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ALLE ANDEREN

ALLE ANDEREN

Regie Maren Ade
Kinostart 18.06.2009

Kritiken • ALLE ANDEREN

14. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • critic.de Partner von film-zeit

Die Regisseurin setzt gezielt auf Mittel der fiktionalen Narration, meint Frédéric Jaeger. "Feststehende Ausdrücke und eine Vielzahl bekannt klingender Formulierungen prägen die Dialoge. Ihre Komik erhalten die phrasenhaften Sätze dadurch, dass sie teils ironisch, teils unbeabsichtigt von einem zumindest an der Oberfläche modernen, gleichberechtigten und offenen Paar verwendet werden. Das Vordringen zu verschleierten Motiven und Sehnsüchten, zu einer Form von unbedingter Wahrhaftigkeit, treibt die beiden Figuren den gesamten Film über um. Dieses Bedürfnis, das im deutschen Kino und ebenso in der deutschen Philosophie eine lange Tradition hat, macht Maren Ade aber nicht zum alles bestimmenden Maßstab."

18. Juni 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Der Tagesspiegel

Es geht hier ums Erwachsenwerden, meint Christina Tilmann. "Doch nicht die Verbiegungen, die der Alltagsjob irgendwann fordert, auch von dem größten Träumer, oder die Einsicht in die eigene Erfolglosigkeit sind das zentrale Thema von Maren Ades auf der Berlinale gefeiertem Zweitling ALLE ANDEREN. Sondern, sehr viel schmerzhafter, es sind die Verbiegungen und Kompromisse, die die Liebe von einem fordern kann – und die unendlich traurige Einsicht, dass die Alternative dazu nur das Eingeständnis wäre, dass da statt dauerhafter Liebe doch nur eine kurze, banale Beziehung war."

18. Juni 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte ist begeistert. "Maren Ades Film ist ein wunderbares Plädoyer dafür, unter dem Druck des Geschmacksdiktats auf die eigene Stimme zu hören - auch wenn sie gegen jeden Widerstand von den mächtigen Metaphern eines Herbert Grönemeyer angeschlagen wird. Nur in der Gegenwart des Anderen, meinte Hegel, könne es auch ein Ich geben. Wer das Andere vernichtet, der tötet sich selbst. Die erst 1978 geborene Regisseurin hat mit erstaunlicher Weitsicht erfasst, an wie viele Äußerlichkeiten die so genannte Selbstverwirklichung geknüpft ist."

17. Juni 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Der Spiegel

Maren Ade ist ein Wunder geglückt, schreibt Birgit Glombitza. "Ein Sommerfilm, leicht, flirrend, erhitzt. Manchmal wirbeln Windböen die unter der Oberfläche liegende Thermik einer Stimmung nach oben. Manchmal drückt mit der Hitze das Warten aufs Gemüt. Das Warten darauf, dass eine Spannung verfliegt, Gäste verschwinden, die Ferien vergehen. Man denkt an Eric Rohmer bei dieser Geschichte über Menschen, denen es ganz gut geht und die trotzdem, wenn sie sich selbst ausgesetzt sind, erschüttert werden von einer Krise, die keine Ursachen hat, weil diese Krise das Leben selbst ist."

17. Juni 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Die Berliner Zeitung

Seine wahre Kraft entwickelt der Film nicht über die Dialoge, sondern über die physische Präsenz seiner Figuren, schreibt Harald Hähner. "Es ist ein sehr körperlicher Film, so wie der Urlaub eine Zeit ist, in der einem der Körper in seiner Anfälligkeit, seiner Erholungsbedürftigkeit, seiner ursprünglich vorgesehenen Vitalität bewusster wird, als er es im Alltag sein darf. Die Gesten von Birgit Minichmayr und Lars Eidinger sind mindestens so vielsagend wie ihre Sätze, und oft genug widersprechen sie ihnen. ... Das ist großes Schauspielerkino in einem kleinen Film einer großen Regisseurin."

17. Juni 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Die Tageszeitung

Für Cristina Nord ist der Film mutiger als seine Figuren. "Er nimmt sich die Freiheit, in der sich Gitti und Chris nur wähnen, indem er seine Sequenzen jeweils für jede Möglichkeit offenhält. Szenen wechseln unvermutet ihre Temperatur und ihre Richtung, etwa wenn sie vom Komischen ins Tragische und von dort zurück ins Komische kippen. Die Figuren agieren in einem Augenblick infantil und im nächsten reif, sie probieren Posen und Sätze aus, verwerfen oder ironisieren sie und meinen sie schließlich doch ernst."

16. Juni 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • film-dienst 13/2009

Alexandra Wach ist begeistert. "Wie die wunderbare Birgit Minichmayr und der in seiner phlegmatischen Unentschlossenheit nicht weniger präsente Lars Eidinger diesen Auflösungsprozess mit vollem Körpereinsatz meistern, ist schlicht bewundernswert. Wenn sie zum Schluss gegen ihr Naturell buchstäblich die Verstellung wählt und sich tot stellt, um ihrem Gegenüber eine verbindliche Reaktion abzutrotzen, ist das kein Machtkampf mehr, sondern pure Verzweiflung, in der sich das Unbehagen über die enttäuschten Erwartungen an den anderen spiegelt. Man mag diesen berührenden Schlussakkord als Chance zum Neuanfang interpretieren oder als das letzte Aufbäumen unverbesserlicher Narzisse."

14. Juni 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Der Tagesspiegel

Jan Schulz-Ojala lobt den genauen Blick der Regisseurin. Er ist der Regisseurin begegnet.

01. Mai 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • programmkino.de

Marcus Wessel bestätigt die Auszeichnung des Films. "So passt schlussendlich alles zusammen. Die Schauspieler, der Film, die Inszenierung, der Anfang und das Ende. Nur in Bezug auf Gitti und Chris mag man zu einem anderen Urteil kommen."

15. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • arte.tv

Martin Rosefeldt stellt die Reichweite des Films fest. "Die Aufrichtigkeit, extreme Sensibilität und Durchlässigkeit im Spiel mit ihren kongenialen Schauspielkollegen ermöglicht es, die emotionale Orientierungslosigkeit einer ganzen Generation weit über die Grenzen Berlins erfahrbar zu machen. Einer Generation, deren Identitätssuche alles andere als banal und belanglos ist."

12. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte ist des Lobes voll. "Dass man Hegels These auch zu einer leichthändigen Komödie entwickeln kann, lässt sich nur eine Woche später in einem deutschen Wettbewerbsbeitrag erleben: ALLE ANDEREN ist der bislang klügste Film der Berlinale. Wie schon eine ganze Reihe deutscher Filme im Umfeld der "Berliner Schule" wählt die Regisseurin Maren Ade die Kulisse eines Italienurlaubs zum Hintergrund eines Beziehungsfilms. So feinsinnig aber, wie hier die verletzliche Geschichte eines frischverliebten Pärchens erzählt wird, das in einem geliehenen Ferienhaus eine Bühne für eine mögliche Zukunft findet, hat man das noch nicht gesehen."

12. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Der Standard

Isabella Reicher schätzt die visuelle und sprachliche Präzision des Films. "Die minimalen Verschiebungen und den stillen Verrat, die Ungleichzeitigkeiten und Unverhältnismäßigkeiten, das Anbiedernde und Unsichere - und alles, was sonst eben so auftaucht, sobald zwei versuchen, ihre Gefühle und ihr Verhältnis zueinander zu fassen und dann womöglich noch vor Dritten darzustellen -, all das beobachtet und inszeniert ALLE ANDEREN sehr genau."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Der Spiegel

Martin Wolf entdeckt bei der Regisseurin die Akribie einer amüsierten Insektenforscherin. "Tatsächlich ist ihr mit ALLE ANDEREN das recht überzeugende Porträt einer verwöhnten Generation gelungen, deren Anspruchsdenken jedes noch so kleine Glück verdirbt. Mamas Ferienhaus mit Pool zum Beispiel wird wie eine Selbstverständlichkeit hingenommen – um dann bei jeder Gelegenheit über die Inneneinrichtung zu lästern."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Berliner Zeitung

Eine Studie über die Gewöhnlichkeit sah Harald Jähner. "So undramatisch sich das anhört, ist es tatsächlich. Wer sich von einem Film vor allem Spannung erwartet, ist in diesem verkehrt. Urlaub heißt, müßig gehen und lange Weile genießen. Das hat Maren Ade dramaturgisch perfekt umgesetzt. Was ihr nun noch bleibt, um die Zuschauer zu packen, sind ihre Schauspieler. ... Zum Glück stimmt etwas nicht an diesem absichtlich unspektakulären Film. Birgit Minichmayr als Gitti kann gar nicht anders als eine Frau verkörpern, die für Besseres vorgesehen ist. Man muss sie nur lachen hören, dröhnend und kreischend zugleich, die Arme dabei verkrampft vor Lebensgier und Liebesbedürftigkeit, um zu wissen, dass sie irgendwann ihre Koffer packen wird."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Der Tagesspiegel

Die erste ernsthafte Anwärterin auf den Goldenen Bären sah Jan Schulz-Ojala. "Eine Dutzendgeschichte also. Alltag, ausnahmsweise auf Sardinien. Die Auszeit, in der eine Beziehung sich bewähren soll. Intimität und Irritation, Hunger aufeinander und Hass. Maren Ade inszeniert das in ihrem zweiten Spielfilm nach der grandiosen weiblichen Einsamkeitsstudie DER WALD VOR LAUTER BäUMEN als Versuchsanordnung, der jede Künstlichkeit fehlt. Da sind zwei, die sich wie ohne Zeugen ausprobieren aneinander und zernutzen, von Anfang an."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Die Tageszeitung

Andreas Busche bescheinigt der Regisseurin ein genaue Beobachtung. "Birgit Minichmayrs Rastlosigkeit macht Gittis innere Unruhe auf der Leinwand förmlich spürbar, während die Entwicklung von Chris aus unergründlichen Gründen auf halber Strecke steckenbleibt. Wer es denn möchte, wird kein Problem haben, ALLE ANDEREN im Kontext der so genannten Berliner Schule zu verorten - dazu reicht schon ein kurzer Blick in die Credits und Dankliste des Films. Abseits rein geografischer Spezifika lässt sich unter diesen im Grunde sehr unterschiedlichen Filmen dennoch ein gemeinsamer Trend erkennen: die beinah defensive Strategie, eine gesellschaftliche Gefühlslage anhand von Paarbeziehungen artikulieren zu wollen."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Neues Deutschland

Laut Gunnar Decker hat sich der Film auf unerklärliche Weise in den Berlinale-Wettbewerb verirrt. "Das eigentlich Traurige an diesem völlig verquasten Beitrag, der wie von einer Therapeutenselbsthilfegruppe im Wochenendworkshop verfertigt wirkt, sind die Schauspieler. Lars Eidinger von der Berliner Schaubühne und Birgit Minichmayr, beide müssen niemandem mehr beweisen, wie gut sie eigentlich sind. Sie sind es, aber nicht in diesem Film. Lars Eidinger kommt mit seiner Rolle als struktureller Selbstverhinderer sehr viel besser zurecht als Birgit Minichmayr mit der schwer hysterischen Lebensmaximalistin."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • perlentaucher.de

Der Film ist laut Ekkehard Knörer "zwar eine hoch virtuose Angelegenheit, zu der überdies Birgit Minichmayr als Gitti hinzutut, was sie an schauspielerischem Herzblut zu bieten hat. Hinaus aber aus dem ewigen Kreisen und Schwanken und der passiv-agressiven Ironie dieses Lebens findet der Film nicht. Er ist eine ungeheuer genaue und geduldige und darum immer wieder faszinierende Diagnose von Befindlichkeiten, deren sozialer und ästhetischer Ort genau angebbar ist. Man kann das ALLE ANDEREN zum Vorwurf machen - muss dabei aber schon selbst sagen, von wo aus genau man selbst blickt oder spricht."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • kino-zeit.de

Für Joachim Kurz ist die Regisseurin eine "genaue Beobachterin zwischenmenschlicher Beziehungen und schaut vor allem auf die Wunden und Verletzungen, die Missverständnisse und Ausbrüche, die sich Menschen zufügen. Das ist einerseits zwar in manchen Situationen unglaublich komisch – vor allem, wenn man sich als Zuschauer auf sich selbst zurückgeworfen fühlt –, andererseits aber auch an einigen Stellen unglaublich quälend. Trotz großartiger Szenen fehlt dem Film insgesamt der Drive und die soghafte Wirkung von Maren Ades Erstling, zu vieles bleibt reine Zustandsbeschreibung und dreht sich ebenso im Kreis wie die Beziehung zwischen Chris und Gitti. Aber vielleicht ist es ja genau so, das ganz normale (Liebes)Leben..."

10. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Die Zeit

Markus Zinsmaier sah eine berührende Beziehungs-Striptease. In seinem Minimalismus wirkt ALLE ANDEREN auf eine angenehme Art zeitlos. "Beide verstellen sich für den anderen und verlieren damit zugleich den Ausgangspunkt ihrer Liebe aus den Augen. Maren Ade erzählt von den Hoffnungen und Erwartungen, die jeder Beziehung innewohnen, und um das Austarieren von Machtverhältnissen. Wenn Gitti am Ende wie tot vor Chris liegt und ihm die Tränen über die Wangen laufen, dann ist dieses Ende auch ein Anfang."

01. Februar 2009 | ALLE ANDEREN • Kritik • Berlinale

Datenblatt des Films.

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