| Regie | Richard Curtis |
| Kinostart | 16.04.2009 |
Eine Handvoll Radiorebellen steht im Mittelpunkt der Musik- und Radiogeschichte in den wilden Sixties. 1966 kommt zwar der weltberühmte Rock aus England, aber selten zu den Hörern der BBC, die pro Woche nur zwei mickrige Stunden Pop über den öffentlich-rechtlichen Äther schickt. Genauso unermüdlich wie illegal legen dafür die DJs des Piratensenders Radio Rock ihre Platten auf - mitten in der Nordsee, um nicht von der Regierung abgeschaltet zu werden, und mit einer gigantischen Fangemeinde.
Charmant und vor allem unterhaltsam nennt David Kleingers den Film. "So lassen die hauchdünne Handlung, buchstäblich überbordende Spiel- und Schaulust und ein über jeden Zweifel erhabener Soundtrack auch an Lesters Beatles-Filme A HARD DAY'S NIGHT und HELP denken. Nun ist das 2009 wahrlich keine Revolution mehr, weder im Kino, noch auf dem Plattenteller. Doch für undogmatische Popfreunde und Liebhaber inspirierten Leinwandklamauks kann dieses, bei aller Vergangenheitsseligkeit überraschend flotte Boot aus Britannien auch heute ein veritables Traumschiff sein."
Markus Schneider ist enttäuscht: Der Film will vom Erwachen der Popkultur erzählen - und verläppert als dröge Teenie-Klamotte. "Die gutmütige Rivalität zwischen den Star-DJs Philip Seymour Hoffman und Rhys Ifans trägt nicht weit, und beginnt, wie die glucksend-gefühlige Kumpeligkeit der anderen Crewmitglieder während langer 135 Minuten zu nerven. Immer wieder kristallisieren sich kurze Szenen voll schrägem Witz und Empathie für die seltsamen Typen und ihre seltsame Zeit heraus - Momente, die von Befreiung und Bedrohung, von Aufklärung, Sexyness und Euphorie sprechen wollen. Aber bestenfalls Fun sagen können."
So muss es wohl gewesen sein, meint Christian Schröder. "Der Rock’n’Roll wurde von einem Haufen großer Jungs erfunden, die selbstverliebt, verhaltensauffällig und verpeilt waren. ... So ist RADIO ROCK REVOLUTION (
) sentimental, aber auch mitunter sehr knallig komisch geworden. ... Die ökonomischen Abgründe aber interessieren Richard Curtis nicht. Sein im Showdown etwas zu lang geratener Film ist ein grandioser Comedyreigen. Dass die Figuren bessere Knallchargen sind, stört nicht weiter. Denn die Hauptrolle spielt ohnehin die Musik."
Die Hauptattraktion ist für Josef Engels zweifellos die Besetzung. "Während Philip Seymour Hoffman, Rhys Ifans, Nick Frost und Bill Nighy darum konkurrieren, wer die coolste Sau an Bord von RADIO ROCK REVOLUTION (
) ist, darf Kenneth Branagh an Land den verkniffen-verspießerten Minister geben, der gewisse Ähnlichkeiten mit Bruno Ganz in DER UNTERGANG hat. Es gibt bei diesem Ensemblefilm par excellence allerdings ein Problem, das man im Rock von Super-Groups kennt: Jedes Band-Mitglied für sich ist hervorragend, aber das Zusammenspiel nervt ein wenig, weil jeder mehrere Soli spielen muss."
Fulminant nennt Heidi Reutter die Musikkomödie. Sie sah "eine unterhaltsame, obschon handlungsarme Reise in die schillernden 60er, als Rockmusik noch ein Versprechen dafür war, dass die große Freiheit möglich war. Nicht nur im Geiste. ... Umso schöner, dass wir als Zuschauer eintauchen dürfen in diese vergangene, unbeschwerte Epoche. Yeah!"
Michael Ranze stellt fest: "Zum Beweis der überhöhten Erotisierung der Rock-Musik entern willige Mädchen in bunten Miniröcken am Wochenende das Schiff und geraten angesichts der Star-DJs aus dem Häuschen. Dazu passen schematische, willkürlich eingestreute Zwischenschnitte von Hörerinnen, die vor den Kofferradios in Verzückung geraten oder lustvoll zu tanzen beginnen. Ein derart pubertärer Humor, gepaart mit einem chauvinistischen Frauenbild, passt so gar nicht zur behaupteten gesetzlosen Attitüde. Letztlich sagt die oberflächliche, klamaukhafte Komödie weder etwas über die Bedeutung der Rock-Musik aus noch über den gesellschaftlichen Wandel, den sie begleitete."
"Weil die einzelnen Figuren so genau definiert und in der Popmythologie verankert sind, hat der Zuschauer im Gegensatz zu vielen anderen Ensemblefilmen keine Schwierigkeiten, sich in diesem Mikrokosmos zurechtzufinden. Zudem wirken die liebevoll, detailtreue Ausstattung, Kostüme, Kosmetik und (vielleicht am wichtigsten) die Frisuren so authentisch, dass der Film intensiv die Stimmung diese Ära heraufbeschwört. Diesen Stärken auf der Bildebene entspricht die Tonspur, die nichts Geringeres bietet als den Soundtrack von 1966. Zu jeder Situation, jeder Stimmung erklingt da der genau passende Song und dadurch wird diese Hommage an die Rockrebellen von einst perfektioniert."
Der Film atmet Musik, lobt Marcus Wessel. "Die Handlung, die zum Ende hin bisweilen Gefahr läuft, sich in eine holprige TITANIC-Persiflage zu verwandeln, ist dagegen nur Mittel zum Zweck. Während sich die Behörden und die Radio Rock-Mannschaft ein höchst amüsantes Katz-und-Maus-Spiel liefern, bei dem der typisch britische Humor nicht zu kurz kommen darf, thront über allem der Geist des Rock'n'roll. Auf die nächsten vierzig Jahre!"
Linksammlung zum Film.