| Regie | Kai Wessel |
| Kinostart | 12.03.2009 |
Regisseur Kai Wessel liefert laut Christian Buß ein mutlos nacherzähltes Starporträt ab - ein zeitraubend-zweifelhaftes Vergnügen. "Doch nicht dieser plumpe Biopic-Kniff ist das große Problem von HILDE (
), es ist vielmehr der mutlose Umgang mit den Grunddaten. Ein Vierteljahrhundert Lebensgeschichte spult man in 130 Filmminuten ab - wer die Frau hinter den klimpernden schwarzen Wimpern und den massiven blonden, roten und brünetten Haar-Applikationen gewesen sein könnte, erschließt sich einem nicht."
Michael Kohler ist entsetzt über die historische Aufarbeitung. "Bei Knefs Heimkehr sagt ihre Mutter dann zur Begrüßung: Ich will gar nicht wissen, was dir alles zugestoßen ist. Mutters Wunsch ist Kai Wessel Befehl. In HILDE (
) wird eine Form der Erinnerung gepflegt, die deutsche Schuld und deutsche Sühne ständig dunkel heraufbeschwört, von beidem aber eigentlich nichts wissen will. Richtig kurios wird diese Methode, wenn die Opfer des Nazireichs in Hildes Leben treten."
Christina Tilmann findet die Verfilmung zu brav. "Der lange Lauf dieses Lebens war ein Hindernislauf, doch von den Höhen und Tiefen füllt Regisseur Kai Wessel in seinem Film... nicht wenige mit Kitsch, Sentiment und Betulichkeit. Der Krebs. Das Morphium. Die hemmungslose Liaison mit der Öffentlichkeit, bis ins Alter, diese Sucht nach Rampenlicht, ja, auch die Verschwendung, die Egozentrik, aber eben auch der Mut, die Stehaufmännchen-Qualität: Alles, was Hildegard Knef zu einer einzigartigen Figur der deutschen Nachkriegszeit macht, fehlt. Bravheit: Für einen Film über die Hildegard Knef ist das die schlimmste Sünde."
Carmen Böker ist enttäuscht. "Die äußerliche Ähnlichkeit ist verblüffend, die Adaption der Knefschen Gestik und Mimik gelungen - bis hin zum spöttischen Verziehen des markanten Mundes, den eckigen, burschikosen Bewegungen, dem Niederflatternlassen der falschen Wimpern, die pelzig sind wie Raupen. Makatsch - die das Berlinern übrigens unbedingt lassen sollte - singt außerdem gekonnt die Lieder der Knef, sie trifft genau deren kurzatmige, zärtliche Kratzbürstigkeit. Aus dieser schönen Fügung vermag der Film leider keine Funken zu schlagen."
Wer ist Hildegard Knef? fragte Erich Pommer. Kai Wessels Biopic weiß keine Antwort – trotz einer starken Heike Makatsch in der Hauptrolle, stellt Christian Schröder fest. "Heike Makatsch ist das Kraftzentrum des Films. Sie hat Knefs Art, zu reden und sich zu bewegen, dermaßen genau studiert, dass ihre Darstellung einer Mimikry gleicht. Mit aufgerauter Stimme und hochgerecktem Kinn verwandelt sie jedes Interview in einen Pointenschlagabtausch, unablässig gibt sie Knef-Aphorismen wie "Ich hasse den Hass" von sich. Und sie singt beinah wie die Knef, mit kleinem Vibrato und die Anfangssilben rhythmisierend betonend."
David Denk ist enttäuscht. Der Film "beschränkt sich auf den Aufstieg der Knef vom Berliner Mädchen zum Weltstar, mit kleineren Knicken wie dem Skandalfilm DIE SÜNDERIN. Kai Wessel erzählt in Rückblenden, ausgehend von Knefs Rückkehr nach Berlin 1966, und nimmt damit viel von der emotionalen Kraft, die ihr weiterer Lebensweg birgt, all die Tiefen und Höhen, die Knef erst zu der Ikone gemacht haben, die auch nach ihrem Tod 2002 immer noch neue Fans findet. Ihr Aufstieg ist ohne den Fall danach nicht mal halb so spannend. Aber Kai Wessel wollte es ganz offensichtlich anders - warum auch immer."
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