| Regie | John Patrick Shanley |
| Kinostart | 05.02.2009 |
1964, St. Nicholas in der Bronx. Pater Flynn versucht, die strengen Sitten der Schule auf den Kopf zu stellen, die lange Zeit von Schwester Aloysius Beauvier gehütet wurden. Doch der Wind des politischen Wandels weht durch die Gemeinde und so nimmt die Schule sogar ihren ersten schwarzen Schüler, Donald Miller, auf. Aber dann berichtet die hoffnungsvoll-naive Schwester James ihrer Direktorin, dass Pater Flynn dem kleinen Donald zu viel private Aufmerksamkeit widmet. Schwester Aloysius startet sofort einen Kreuzzug...
Bis zum Schluss wird kunstvoll die Schwebe zwischen den beiden Möglichkeiten halten, lobt Matthias Heine. "Das Drehbuch, das Regisseur John Patrick Shanley auf der Basis seines mit dem Pulitzer-Preis gekrönten Theaterstücks schrieb, ist voll von solchen exquisiten Details, die die Sympathien und Gewissheiten der Zuschauer auf einen schwankenden Boden ziehen. Der kunstvolle Höhepunkt ist das Gespräch, das Schwester Aloysius mit der Mutter des schwarzen Jungen führt. Diese einfache Frau stellt die Überzeugungen der Schwester (aber auch unsere) mit einer geradezu nihilistischen Mutterliebe gleich mehrfach in Frage. So begabt John Patrick Shanley als Autor ist, so plump ist er als Regisseur."
Einen Film im Namen des Zweifels sah Susanne Ostwald. "Dabei nutzt John Patrick Shanley die spezifischen filmischen Möglichkeiten, die einer Bühneninszenierung verwehrt bleiben, indem er etwa das Bild immer wieder in die Schräge kippen und den Kameramann Roger Deakins extreme Positionen einnehmen lässt, um das Gefühl der Unsicherheit und Instabilität zu verstärken. Der zunehmend kalte Wind, der im beginnenden Winter nicht nur die Blätter, sondern, so scheint es, auch die Menschen durcheinanderwirbelt, fungiert dabei als eine schöne bildhafte Metapher."
Laut Michael Kohler mag der Regisseur "kein geborener Filmemacher sein, aber er versteht sein dramatisches Geschäft. Er hält die Schuldfrage bis zum Ende geschickt in der Schwebe und deutet die moralischen Abgründe auf beiden Seiten der Frontlinie an. Es ist nicht zu übersehen, dass Schwester Aloysius die neuen religiösen Sitten ein Dorn im Auge sind, und in einigen vorbildlich gebauten Szenen erscheint der Machtkampf um das kindliche Seelenheil weniger als Glaubens- denn als Geschlechterfrage."
Für Ekkehard Knörer bestätigt der hölzerne "Streifen alle Vorurteile, die gegen Theaterverfilmungen noch im Umlauf sein mögen. Das Problem ist dabei nicht, dass die Bühnenvorlage in den Film als mediale Differenz hinein ragt. Sondern, dass sie dies auf so uninteressante Art und Weise tut, nämlich in Form uninspirierter Schauspielerduelle an den ewig gleichen Schauplätzen und einer plumpen Zeichenlogik, die auf die natürliche Beschränkungen der Bühnenkulisse verweist. Auf der Bühne kann ein ökonomischer Einsatz von Requisiten produktiv sein, wenn im Film aber immer wieder während emotionaler Streitgespräche dieselbe Glühbirne durchbrennt (und wenn sich der Film dabei voll und ganz ernst nimmt), wird es schnell lächerlich."
Jedes Gespräch dynamisiert die Handlung, doch keines davon lässt für den Zuschauer eine letztgültige Schlussfolgerung zu, schreibt Carmen Böker. "Das Publikum kann sich durch diesen Mechanismus selbst niemals dem Zweifel entziehen, es ringt genauso vergebens wie die handelnden Personen um die Erkenntnis, was richtig und was falsch ist. Sein Stück handele davon, dass Zweifel "Wachstum und Veränderung" ermögliche, so John Patrick Shanley. Um dieses Hin- und Hergeworfensein zu illustrieren, nutzt er mitunter plakative Bilder."
Birte Lüdeking hat die Zwischentöne vermisst. "Bildsprache und Figurenbeschreibung geben sich häufig zu offensichtlich als vorgebliche Indizien einer Verbrechensaufklärung aus und scheinen unsere Meinung ins eine und dann wieder ins andere (Vor-)Urteil lenken zu wollen, um uns schließlich eine Lektion zu erteilen, die weder besonders tiefsinnig noch sehr überraschend ist. Dass die Protagonisten in erster Linie Demonstranten einer Zeit oder Geisteshaltung sind, einer Geschlechtszugehörigkeit oder Rasse, und sonst wenig individuelle Eigenschaften besitzen, weckt nur begrenztes Interesse an ihnen und dem Handlungsverlauf."
Esther Buss merkt dem Film seinen Theaterhintergrund deutlich an. "Es gibt immer wieder kammerspielartige Szenen mit langen Dialogen, dennoch versteift er sich nicht auf das Gegenüber der beiden Hauptfiguren, entwirft vielmehr ein lebendiges Bild der Schule. Er ruft unweigerlich die Missbrauchsfälle in Erinnerung, die die katholische Kirche in den letzten Jahren erschütterten, und doch geht es hier um ein gänzlich anderes Thema.GLAUBENSFRAGE (
) erzählt vielmehr vom äußerst schmalen Grat zwischen Überzeugung und Ungewissheit und von der veränderten Wahrnehmung unter den Vorzeichen eines Verdachts."
Lauter kleine böse Fragen werden hier gestellt, findet Susan Vahabzadeh. "Vor allem aber ist diese Geschichte grausam kompliziert; man kann ihr, auch dem Stück, vielleicht vorwerfen, dass sie auf einen Aufmerksamkeitsbonus der Missbrauchsskandale der katholischen Kirche spekuliert, ohne sich dann mit dem Thema wirklich zu befassen; GLAUBENSFRAGE (
) rührt eher generell am Aufeinanderprallen von Schutzbedürftigkeit und Übereifer. Aber vor allem sät das Stück Unsicherheit, stellt lauter kleine böse Fragen, auf die es keine Antwort gibt, oder höchstens solche, die man dauernd überprüfen, umformulieren muss. Alles muss man abwägen."
Marcus Wessel hat die Duellanten vorrangig als Platzhalter einer bestimmten Geisteshaltung und weniger als Menschen aus Fleisch und Blut wahrgenommen. "Von Beginn an sind die Fronten und Positionen klar abgesteckt und nur die leicht beeinflussbare Schwester James darf, stellvertretend für uns, immer mal wieder die Seiten wechseln. Trotz dieser leicht durchschaubaren Versuchsordnung spielt sich Shanley nie zu einem Dozenten auf. Er überlässt es uns, Rückschlüsse zu ziehen über das, was tatsächlich zwischen Pater Flynn und Donald vorgefallen ist. Man möchte nur zu gerne glauben, dass die Anschuldigungen haltlos sind."
Thomas Engel sah "theologisch-didaktisches, ethisch-moralisches Stück um Zweifel und Glaube, um liberales Denken und Extremismus kreisend, von John Patrick Shanley, dem Autor des zugrunde liegenden Theaterstückes, für den Film aufbereitet. Wem das Thema weniger liegt, der kann sich an der schauspielerischen Höchstqualität von Meryl Streep (Sister Aloysius), Philip Seymour Hoffman (Father Flynn), Amy Adams (Sister James) und Viola Davis (Mrs. Miller) und sogar an den gut gewählten düster-strengen locations erfreuen."
Bei aller Brillanz sah Paul Collmar keinen perfekten Film: "Ein Manko ist zweifelsohne (wieder einmal) die Filmmusik, die sich an einigen Stellen zu stark in den Vordergrund drängt, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrecht zu erhalten. Dabei hat gerade das dieser Film nicht nötig. Auch manch andere Ideen wie beispielsweise der "running gag" von explodierenden Glühbirnen oder immer wieder extreme Kameraeinstellungen sind eher störend und geben dem Film einen Dreh, der den Intentionen eigentlich diametral entgegengesetzt ist. Unterm Strich aber ist dieser Film trotz mancher kleinen Abstriche wirklich gelungen und stellt wichtige Fragen um Glauben und Zweifel auf intelligente und sehr unterhaltsame Weise."
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