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DER VORLESER

DER VORLESER

Regie Stephen Daldry
Kinostart 26.02.2009

Kritiken • DER VORLESER

26. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Der Tagesspiegel

Jan Schulz-Ojala stellt fest: "In seiner romantischen, von Kate Winslet und David Kross fantastisch verkörperten ersten Halbzeit geht es um Passion. Und um eine jungmännliche Projektion. Doch ist sie – auch für den Zuschauer – nicht zu haben ohne die Ernüchterungsarbeit des Erwachsenen, der einen fundamentalen Schrecken in seine Biografie einarbeiten muss. ... Der unwiderstehliche Reiz des Buches besteht darin, dass es den Projektionen eines Ich-Erzählers folgen kann, der sich zugleich auf der Reflexionsebene keineswegs schont. Der Film löst sich – auch im geschmeidigen Wechsel der Zeitebenen – von dieser monolithisch allzweifelnden Erinnerungsperspektive, wobei er die zentralen Fragen noch zuspitzt."

26. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Frankfurter Rundschau

Wenn literarischer Text zu Film wird, geht oft etwas verloren, konstatiert Daniel Kothenschulte. Das Drama ist "elegisch, übersättigt von Filmmusik und in jenen warmen, manchmal bräunlichen Farbtönen gehalten, mit denen uns das Kino oft die Vergangenheit ans Herz legt. Eine leere, höchst befremdliche Nostalgie entwickelt dieser Film, die bemüht ist, alles Exemplarische und Symbolische des Plots zu glätten. Doch gerade diese Schauwerte machen die Fiktion noch irrealer."

26. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Der Freitag

Für Michael André zeigt der Film exemplarisch, wie sich der Blick auf die Geschichte verändert, seit Hollywood die deutsche Historie entdeckt hat. "Nicht die Opfer, nicht die Nachgeborenen, sondern eine Täterin steht im Mittelpunkt – und hat die Sympathien immer auf ihrer Seite. In der geschickten Emotionalisierung des Zuschauers wird Hanna in dem Augenblick zur Heldin, als sie die Verantwortung, die ihr von den Mitangeklagten untergeschoben wird, auf sich nimmt. Die schöne, schüchterne, freundliche Hanna wird im Zeugenstand zum Opfer, das auf das Konto der grimmigen, verhärmten, alten Aufseherinnen auf der Anklagebank geht."

26. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • artechock.de

Für Rüdiger Suchsland wiegt in diesem Fall schlimmer als alle Ästhetik "die Moral von der Geschicht' – und auch die ist eine künstlerische Frage: Denn was ist das Zentrum? Sehen wir einen Film über den Holocaust und sein Nachleben, Nachleugnen, Nachverdrängen in Westdeutschland, ornamentiert durch eine private Geschichte? Oder sehen wir in zwei Stunden eine herzerwärmende Fabel über die Wunder der Literatur und deren Kraft, sogar das Leben von Massenmördern zu verbessern? Was sehen wir von Hanna, vor allem dann in der Haft?"

26. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Der Spiegel

Daniel Sander sah nur eine brave Nacherzählung seiner Romanvorlage. "In gewisser Weise ist das sogar reizvoll, weil gerade die Hauptfigur Hanna Schmitz so moralisch noch undurchsichtiger bleibt als in der Vorlage. Viele jedoch werden die kühle Zurückhaltung eher als frustrierend begreifen. ... Skandalös kann der Film nur da sein, wo es der Roman schon gewesen ist, oder von manchen so empfunden wurde. Wer das Buch für brillant hält, für eine wichtige Auseinandersetzung mit dem Holocaust aus Sicht einer Schuldigen, kann das auch für den Film unterschreiben. Wer die gnädige Absolution einer uneinsichtigen Täterin beklagte, wird es hier wieder tun."

26. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Die Zeit

Peter von Becker lobt Kate Winslet: "Ihrer Leidenschaft haftet immer auch etwas Verschattetes an, das untergründig Strenge, Starre, Stutzige – und ein Ordnungstrotz, eine Reinlichkeitslust (auch die Schande des Nichtlesenkönnens wegzuwischen), die ihr einst entgleiste. Zum Terror, den sie nicht begreift, was im KZ-Prozess, bei dem der Jurastudent Berg die vergessene Liebe plötzlich wiedersieht, ein spannungsvolles Spiel mit dem Unbegreiflichen ergibt. Glänzend darin Burghardt Klaußner als Richter, der die einstige Mörderin, die lebenslange Selbstmörderin vernimmt."

24. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • critic.de

Sonja M. Schultz resümmiert: "In Stephen Daldrys Verfilmung steckt die Fülle des schmalen Buches – nur bleibt sie hinter den Bildern zurück. Bei der Transformation der Prosa ins Visuelle sieht man plötzlich die konventionellen Effekte. Zwar ist der für seine sensible Schauspielführung berühmte Regisseur bemüht, Kitsch und allzu eindeutige Zuschreibungen zu vermeiden. Aber die Poesie, das Rührende, das Gewollte in der Inszenierung wiegt immer stärker. Bei Schlink heißt es, er wolle keine Geschichte erzählen, die glücklich oder traurig macht, sondern eine, die stimmt. Auf der Leinwand ist es andersherum."

07. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Der Spiegel

Andreas Borcholte fragt sich, was DER VORLESER (DER VORLESER Trailer) sein soll? "Dampfende Romanze vor historischer Kulisse? Pädagogisches Drama? Denkstück über die Last der deutschen Generation Nachkrieg? Stephen Daldrys Film ist von alldem ein bisschen und nichts davon richtig. Zum Erbauungskino taugt er schon allein deshalb nicht, weil es für die Greuel des Holocaust weder Entschuldigung noch Absolution geben kann. Zu viel auf einmal, zu wenig, was bleibt."

07. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Der Standard

Isabella Reicher sah eine krude Mischung aus Authentifizierung und Ökonomie. "Ziemlich viel wird hier auf unzulässige Weise miteinander verquickt. Kate Winslets Leistung wird bereits viel gelobt. Einen verkehrten Film macht das nicht richtiger."

07. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • kino-zeit.de

So viel Melodram lag vermutlich nicht im Sinne des Erfinders, glaubt Joachim Kurz: "Auch wenn die Geschichte sich weitgehend werkgetreu an Schlinks Buch hält, der distanzierte und kühl berichtende Tonfall des Schriftstellers wird auf dem Altar des großen Geschichtsmelodrams geopfert, was dem Film zwar eine gewisse Massenwirkung sichern dürfte, dem Roman aber nicht wirklich gerecht wird. Schlink selbst gab sich auf der Pressekonferenz aber gelassen und gestand zwar ein, andere Bilder beim Schreiben im Kopf gehabt zu habe. Er könne trotzdem mit dem Ergebnis leben. Wenn das mal kein Lob ist."

06. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Berliner Zeitung

Als solides Schulkino bezeichnet Carmen Böker den Film. Aber "eins ist sicher: Man hätte keine bessere Besetzung als Kate Winslet finden können, deren Gesicht die Kälte einer klassischen Marmorstatue annehmen oder Zärtlichkeit wie ein Kachelofen die Wärme abstrahlen kann; die sich mit einem Augenbrauenheben allen irdischen Übergriffen entziehen oder mit einem Mundwinkelsenken müde wie eine Bäuerin niedersinken kann. Eine Frau, der man vermutlich unter allen Umständen verfallen muss. Nur nicht mit der grässlich künstlichen Gummimaske der alten Hanna."

06. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Der Tagesspiegel

Klugerweise verzichtet der Film laut Peter von Becker "auf jede rückblendende Nachstellung der Nazizeit. So entsteht der Horror stärker im Kopf. Atmosphärisch dicht wirken dabei die historischen Nachkriegs-Settings, vom vorbeihoppelnden Goggomobil bis zur Straßenbahn mit Holzsitzen, Messinggriffen. Schwächer geraten dagegen die Studentenszenen aus der 68er-Zeit, trotz Bruno Ganz als kauzigem Professor. Auch die Bilder eines KZ-Besuchs, mit blitzenden Verbrennungsöfen, die ein ästhetisiertes Auschwitz suggerieren, gehören zu den hollywoodesken Ausrastern, ebenso wie die vieles verschmalzende Musik."

06. Februar 2009 | DER VORLESER • Kritik • Die Tageszeitung

Hier gehen laut die Banalität des Bösen und das bewusst Gefühlsselige eine unbehaglich erfolgreiche Allianz ein, meint Marion Löhndorff. "Beim Versuch, die Motive ihrer Verbrechen zu erklären, begibt sich DER VORLESER (DER VORLESER Trailer) in eine prekäre Situation: Wird das Unsagbare durch seine vermeintliche Nachvollziehbarkeit, nämlich den Analphabetismus der Figur, nivelliert? Sicher beabsichtigt der Film, dem seine ernsthafte Intention überdeutlich anzumerken ist, dies nicht. Dennoch bleibt der Eindruck von Zwiespältigkeit: Es ist eine Auseinandersetzung mit dem deutschen NS-Erbe, die sentimentale Effekte nicht scheut und zugleich komplexe Fragen stellt, die schließlich - dies wiederum redlicherweise - offen bleiben."

20. Dezember 2008 | DER VORLESER • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Wie Andrea Köhler feststellt, ärgert DER VORLESER (DER VORLESER Trailer) die Kritik in den USA und erfreut das Publikum. "Die Filmkritikerin Manohla Dargis rügt das schwer erträgliche Selbstmitleid, das Schlinks "ohnehin nicht überzeugende Seelenerforschung" durchzieht, ein Sentiment, das der Film – unterstützt durch Fiennes' notorisch heruntergezogenen Mundwinkel – mit Gusto auswalzt. "Gab es wirklich keinen zornigen deutschen Regisseur, der Schlink hätte dramatisieren können?", fragt Anthony Lane im "New Yorker" und vermutet, Schlinks "flaues, mit erotischem Kitzel garniertes Sinnieren über die Greuel der Nazizeit" habe die deutschen Filmemacher erst gar nicht gereizt."

12. Dezember 2008 | DER VORLESER • Kritik • Frankfurter Rundschau

Laut Barbara Munker wird der Film Diskussionen auslösen. "Die Vermarktung des brisanten Dramas mit freizügigen Liebesszenen zwischen einem 15-jährigen Jungen und einer mehr als doppelt so alten Frau mit Nazi-Vergangenheit ist kein leichtes Unterfangen. Das Weinstein-Studio hat jüdische Gruppen und Buch-Clubs zu Filmvorführungen eingeladen. Man hoffe auf eine positive Mundpropaganda, bevor der Film in vielen Kinos anläuft, berichtet die "New York Times"."

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