| Regie | Rebecca Miller |
| Kinostart | 01.07.2010 |
Laut Thorsten Funke dauert es "eine Weile, bis aus diesen vielen Zutaten, die oft im Zickzack-Kurs verteilt werden, im Kopf des Zuschauers der schöne und sensible, genau beobachtete Film entsteht, der PIPPA LEE (
) in der Tat ist. Unsentimental, aber mit viel Gefühl beschreibt er das innere Unbehagen am eigenen Leben, wenn das Alter naht und man sich erneut ganz fundamentale Fragen stellt. Dass der Film niemals einfache Antworten gibt, hebt ihn klar heraus aus vielem, was man heutzutage sonst über unglückliche Familien im Kino sieht."
Carmen Böker ist enttäuscht. "Die skurril ausgeschmückte Vergangenheit geht also reichlich auf Kosten der Gegenwart, das nimmt dem Film einiges an Relevanz. Und dass Robin Wright Penn vor einem solchen Einschub stets zerstreut in unbestimmte Fernen gucken muss und ihr schönes, spannendes, dankenswerterweise ungebotoxtes Gesicht dazu jeweils in Großaufnahme erscheint, ist irgendwann nur noch eine uninspirierte Wiederholung. In Rebecca Millers Roman wird etwa verhandelt, wie sehr Pippa an der Ehe mit Herb und an seiner Liebe gezweifelt hat - auf der Leinwand sieht man ein Paar unlustig Pasta mümmeln und über den besten Käse reden."
Gebhard Hölzl sah ein gut gespieltes Drama mit dramaturgischen Schwächen. "Pippas Handeln oder besser Nichthandeln entschließt sich dem Zuschauer nicht wirklich. Ruhig und verträumt plätschern manche Szenen dahin, andere sind direkt langweilig, und dann wieder stören laute Gefühlsausbrüche die Ruhe. Auf hohem Niveau wird hier gelitten und sich versöhnt, auf noch höherem gejammert. Das ist aber durchaus schön anzusehen. Wegen der noblen Szenerie, der eleganten Bildgestaltung und vor allem wegen Robin Wright Penn in der Hauptrolle. Daneben glänzt "Gossip Girl" Blake Lively als junge Pippa, und Winona Ryder als Freundin der erwachsenen Pippa beeindruckt als depressive, zu dramatischen Auftritten neigende Nervensäge."
"Der Regisseurin Rebecca Miller (Tochter von Arthur Miller) gelingt es mit PIPPA LEE (
) gekonnt, hinter die Fassade einer kleinbürgerlichen Idylle zu schauen. So war Pippas Mutter tablettenabhängig und überdreht. Als junges Mädchen floh Pippa dann zu einer lesbischen Tante und lebte ziellos zwischen Selbstzweifeln und einer gewissen Zügellosigkeit. Jetzt mit 50 bricht es dann plötzlich aus Pippa Lee heraus und die Lebensidylle bekommt Risse."
Das zu Tage tretende Private zeigt sich laut Julian Bauer "räumlich: Das steril-schöne lichtdurchflutete Eigenheim scheint dem Innenraum eines Autos entgegengesetzt: Die Kamera verweilt außerhalb, fokussiert auf die Insassen, während sich in den Fensterscheiben die vorüber ziehenden Bäume spiegeln. Die Fahrzelle erscheint grenzenloser. Überhaupt wird das Auto ein Ort der Befreiung, weil es selbst nicht ortsgebunden ist. Hier kann Pippa Sex haben, schlafwandelnd rauchen, ihrer zusammenbrechenden Welt entfliehen, in die Weite fahren. So ist das letzte Bild des Films eine klischierte Metapher auf die Landstraße als Weg in die Zukunft."
"Klingt nach ein bisschen viel im Kessel Buntes der Konflikte und Gefühle? Stimmt schon, doch Rebecca Miller hält das Stimmungskarussell ständig in Schwung und bietet bei dieser Verfilmung ihres eigenen Bestsellers Erzählkino der guten alten Art – die Lust am Fabulieren hat sie offensichtlich von Vater Arthur Miller geerbt. Tragik und Komik liegen nahe beieinander bei Pippas rührender Suche nach ihrem wahren Ich, das sie jahrelang verdrängte. Robin Wright Penn überzeugt in der Rolle der taumelnden Heldin, ähnlich hochkarätig fällt die übrige Besetzung aus."
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"Was den Film sehenswert macht, ist die attraktive Robin Wright Penn, die Pippa Lee lakonisch spielt und das Verhalten einer gehobenen Mittelstandslady damit karikiert. Von den Nebendarstellern macht Alan Arkin die beste Figur, Keanu Reeves besticht eher durch sein Jesus-Tatoo, und bei Winona Ryder darf man nur froh sein, dass sie wieder einmal auf der Leinwand zu sehen ist, doch überzeugend spielt sie nicht. So ist PIPPA LEE (
) mehr ein besserer Zeitvertieb, der jedoch nie die Tiefe erreicht, die der eigentlich interessanten Geschichte (und der ambivalenten Hauptfigur) gut stehen würde. Aber gerade an einem regnerischen Sonntagnachmittag dürfte der Film durchaus sein Publikum finden."
Dass PIPPA LEE (
) laut Elvi Plitt "trotz seiner über weite Strecken sehr einfühlsamen Darstellung der inneren Verletzungen seiner Titelheldin nicht restlos überzeugen kann, liegt vor allem in seiner besonders in den Schlusssequenzen deutlich werdenden Tendenz, die Konflikte am Ende wieder glatt zu bügeln und zu harmonisieren. Nach der Tragweite der zuvor darstellten Probleme wirkt der Schluss mit seinem Happy End insgesamt zu versöhnlich. Dennoch ein sehenswerter Film, der hellsichtige Einblicke in die Dynamik menschlicher Beziehungen bietet."
Laut Carmen Böker hat die Regisseurin ihren eigenen Roman buchstabengetreu verfilmt. "Im Buch allerdings halten sich Rückblenden und Leben in der Gegenwart die Waage; im Film behindern die ausgiebig und aufwändig dargelegten Erinnerungen tiefergehende Erkundungen über den Zustand der Ehe von Pippa und Herb, die in einer Ruheständlersiedlung im Grünen allmählich veröden. Speziell über das im Buch so wichtige ungleiche Machtverhältnis zwischen den beiden erfährt man nur Oberflächliches. Insofern hat Pippa Lees Ausbruch zur Selbstwiederfindung hier ein bisschen was von der Ästhetik einer Zigarettenreklame: Liberté, toujours."
Christina Tillmann vergleicht den Film mit ZEITEN DES AUFRUHRS (
). Die Autorin verfilmt ihren Roman "mit einem Starensemble und schönen, ausgeflippten Kurzmomenten. Doch die Mittelklasse-Verzweiflung, die am besten Winona Ryder als kajal-äugige Ehebrecherin verkörpert, ist letztlich doch ein Luxusproblem. April Wheelers Pein war revolutionärer."
Datenblatt des Films.