| Regie | J.J. Abrams |
| Kinostart | 07.05.2009 |
Für Felix Frieler funktioniert der Film, "weil er zeitgemäßes Actionkino ist. Nicht nur die Weltraum-Schlachten sind stilsicher inszeniert, auch die Nahkampfsequenzen können trotz grenzwertiger Schnittgeschwindigkeit überzeugen. Das bewährte Konzept der Reihe, den hochtechnisierten Utopien der Raumschiffe ganz und gar plastische Herausforderungen in mehr oder weniger weltlichen Umgebungen entgegenzustellen hat sich auch im neuesten Teil der Star-Trek-Saga keineswegs abgenutzt, sondern setzt den Film von anderen, oft zu glatt wirkenden, utopischen Science-Fiction-Erzeugnissen ab. Auch wenn J.J. Abrams die Reihe damit nicht neu erfindet, stellt Star Trek einen grundsoliden Beitrag zur selbigen dar, der sowohl hartgesottene Trekkies als auch Serien-Novizen gleichermaßen zufriedenstellen sollte."
Sexy, spannend und rasant nennt David Kleingers den Film. Die Filmemacher "meistern die Herausforderung, indem sie munter den Fundus des Genres sowie der erweiterten Popkultur plündern, sich mehr für zeitlose menschliche Dramen als die idealistische Vision eines pangalaktischen Völkerbunds interessieren. ... Allen, die sich über den Klau beim ebenfalls wild zusammenzitierten "Krieg der Sterne" aufregen mögen, sei gesagt, dass STAR TREK (
) genau das lustvolle, rasante und schnörkellose Prequel ist, das George Lucas seinen leidgeprüften Zuschauern in den drögen "Episoden I-III" vorenthalten hat."
Der neue Film ist ein Musterbeispiel erzählerischer Innovation, lobt Barbara Schweizerhof. "Erstmals gelingt Abrams im Übrigen das, was in der Übertragung erfolgreicher Serien auf die Kinoleinwand bislang immer schief ging: Der neue Film belegt am lebendigen Beispiel, dass die sechziger Jahre eine große Zeit des innovativen Fernsehens waren. Heute spricht man wieder davon, dass der Bildschirm der Leinwand in puncto Experimentier- und Innovationsfreude den Rang abläuft – und keiner verkörpert diesen Trend so gut wie
Thomas Klein lobt den Regisseur für seinen Mut, eine bereits abgeschriebene SF-Serie aus den 1960er-Jahren ins nächste Jahrtausend zu beamen. Er porträtiert den Komponisten Michael Giacchino.
Nadine Lange hat sich von dem Neustart überraschen lassen. "Die Geschichte ist konzentriert inszeniert, wobei J.J. Abrams eine gute Balance zwischen Respekt vor dem Stoff und sanfter Aufpolierung gelingt. So ist natürlich die bekannte Multikulti-Crew aus Uhura, Checkov, Doktor McCoy, Sulu und Scottie wieder mit an Bord. Ihre Eigenschaften, Sprüche und Gesten sind beiläufig und witzig eingeflochten, was die Fan-Reflexe kitzelt, ohne anbiedernd zu wirken."
Es geht zurück in die Zukunft, meint Susanne Ostwald. "Paradox, aber freilich wenig erstaunlich ist, dass die Technik dieser "Enterprise" jener des alten Raumschiffs überlegen ist. Die billigen Spezialeffekte, die das Original erst zum Kult machten, sind nun einer digitalisierten Perfektion gewichen, die jedoch manches Bewährte wie etwa die alten, nach Echolot klingenden Soundeffekte beibehalten hat. Zudem haben sich Abrams und sein Produktionsteam vom gewachsenen SF-Filmarchiv inspirieren lassen, wovon etwa STAR WARS-Zitate oder Anklänge an ALIEN zeugen."
Böse sein kann Ekkehard Knörer der ganzen Veranstaltung nicht. "Weniger buchstäblich liegt die trotz Planetenzerstörung, Tattoo-Bösewicht Nero (Eric Bana), Monsterjagd, Spock-Vergreisung etc. heitere Stimmung auch und vor allem am Pop-Bewusstsein des Films. Sehr unbekümmert baut er Scherz und Ernst, Neuerungslust und Bewahrungsfreude, Erwartungserfüllung und Erwartungsenttäuschung zu einem mal fröhlich, mal eher langweilig, mal spannend, mal originell, mal allzu vertraut, mal dämlich, mal schlau durcheinanderrumpelnden Weltraumzirkus zusammen. Das macht oft Krach eher als Sinn, ist hübsch eher als toll und gerät irgendwann auch ganz aus dem Takt."
Eine erstaunliche Frische und Intelligenz hat Jens Balzer ausgemacht. "Im Verhältnis zu seinen Figuren wie in seiner Story gelingt J. J. Abrams ein leichter, heiterer Ton, der doch niemals den Respekt vor der Vorlage vermissen lässt; er gestattet sich keinen augenzwinkernden Blick, sondern stärkt Ironie und Vitalität von innen heraus. So wie es ist, hätte es eben auch anders sein können - in der reflexiven Ironie, die er aus seinem Zeitreise-Motiv schlägt, ist dieser STAR TREK (
)-Film insbesondere den stumpf auf ein bekanntes Ziel abschnurrenden letzten STAR WARS-Episoden um Lichtjahre voraus."
Jenny Zylka ist überrascht: Sie hätte nicht erwartet, dass der Film so gut ist. Er "ist weder muffig noch lahm, weder humorlos noch langweilig. Stattdessen ist das Prequel, also die nachträglich inszenierte Vorgeschichte zu den Abenteuern der Crew unter Captain James T. Kirk auf der U.S.S. Enterprise ein typisches, gut gemachtes SciFi-Actionspektakel, mit hübschen HeldInnen, State-of-the-art-Zukunftswaffengeballer und Explosionen in space. Clever hat man sich beim erzählerischen Spannungsbogen auf die Enterprise-eigene Erfindung der parallelen Zeitachse berufen und die Herkunft von Kirk und Spock in einer möglichen Realität angesiedelt."
Daniel Kothenschulte lobt die Filmemacher. "Wie würde man sich entscheiden? Reproduktion oder Weiterentwicklung? Wiederholung oder Neuanfang? Die Idee, sich auf die Vorgeschichte der Figuren zu beschränken, versöhnt tatsächlich die Erwartungen von Film- und Fernsehen ein zweites Mal: Einerseits wirken die verjüngten Figuren vertraut wie ehedem, andererseits bietet ihre Jugend den nötigen Raum für charakterliche Reifungsprozesse, wie sie das große Kino erwartet, das Serien-Fernsehen dagegen oft fürchtet."
Felicitas Kleiner ist etwas enttäuscht. "Der utopische Aspekt der Serie, die Vision einer nicht nur technisch, sondern auch moralisch gereiften Menschheit, bleibt unangetastet; die Figuren werden verjüngt, bleiben sich aber weitgehend treu. So viel Respekt vor dem Original wissen Fans sicher zu schätzen, er bedeutet aber auch eine verpasste Chance auf einen radikaleren Neuanfang."
Der Star-Trek-Prequel-Film versagt nicht nur im Design, sondern scheitert auch am Geist der Serie, meint Peter Mühlbauer. Der Film "leidet, wie viele andere Produktionen des letzten Jahrzehnts, unter einer Vereinheitlichung der Science-Fiction-Ästhetik. Ende der 1970er setzte dort mit Ridley Scotts ALIEN ein Paradigmenwechsel ein, der seine Vollendung in den Doom-Spielen fand und immer noch fortwirkt: Vieles sieht gothic-dreckig aus, häufig auch noch unzureichend und zu kalt ausgeleuchtet. Das aber passt überhaupt nicht zu TOS mit seiner Tantris-Beleuchtung, wo selbst schummrige Szenen durch Buntheit glänzten. Oder sollte hier etwa der Energiesparlampenzwang weitergedacht worden sein?"
icht ganz so logisch ist der Plot mit der obligatorischen Zeitschleife, meint Manfred Riepe. "Die Zielgruppe dürfte das weniger stören. Für diejenigen aber, die mit dem alten "Raumschiff Enterprise" schon ein paar Lichtjahre auf dem Buckel haben, offenbart das zweistündige Spektakel gewisse Längen, und so mancher STAR TREK-Nostalgiker fühlt sich irgendwann "Lost". In den gelungenen Momenten entsteht der Eindruck, als sei STAR TREK (
) ein Remake von Michael Herbigs (T)RAUMSCHIFF SURPRISE."
Mit der erzählerischer Logik nehmen es die Filmemacher laut Jörg Schiffauer "streckenweise zugunsten spektakulärer Momente nicht ganz so genau. Was die Fangemeinde vermutlich nicht allzu sehr tangiert, wird die doch ohnehin das Hauptaugenmerk darauf richten, inwieweit die Protagonisten in jugendlich-neuer Besetzung mit ihren Charakterzügen und typischen Manierismen (die ohnehin zum Großteil den Erfolg von STAR TREK (
) ausmachten) an die Vorlage heranreichen. Zumindest dabei werden die Erwartungshaltungen weitgehend erfüllt."
STAR TREK (
) startet mit verjüngter Urbesatzung in ein neues Zeitalter. Mit Karl Urban (Pille) und John Cho (Sulu) sprach Dominik Kamalzadeh.
Wolfgang Greber ist wider Erwarten von dem Film begeistert. "Staunend sieht man, wie die Jungschauspieler die Rollen ihrer Vorgänger nicht nur glaubhaft füllen, sondern neu nuancieren. ... Teile der Handlung und Dramaturgie mögen zwar, wie es der Science-Fiction recht inhärent ist, an den Haaren herbeigezogen sein, und Jung-Kirk Chris Pine nervt bisweilen mit seinem Prügeltrieb und seiner vordergründigen Lässigkeit. Dann aber wieder versinkt er so in den Stuhl des Captains, dass aus seinem Antlitz förmlich William Shatner rinnt."
Für Bernd Musa versteht es der Regisseur meisterhaft, "sein Publikum ständig mit unvorhersehbaren Wendemanövern seiner Akteure zu überraschen. Dabei ist ihm kein Aufwand zu groß, um jede Phase ihrer dramatischen Charakterentwicklungen überzeugend auszuleuchten. ... Dennoch kommen Nostalgie-Liebhaber auf ihre Kosten. An ausgefeilten Uniformen und Phaser-Pistolen können sie sich genauso erfreuen wie die Actionfans an jeder Menge halsbrecherischer Szenen."
Der Film enthält eine perfekte Mischung von Spannung, Humor und Pathos, meint Thomas Hunziker. "Perfekt ist die Besetzung. Chris Pine verfügt über eine glühende Ausstrahlung, Zachary Quinto über die entsprechend entgegengesetzte Abge- oder sogar Unterkühltheit. Blass bleibt trotz seinen Verzierungen eigentlich nur Eric Bana, doch der hat als Bösewicht auch die undankbarste Aufgabe. Ein wenig hätte ich mir gewünscht, dass bei der Besetzung ein wenig von den Vorgaben der Serie abgewichen wird. Doch das hätte vermutlich einen Sturm der Entrüstung ausgelöst."
Das schöne ist, dass der Film nicht in Ehrfurcht vor den alten Star Trek-Folgen und Filmen erstarrt, sondern etwas Eigenes ist, lobt Michael Meyns. "Natürlich sind die – allerdings sparsamen und meist sinnvoll eingesetzten – Actionszenen wesentlich bombastischer, die politischen und gesellschaftskritischen Subtexte, die zum Kultstatus besonders der Originalserie beitrugen, praktisch nicht vorhanden. Dennoch ist STAR TREK (
) ein überaus gelungener zeitgemäßer Science-Fiction Film, der einer tot geglaubten Serie neues Leben einhaucht."
Anne Lena Mösken berichtet von der Deutschlandpremiere.
Eva Kalwa war bei der Premiere im Sony-Center.
Linksammlung zum Film.