| Regie | Jean-Francois Richet |
| Kinostart | 23.04.2009 |
Aus Jacques Mesrines Sicht lernen wir Jacques Mesrine kennen, stellt Felix Frieler fest. "Das konstante Maß an Handlung hat aber auch sein Gutes. Wirklich langweilig werden beide Teile von PUBLIC ENEMY NO. 1 nie. Auch die kernigen Dialoge vermögen die epische Länge der Erzählung angemessen zu überbrücken. Am Ende des zweiten Teils fragt man sich dennoch: Warum braucht Richet für diese Geschichte mehr als vier Stunden?"
Jan Schulz-Ojala entdeckt eine "Nähe zum schillernden Typus Baader, auf den die rebellionsgeneigten Franzosen den RAF-Terror begrifflich reduzieren, macht das filmische Mesrine-Memorial aus deutscher Sicht zumindest bemerkenswert. Denn Mesrine war weniger und mehr. Weniger, weil er sich um die Weltrevolution nicht gerade sorgte und mehr, weil ihn nach der ersten Isolationshaft und Folter eine unstillbare Wut gegen die Staatsgewalt erfüllte."
Der Film erzählt einzig und allein von Legenden,stellt Ekkehard Knörer fest. "Natürlich ist Vincent Cassel als Verkörperung des Gangsters eine Schau und ein Darsteller mit seiner Präsenz und seiner Physis schon mehr als die halbe Miete für einen solchen Film. Der ist mal, mal weniger spektakuläres Kino der Attraktionen und hat einen Diskurs zu gesellschaftspolitischen Fragen so wenig im Sinn wie Mesrine selbst. Das ist einerseits schon ganz angemessen, andererseits doch arg problematisch und in jedem Fall wohl der Grund für seinen Riesenerfolg."
Ulrich Kriest endeckt die prinzpiellen Probleme des Films. "Es werden mit Authentizitätsanspruch Dokumente und Wochenschauen nachgestellt, aber es wird keine eigene Haltung zum Geschehen riskiert. Selbst die "philosophischen" Reflexionen Mesrines sucht man hier vergeblich, bestenfalls werden Selbstreflexionen sentenzenhaft und unvermittelt in Dialog überführt. So wurde aus dem hochinteressanten Stoff ein trotz drastischer Gewaltdarstellungen doch ziemlich konventioneller Actionfilm mit einigen lustigen "Fantomas"-Verkleidungsmomenten – insgesamt viel zu wenig für vier lange Stunden im Kino."
Laut Margret Koehler hakt der Regisseur etwas schnell und atemlos "die einzelnen Stationen ab, baut die Figur auf und vertraut dabei auf die Intelligenz des Zuschauers, wenn Mesrine von einem Einbruch erzählt, sieht man ihn später im Gefängnis, nicht unbedingt die Aktion selbst. Richet zeigt die Folgen des Handelns auf, nicht immer die Handlung an sich. Das reicht, um den Charakter zu verstehen. ... Neben der einzigartigen Karriere dieses Gangsters wird gleichzeitig ein Stück französische Geschichte erzählt, fast beiläufig, aber genau auf den Punkt kommend."
Wie Volker Mazassek feststellt, liefert der Regisseur kein fertiges Bild über Mesrine ab. "Er zeigt bestimmte Facetten, gibt aber keine letztgültige Antwort auf die Frage, was den Staatsfeind Nummer eins denn nun wirklich antrieb. Sein Film ist anders angelegt als Bernd Eichingers DER BAADER MEINHOF KOMPLEX (
), der auf enervierende Weise das historische Meinungsmonopol beansprucht. Kurz vor seinem Tod plante Mesrine, Kontakt mit linksradikalen Aktivisten aufzunehmen, zwar nicht mit der RAF, aber mit den Roten Brigaden in Italien. Dazu kam es nicht mehr. An der Porte de Clignancourt wurde er im Kugelhagel der Polizei zur Legende. "
Der halbdokumentarische Qualitätsreißer hat Thomas Engel überzeugt. "Ein Reißer und ein Krimi, aber nicht nur das. Das meiste ist authentisch, rein biografisch, so sensationell manches auch wirken mag. Tatsachen, locations, Milieu und Lebensablauf sind nämlich minutiös rekonstruiert, insofern sitzt man nicht im Kino, sondern in der Wirklichkeit. Regiemäßig gestaltet ist das perfekt – nicht weniger als 33 Wochen dauerten die Dreharbeiten der beiden Teile. Césars gab es auch schon."
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