| Regie | Oren Moverman |
| Kinostart | 03.06.2010 |
Nino Klingler entdeckt einige Wahrheiten über das Wesen des Krieges: "Insofern entdeckt der aktuelle Kriegsfilm, allen voran THE MESSENGER (
), den Einzelmenschen und sein Gesicht als den wirklichen Schauplatz des Krieges. Bleibt zu hoffen, dass seine Perspektive sich in Zukunft über amerikanische Schicksale hin ausdehnt, um auch die Individualität und Menschlichkeit der „Feinde“ gebührend zu würdigen."
"THE MESSENGER (
) ist schauspielerisch stark – auch die weibliche Verstärkung, bestehend aus Samantha Morton und Jena Malone kann sich sehen lassen. Die zum Dokumentarstil neigende Kameraarbeit ist leicht gewöhnungsbedürftig, macht jedoch Sinn. Das Drehbuch tappt in ein paar Klischees, aber schafft es auch, andere gekonnt zu umgehen. Mit seiner betont ruhigen Inszenierung tut der Regisseur seinem Publikum leider keinen Gefallen. Er verkauft die vielen Längen bis hin zum nichtssagenden Ende als bedeutungsschwangere Nachdenklichkeit, was allerdings bei einem erheblichen Teil der Zuschauerschaft funktioniert. Einen Versuch, um zu testen, wie das Ganze bei einem selbst ankommt, ist es wert."
Birgit Glombitza gefällt die unkonventionelle Herangehensweise an einen Kriegsfilm: "Regisseur Oren Moverman, der selbst in der israelischen Armee gedient hat, erweist sich auch ohne Naheinstellungen von Waffenhülsen, die in Slowmotion in den Wüstensand fallen, als Experte für männliche Codes. Und er bleibt bis zum Schluss solidarisch mit seinen Protagonisten. So lässt er das Publikum allein zurück mit einem ungelösten Bündel aus individueller Schuld, politischer Verantwortung und nationaler Moral."
Michael Kohler lobt das erstaunlich stilsichere Filmdebüt. Regisseur Oren Moverman "hat versucht, einen realistischen Film zu drehen, ohne vorzugaukeln, er könne die Grenze zwischen Erlebtem und Erzähltem überwinden. Der militärische Alltag wirkt bei ihm banal, die Figuren sind alles andere als heroisch, und die Liebe zwischen Will und einer von Samantha Morton gespielten Soldatenwitwe ist deswegen so bewegend, weil Oren Moverman inszenatorisch kein Aufhebens von ihr macht."
Bert Rebhandlist vor allem vom Hauptdarsteller Ben Foster begeistert: "Foster aber bearbeitet genau den Spannungsraum, den er zwischen Protokoll und Trauma findet - er spielt ja eine Figur, die selbst im Irak war, und die nun an dieser scheinbar einfachen Aufgabe daheim fast zerbricht. In Fosters Darstellung bekommt The Messenger (
) ein mächtiges Zentrum, und ein Film, der tendenziell Gefahr läuft, zur Nummernrevue zu werden, wird durch ihn zu einer beeindruckenden Erfahrung der Grenzerfahrung des Krieges dort, wo die Feuerlinie viele tausend Meilen entfernt ist."
Für Andreas Busche verweist das Berufsbild der "Messenger" auf größere Zusammenhänge: "Anfang des Jahres amüsierten wir uns noch rechtschaffen-entrüstet über George Clooneys "Rationalisierungsberater" in der New Economy-Satire Up in the Air (
). Der Schweinejob dieses ,Messengers' wurde zum Sinnbild des Kapitalismus, der sogar noch seine eigene Abschaffung outsourct. The Messenger (
) legt ebenfalls nahe, dass man anhand der Art und Weise, wie eine Krise der Öffentlichkeit verkauft wird, auch etwas über die Natur der Krise selbst - und deren Verursacher - erfährt."
Karl Hafner sieht auch den Schmerz der Messenger: "Montgomery und Stone sind Leidensgenossen von Kathryn Bigelows Bombenentschärfer, Opfer einer déformation professionelle: Sie haben keine Familie, keine Freundin, niemanden, der sich den Seelenmüll am Feierabend anhört. Die sogenannte Normalität ist fremd geworden, kein Halt mehr, nirgends."
Auch dieser Film ist nicht frei von Klischees, findet Alexandra Exter: "Weil der Film keine Patentlösung dafür aufzuweisen hat, wie – anders als mit der sofortigen Aussetzung aller Kriege – dem Problem an der Wurzel beizukommen wäre, verliert er sich nach einem starken Auftakt in seiner zweiten Hälfte leider zunehmend in Hollywood-Versatzstücken. In Kameraderie und kindischem Kriegsspielen, in Trinkgelagen und der Enthüllung des weichen Kerns, der natürlich auch unter der bloß vom vielen »Fremdleiden« verhärteten Schale des Captain zu finden ist"
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"Traumatisiert kehren Soldaten von den Schlachtfeldern dieser Tage, die sich hinter Begriffen wie "Enduring Freedom" verstecken, zurück: Der Krieg kommt näher und auch die Todesnachrichten mehren sich. Den "schlimmsten Job der Army" muss Will nach seiner Rückkehr aus dem Irak übernehmen. Er wird zum "Messenger", der diese Todesnachrichten überbringt: soldatisch, korrekt, präzise und distanziert. Höflichkeit statt Mitleid – so bricht diese Nachricht vom Tod an den Fronten des Krieges in die patriotische Alltagswelt voller grüner Wiesen und gewaschener Wäsche ein. Wills Geschichte, die Welt der Armeen und die Wahrheit, dass Krieg deformiert und Menschen hilflos und auf immer verletzt zurücklässt – dies erzählt der Film von Oren Moverman mit großer subversiver und erzählerischer Kraft: ein Anti-Kriegs-Film zur rechten Zeit."
Andreas Borcholte ist überaus angetan von dem Film. "Der unsentimentale, sehr auf seine Geschichte konzentrierte Film, in dem sowohl Woody Harrelson als auch Nachwuchs-Talent Ben Foster (ALPHA DOG (
)) herausragende und berührende Schauspielleistungen zeigen, erzählt vom nach Hause geholten Krieg und vom Umgang mit Verlust, Scham und dem Horror, nicht mehr derselbe zu sein, der man war, als man ausrückte."
Markus Zinsmaier lobt den Film: "Woody Harrelson und Ben Foster waren selten überzeugender auf der Leinwand zu sehen. Oren Moverman, der israelische Filmemacher mit Wohnsitz in New York, hat einen Kriegsfilm ohne Kriegsbilder gedreht und einen großen Schauspielerfilm. Es ist ein Abgesang auf die Ära Bush und den "war against terror“. Die Narben des Irakkriegs haben sich in The Messenger bis ins Privatleben durchgefressen."
Jens Balzer sah vor allem einen "Schauspielerfilm; besonders Woody Harrelson ist fantastisch. Seinen Sergeant spielt er zunächst als sprücheklopfenden Raubauz; ein unterhaltsamer Widerling, der direkt einer Militärklamotte entsprungen sein könnte. Doch je näher er in den filmischen Blick gerät, desto weicher, verformbarer, zerquälter scheint sein kahlrasierter kantiger Schädel zu werden; desto mächtiger werden die Zuckungen in seinem Gesicht, desto lauter wird das Mahlen der Kieferknochen, die hilflose Härte des wütenden Schnaubens."
Christian Schröder hat der Film beeindruckt. Er "zeigt, dass Soldaten manchmal dem Krieg nicht mehr entkommen, nicht mal die Liebe funktioniert als Flucht. ... Oren Moverman zeigt, wie diese beiden Männer, die sich zu Kampfmaschinen stilisiert haben, einander näherkommen, wie sie miteinander streiten, umeinander werben, schließlich einen immer alberner werdenden Angelausflug unternehmen."
Datenblatt der Berlinale.