalb Kinostunden vergangen wie ein atemloser Augenblick: ein auf der Richterskala eher kleines Erdbeben, das aber auf dem gut sortierten Klischee-Regal allerhand durcheinander bringt."

18. Mai 2009 | 

Das ist ein Favorit, meint Daniel Kothenschulte. Der Film ist "so detailreich, als verbüßte man selbst eine 150-minütige Haftstrafe unter Schwerstkriminellen. Mit der Logik einer Domino-Kettenreaktion vermittelt der Regisseur Jacques Audiard das Abgleiten eines Inhaftierten ins System der Bandenkriminalität. Gleich zu Beginn zum Mord an einem Zellennachbarn gezwungen, wird ein marokkanisch-stämmiger Analphabet zum willigen Helfer der korsischen Mafia. Seinen Aufstieg meistert der scheinbar devote, innerlich aber höchst zielstrebige junge Mann mühelos."

18. Mai 2009 | 

Michael Sennhauser ist begeistert. Dem Regisseur "ist es gelungen, die 150 Minuten dieses Filmes mit einer durchgehenden Energie und Spannung aufzuladen, die Bewunderung verlangt. Seine Darsteller sind intensiv, der junge Tahar Rahim als Malik hat die rastlose Durchtriebenheit, welche Al Pacino in den Godfather-Filmen zur Schau trug, und Veteran Niels Arestrup hat als alternder korsischer Mafia-Capo die Präsenz, die Ruhe und das Gewicht eines Jean Gabins. Aber letztlich ist es vor allem Jacques Audiards Idee, den jungen Aufsteiger als Go-Between zwischen den (kriminellen) Kulturen zu zeigen welche diesen Film so faszinierend macht."

18. Mai 2009 | 

Hanns-Georg Rodek ist überaus angetan. "Jacques Audiards ungemein dichter Film reicht aber weit über die Genregrenzen hinaus, weil er zeigt, wie zwei Underdog-Gruppen der französischen Gesellschaft - Korsen und Araber - zunächst auch in Quarantäne aufeinander losgehen, um schließlich zu einem Zweckbündnis zu gelangen. UN PROPHETE ist vieles auf einmal und alles gelingt: ein Knastfilm, ein Soziogramm, eine Rassenstudie, die Geschichte der Findung und Abnabelung eines Adoptivvaters - und, perverserweise, eine Erfolgsstory."

18. Mai 2009 | 

Verena Lueken ist angetan von dem Gefängnisthriller eigener Art. Der Regisseur ist "immer so nah an seinen Figuren dran, dass wir das Existenzielle ihrer Aktionen begreifen, ohne dass wir zu einer moralischen Position gezwungen würden. Es wird getötet, betrogen, geschlagen, verraten, jede Art von Droge konsumiert, bestochen, im Stich gelassen, und zwar mehr oder weniger von allen Figuren: den Insassen, die sich in einer korsischen und einer muslimischen Bande organisieren, den Wärtern, den Anwälten, den Freunden draußen."

18. Mai 2009 | 

Susan Vahabzadeh lobt den Film. "Übrig bleibt ein kaltblütiger Mörder - der zwar an gar nichts mehr glaubt, aber das Gefängnis-Bildungssystem gut genug genutzt hat, um die muslimische Gemeinde im Knast zu seinen kriminellen Jüngern machen zu können. Jacques Audiards Film ist sehr musikalisch, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten mitreißend erzählt - so mitreißend, dass man immer wieder Maliks Empfindungen übernimmt, seine Angst und Wut und Freude."

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