| Regie | Gabriele Muccino |
| Kinostart | 08.01.2009 |
Ben Thomas hat einen Plan für sieben Menschen. Jeder einzelne von ihnen braucht Hilfe. Niemand von ihnen ahnt, dass Ben entschlossen ist, den Sieben auf seiner Liste ein unbezahlbares Geschenk zu machen, das ihnen wieder Hoffnung geben wird. Ben will mit seinen selbstlosen Taten Hilfe anbieten und selbst Erlösung und Wiedergutmachung finden. Denn er hütet ein schreckliches Geheimnis...
Eine bedrohliche Dosis Tiefsinn hat Bert Rebhandl ausgemacht. "Es ist, als hätte jemand versucht, in aller Unschuld das erotische Imaginäre des Sadomasochismus mit reiner christlicher Demutsliebe zu versöhnen und auf das alte Talionsprinzip ("Auge um Auge, Organ um Organ") draufzunageln. Mit Darstellern wie Peter Lorre (MAD LOVE, 1935) war das noch irgendwie denkbar, mit einem Superstar wie Will Smith bekommt die Sache aber eine angestrengte Note."
Trotz aller Probleme sah Doris Kuhn einen packenden Film. "Kann man wiedergutmachen, was man gedankenlos angerichtet hat, wird das Prinzip der Sühne funktionieren, wenn man sich ernsthaft darum bemüht? Gegen Ende geht das Schnulzenpotential bei der Schwere einer solchen Aufgabe zwar arg nach oben, aber dafür gilt: Was die Geschichte in ihrer zweiten Hälfte an Sentimentalität aufbietet, wird durch die Schauspieler abgefangen - durch Woody Harrelson als Pianisten, durch Rosario Dawson , durch Will Smith selbst. Sie zeigen sich, trotz allem Zwang zur liebenswerten Figurenzeichnung, doch nah genug an gefährlichen Abgründen."
In der Vermengung gegensätzlicher Tonlagen ist der Film geradezu radikal, schreibt Sebastian Handke. Er "ist bis zur Schmerzgrenze manipulativ. Er verlangt, dass man weite Wege mit ihm geht, sich an der Nase herumführen lässt und einige ziemlich fiese Tricks verzeiht ... Noch schwerer aber dürfte wiegen, dass er eine Geschichte, die der Konvention nach im Arthouse-Kino ihren Platz hätte, unerschrocken als Rührstück auf die Leinwand wirft. Mit suggestiver Musik, ansprechend gesättigten Bildern und aufs Stichwort einsetzendem Trauerregen. Gabriele Muccino kommt damit durch, weil er über Darsteller verfügt, die wissen, wann man sich zurücknehmen muss."
Thomas Abeltshauser findet die Mission, die der Protagonist mit seinem Darsteller zu teilen scheint, am interessantesten. Will Smith "scheint es, sieht man seine Rollenauswahl als Zeichen persönlicher Interessen, immer stärker auch um spirituelle Fragen zu gehen. Was heißt es, gut zu sein? Habe ich als gutbezahlter Star nicht eine moralische Verpflichtung, anderen zu helfen? Und wie kann ich, neben Reichtum und Ruhm, etwas bewirken auf dieser Welt, das Bestand hat? ... Die Frage ist nur: Warum müssen wir an seiner Sinnsuche auf der Leinwand teilnehmen?"
Will Smith hat sich nun gänzlich auf Jesus-Figuren spezialisiert, meint Michael Kohler. "Ansonsten passt fast alles: der sanfte Nachdruck in der Stimme, die sakrale Leidensmiene, sogar eine letzte Versuchung konnte Gabriele Muccino sich nicht verkneifen. Und weil der Samariter zumeist im Krankenhaus nach Opfern sucht, quillt einem die Rührung bald aus allen Poren. Ein US-Kritiker warf sich vor, die Qual, SIEBEN LEBEN (
) durchzusitzen, zu verführerisch dargestellt zu haben, Motto: Sie müssen es selbst sehen, um es zu glauben. Dieser Warnung ist nichts hinzuzufügen."
Anke Westphal fragt sich, warum Ben das alles tut. "Er handelt ja so unerträglich gut, dass man ihn auf der Stelle in den Hintern treten möchte. Was ist vorab mit ihm geschehen? Und kann denn das, was auch immer geschieht, einen Menschen so wunderbar verändern? ... Letztlich läuft es hier auf die Frage hinaus, woran sich der Wert eines Lebens bemisst. Die Haltung dieses Films dazu ist, milde ausgedrückt, seltsam, was sich auch im Grundton einer allzu makellos inszenierten Schwermut niederschlägt. Am Ende werden sich immerhin all jene Zuschauer freuen dürfen, die schon immer mal darüber fantasierten, wie schön es doch wäre, etwas von Will Smith zu haben."
Andreas Kurtz sah Fans von der harten Sorte bei der Premiere.
Andreas Conrad berichtet von der Premiere in Berlin.
Jens Hinrichsen nennt es raffiniert, "dass der verkorkst religiöse Zug des Films – fast glaubt man, ein Sektenmanifest vor sich zu haben, in dem Nächstenliebe mit Selbstvernichtung kurzgeschlossen wird – durch den Puzzlecharakter der Story lange verborgen bleibt. Am Ende aber wird man doch ins Eiswasser schockierend schlechter Hollywood-Dramaturgie geworfen. Und noch einmal zuckt die Würfelqualle."
Auf den ersten Blick ist das zwar emotional berührend. Wirklich spannend ist es nicht, kritisiert Gregor Wossilus. "Zu früh lässt Regisseur Gabriele Muccino durchscheinen, was seine Hauptfigur tatsächlich vorhat. Danach dreht sich der Film fast nur noch um das "Wie", nicht mehr das "Warum". Das wäre noch vertretbar, hätte Muccino SIEBEN LEBEN (
) nicht auf unnötige 118 Minuten ausgedehnt. Die Annäherung von Will Smith und Rosario Dawson ist langatmig, wenn auch romantisch, der Fortgang der Handlung in der zweiten Hälfte immer stärker vorhersehbar. So verschenkt der Film immer wieder Potential."
Was SIEBEN LEBEN (
) erzählt, ist laut Michael Meyns "ein weit hergeholtes Konstrukt, eine extreme Form der Sühne, die sicherlich kaum für Realismus gehalten werden wird. SIEBEN LEBEN (
) ist ein in vielerlei Hinsicht interessantes Experiment, wie es Hollywood nicht allzu oft wagt. Einen der, wenn nicht den momentan größten Star der Welt, in ein solches Konstrukt zu stecken, sich fast ausschließlich auf seine Beliebtheit zu verlassen ist ein Risiko, dass zu weiten Teilen aufgeht."
Thomas Engel sah einen bestens gemachten und zugleich schönen Film. "Ein Film, der berührt: durch seine geheimnisvolle Machart, die Spannung erzeugt; durch seine erstaunliche Montage, die neue Wege geht; durch seine originell erfundene Geschichte, in einem sehr guten Drehbuch präsentiert; durch den gut ausgesuchten Personenkreis; durch seine wunderschöne Liebesgeschichte; durch seinen humanen Touch; durch seine Sentimentalität; durch seine erstklassigen schauspielerischen Darbietungen."
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Nadja Ben Khelifa schreibt über die Religiosität des Films. "Die Außenaufnahmen vor erhabener Naturkulisse in perfekter Werbeästhetik, die dem Kameramann Philippe Le Sourd, einem Werbefilmer, zu verdanken sind, entfalten eine entsprechende larger-than-life Symbolik. Ob Ben auf einem vom Wasser gegerbten Felsen sitzt und auf den Ozean starrt, während die Wellen den Felsen umbranden oder ob er mit Emily auf einer Anhöhe vor einem großen, alten, knorrigen Baum inmitten eines Meers von gelben wogenden Weiden in der Totalen gezeigt wird – die pathetischen Bilder suggerieren neben der Harmonie von Mensch und Natur vor allem wie klein das Individuum inmitten der restlichen Schöpfung ist."