| Regie | Ron Howard |
| Kinostart | 05.02.2009 |
Drei Jahre lang schwieg Richard Nixon nach seinem Rücktritt in Folge der Watergate-Aff äre, doch im Sommer 1977 ließ sich der stahlharte und überaus redegewandte Ex-Präsident auf eine exklusive Reihe von Fernsehgesprächen ein, um über seine Amtszeit zu sprechen. Die Erwartungen waren hoch, Einzelheiten über die Hintergründe des Spionagefalls zu erfahren. Nixons überraschende Wahl für den Moderatoren der Sendereihe fiel auf den bis dahin eher als windig bekannten britischen Moderator und Entertainer David Frost.
Packend nennt Bert Rebhandl den Film. "Mit einem einzigen, entscheidenden Satz macht der Brite David Frost sich zum Sprecher des amerikanischen Volkes. Dass er damit auch für uns alle spricht, ist ein Vermächtnis des Hollywood-Kinos, das uns US-amerikanische Präsidenten näher gebracht hat als viele europäische Politiker. In FROST/NIXON (
) geht es um Ruhm oder Verbannung, aber auch um mögliche Versöhnung. Der Zeitpunkt, zu dem der Film in die Kinos kommt, wird kein Zufall sein. Denn in Texas sitzt nun ein Mann auf seiner Ranch, dem der Gedanke an sein Vermächtnis keine Ruhe lassen sollte. Wenn er diesen Gedanken denn fassen kann."
Laut Wilfried Hippen ist dies ein "Neo-Bush-Film, und trifft den Zeitgeist in den USA sehr genau. Und wenn man sieht, als was für ein imposanter und smarter Mensch Nixon hier noch in der Niederlage gezeichnet wird, kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wie wenig Format George W. Bush dagegen hat."
Politisches Seemannsgarn oder doch ein bisschen revisionistisch, fragt Andreas Busche. "Es ist eine klassische David-gegen-Goliath-Konstellation, allerdings ohne deren heute beinah unschuldige Konnotation. Das Nixon-Interview war zynisches Kalkül; ein Umstand, den Ron Howard mit seiner sportiven Inszenierung geflissentlich herunterspielt. FROST/NIXON (
) reanimiert vielmehr den US-amerikanischen Mythos vom Underdog, der seinem haushoch überlegenen Gegner gegen alle Erwartungen Paroli bietet: David Frost als Rocky Balboa. Wie ein Boxkampf ging das Nixon-Interview über 12 Runden."
Die Kunst des Films besteht darin, dass er dieser Show des Scheiterns eine stetig wachsende Spannung abringt, lobt Michael Althen. Hier gelingt dem Regisseur "die Gratwanderung, anhand von zwei wenig sympathischen Kontrahenten, die sich nicht in die Karten blicken lassen, Journalismus und Politik als Spielarten des Showbusiness zu zeigen und die Frage zu stellen, ob man mit den falschen Mitteln zum richtigen Ergebnis kommen darf. Am Ende ist der Moment der Wahrheit vor allem gutes Entertainment. Sonst hätte man ihn womöglich verpasst."
Fritz Göttler sah einen sehr aktuellen Filmschlagabtausch zu Politik, Macht & Recht. "Der Underdog! Michael Sheen spielte ihn, der diesmal als Frost dabei ist. Und wieder passiert es,- am Ende ist man - manche der amerikanischen Kritiker waren nachgerade entsetzt - Nixon viel zu nah. Alles scheint möglich: Ob das nicht ungesetzlich war, was er gemacht habe? Nun, entfährt es Nixon, wenn der Präsident es tut, dann ist es nicht ungesetzlich! Er glaubt fest daran. Royals im Weißen Haus - ist dies der beste Film, den es je über die Bush-Zeit geben wird?"
Der Historienfilm dramatisiert eine Redeschlacht, schreibt Matthias Heine. Dies "ist ein Erwachsenenfilm. Seine Helden sind ausschließlich Männer weit bis sehr weit jenseits der Dreißig. Sein Thema ist die politische Moral. Und seine Machart denkbar weit von den ewiggleichen Blockbuster-Zutaten (Explosionen, Spezialeffekte, Schnulzen) entfernt. Weder die erstaunlich zurückhaltende Musik des oft so schrecklichen Tonsetzers Hans Zimmer noch hektische Schnitte versuchen, diese Geschichte an digitale Konsumgewohnheiten anzupassen. FROST/NIXON (
) ist so analog wie die Epoche, in der er spielt. Irgendwann treten all die Schlaghosen, die Koteletten, die originalen Schauplätze (u. a. Nixons Villa in San Clemente) in den Hintergrund, und es bleibt nichts als der Wortkampf zweier Männer, die um die Wahrheit ringen. Und das ist atemberaubend spannend."
Alan Posener erklärt die historischen Hintergründe.
Holger Römers sieht einiges anders. Der Film und das Drehbuch von FROST/NIXON (
) rehabilitieren "den Ex-Präsidenten zwar nicht, doch die Darstellung Frank Langellas und die Worte, die Paul Morgan ihm in den Mund legt, verleihen ihm doch eine tragische Größe, die deutlich mehr Sympathie weckt als Frosts glatter Charme."
Laut Michael Kienzl ist dies ein Film geworden, dessen Augenmerk vor allem auf der Leistung seiner beiden Hauptdarsteller liegt. "Letztlich erzählt Ron Howard eine klassische David-gegen-Goliath-Geschichte und propagiert die typisch amerikanische Arbeitsmoral, nach der man selbst den aussichtslosesten Kampf gewinnt, wenn man es nur beharrlich versucht. FROST/NIXON (
) ist demnach auch weder Geschichtsstunde noch gar politischer Film, sondern in erster Linie solide inszeniertes Schauspielkino ohne besondere Ecken und Kanten."
Joachim Kurz ist erstaunt: "Tatsächlich sind es dann auch vor allem die Rededuelle und der Austausch verbaler Finten und Gemeinheiten, die den Reiz dieses Films ausmachen. Zugleich aber, und das ist zweifelsohne das große Verdienst dieses Films, zeigt Howard auch, wie viel Macht in der politischen Meinungsbildung den Medien zukommt. Die TV-Duelle zwischen dem Talkmaster und dem Ex-Präsidenten haben jedenfalls die Weichen gestellt für eine neue politische Streitkultur der damals noch jungen Medien-Demokratie."
Laut Michael Meyns lässt sich der Film "nicht zu einfältigen Triumphposen hinreißen. Nixon wird nicht als verdammenswerte Figur geschildert, sondern als komplexe Person, die an den Anforderungen des Amtes scheiterte. Diese Ambivalenz ist die größte Qualität von FROST/NIXON (
), dessen Einblicke in die Psyche eines Machtpolitikers interessante Parallelen zur heutigen Zeit bieten."
Thomas Engel lobt die Darsteller. "Geboten wird das von Michael Sheen (David Frost), Frank Langella (Nixon) und Kevin Bacon (Nixons engster Berater Jack Brennan). Michael Sheen spielt unbekümmert scheinend, aber genügend durchtrieben. Frank Langella mimt – dabei mit äußerlicher Ähnlichkeit – unnachahmlich den Präsidenten. Kevin Bacon, der vergeblich das Schlimmste zu verhindert sucht, ebenfalls überzeugend. Es wäre kein Wunder, wenn für diese Leistungen Preise abfallen würden."
Margret Köhler sah eine brillante Performance mit geschliffenen Dialogen. "Das große Plus der Schauspieler: Sie versuchen nicht, die echten Personen in Mimik und Gestik nachzumachen, sondern verkörpern sie auf ihre Weise, ohne sie total zu verändern. Gedreht wurde an Originalschauplätzen wie Nixons kalifornischem Domizil in San Clemente und in Frosts damaliger Hotel-Suite. Ron Howard zeichnet nicht Gut und Böse, sondern die Grauzonen der Macht, in denen sich Nixon verfing, bisher der einzige Präsident der Vereinigten Staaten, der von seinem Amt zurücktreten und das White House in Schimpf und Schande verlassen musste. Ein Politdrama der Extraklasse."
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