| Regie | Baz Luhrmann |
| Kinostart | 25.12.2008 |
Bert Rebhandl entdeckt eine politische Misson, aber die "ausladende Ästhetik von AUSTRALIA (
) wird dieser Botschaft allerdings ein wenig die Spitze nehmen, denn die tollen Panoramen, die satten Farben, der raffinierte Soundtrack drängen sich ständig nach vorne, und so heischt in diesem Film ständig alle Mögliche mit sich selbst um die Wette nach Aufmerksamkeit. ... [Der Regisseur macht deutlich], wie er Kino versteht: als große, unverschämt künstliche Revue. Das trifft nun auch auf AUSTRALIA (
) uneingeschränkt zu, in dem die Schönheit und Komplexitäten eines klassischen Western verborgen liegen, aber unter tausend Schichten Tand. Faszinierend."
Andreas Busche findet den Bogen hier überspannt: Der Film bietet postmodernes Überwältigungskino, das nicht an Maßlosigkeit, sondern an seinem Paternalismus scheitert. "Baz Luhrmanns verkitschte Faszination für den Mystizismus der Aborigine-Kultur wird von denselben paternalistischen Rassismen gespeist, denen sein Film entgegenzuwirken vorgibt. Bei Baz Luhrmann bekommt das Ganze zudem eine unverhohlen nationalistische Note: Wenn der Aborigine-Schamane der Britin am Ende sein Land offeriert, tönt im Hintergrund die Commonwealth-Hymne "Nimrod" aus Edward Elgars "Enigma Variationen". Die Naivität dieser Versöhnungsgeste ist frappierend, liegt jedoch in der Logik der Erzählweise."
Daniel Kothenschulte nennt den Film einen Western von gestern. "Gerade in seinem Versuch, die Opulenz vergangener Melodramen nachzuahmen, ist Baz Luhrmanns Scheitern am deutlichsten: Aus zweiter Hand sind die sentimentalen Aufladungen - etwa wenn Nullah zum DER ZAUBERER VON OZ-Fan bekehrt wird und zu den dramatischen Höhepunkten den Titelsong "Over the Rainbow" auf seiner Mundharmonika intoniert. Und die opulentesten Szenen des Spektakels, in denen gewaltige Rinderherden leinwandfüllend auf eine Klippe zu stürmen, stammen erkennbar aus der digitalen Trickkiste."
Der Film knüpft laut Jan Schulz-Ojala an die großen Epen der Filmgeschichte an. "Natürlich ist das too much – wenn auch diesmal eher quantitativ als qualitativ, wie in Baz Luhrmanns so fantastisch erfindungsreichen früheren Filmen. In seinem Coffeetable Movie AUSTRALIA (
) tischt er einfach bedenkenlos auf, was er aus der Filmgeschichte und überhaupt an filmischen Geschichten zu fassen kriegt: Liebe und Lüge, Küsse und Kanonen, Märchen und Magie. Und eine Moral, die das verstaubte Genre des Liebeskriegsnaturhistorienfilms schließlich doch in die Moderne katapultiert."
Für Pia Horlacher ist der Film Western, Liebesgeschichte, Kriegsfilm und Märchen in einem. "Nicht zuletzt wegen des raffinierten Drehs, die Erzählung in der Oral-History-Tradition der Ureinwohner anzusiedeln, sie entlang den Traumpfaden der Aborigines-Mythen fliessen zu lassen, kann Entwarnung vor fast allen cineastischen Befürchtungen gegeben werden. AUSTRALIA (
) reiht sich nicht nur als hinreissender Augenschmaus, als mitreissendes Abenteuer aus einem faszinierenden Kontinent und als überraschend unsentimentale Liebesgeschichte in eine reiche Kinotradition ein. Der Film zeigt sich auch so unangestrengt ehrenhaft im Umgang mit Geschichte wie seine grossen Vorbilder von David Lean, dem Übervater des intimen historischen Epos."
AUSTRALIA ist eine aufwändig inszenierte Liebesgeschichte, die so überraschend ist, wie ein Känguru in der australischen Steppe, meint Silke Janovsky, daran können auch Nicole Kidman und Hugh Jackman wenig ändern. "Das Schicksal der verschleppten Aborigine-Kinder wäre ein guter Ansatz für einen Film über Australien gewesen. Doch die gesamte Rassenproblematik wird durch Einbettung in die opulent inszenierte Liebesgeschichte dermaßen weichgezeichnet, dass sie am Ende zu reinem Sozialkitsch verkommt. So bleibt nur eine dünne Geschichte in pompöser Aufmachung übrig, die wenig überrascht und maximal angenehm unterhält."
Andreas Kurtz berichtet von der Präsentation des Films in Berlin.
Andreas Conrad war bei der Präsentation des Films in Berlin.
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