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WENDY AND LUCY

WENDY AND LUCY

Regie Kelly Reichardt
Kinostart 22.10.2009

Kritiken • WENDY AND LUCY

01. Oktober 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • critic.de Partner von film-zeit

Laut Michael Kienzl beschränkt sich die Regisseurin "weder auf eine rein nüchterne und objektive Schilderung noch auf eine Anklage des Kapitalismus. Dafür konzentriert sich der Film viel zu stark auf atmosphärische, unabhängig von der Narration funktionierende Qualitäten, die ihm eine traumwandlerische, fest mit der Befindlichkeit seiner Protagonistin verknüpfte Stimmung verleihen. Einige Szenen, wie die unheimliche Begegnung mit einem Psychopathen im Wald, wirken geradezu surreal. Das musikalische Leitthema – und überhaupt die einzige Musik im Film – ist eine abgehackte Melodie, die Wendy mehrmals in sich versunken vor sich hin summt. In diesen Momenten schafft Wendy and Lucy für kurze Zeit eine konfliktfreie Parallelwelt, in die schon bald wieder die ökonomischen Zwänge des modernen Lebens hereinbrechen."

22. Oktober 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • Berliner Zeitung

Es geht der Regisseurin laut Carmen Böker "nicht um Sozialromantik, um hemdsärmeliges Anpacken von Problemen. Sondern um einen kleinen Ausschnitt aus einem Leben - die Geste, wie jemand versucht, den Kopf oben zu halten, seinen Stolz zu wahren. Michelle Williams ist Wendy und sieht in dieser Rolle schmal aus wie ein zwölfjähriger Junge, lässt sich verschwinden hinter einem Jedermanns-Outfit aus Karohemd, abgeschnittener Cordhose und Stoffturnschuhen, als sei sie die Schnittmenge einer Generation. Oder ein lebendes Piktogramm, in dieser Vermeidung aller individuellen Details bis zum typisch rausgewachsenen Haarschnitt."

22. Oktober 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • Die Tageszeitung

Für Cristina Nord macht die Regisseurin aus der einfachen Grundkonstellation sehr viel. Es "ist bemerkenswert, wie genau sie das Soziale in Szene setzt und wie subtil sie die prekären Verhältnisse, in denen ihre Hauptfigur nolens volens lebt, schildert. Noch bemerkenswerter ist, dass der Film diesen Verhältnissen immer wieder eine flüchtige Schönheit abtrotzt - nicht im Sinne billigen Trosts, sondern als eine Ambivalenz, die es auszuhalten gilt. Wenn Wendy mit ihrer Hündin im Licht der Abendsonne durch ein Waldstück streift, merkt man, dass die Tristesse Grenzen hat, und schaut den eigenen Alltag mit neuen Augen an."

22. Oktober 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • Der Tagesspiegel

Kerstin Decker sah ein berührendes Stück Kino in bedrückender Schönheit. "Karge Szenen von bezwingender Intimität sind das. Regisseurin Kelly Reichardt hat den sicheren Blick für das Wesentliche im Beiläufigen. Ist WENDY AND LUCY ein sozialkritischer Film? Nein, diesem kleinen berührenden Stück Kino ist es sehr egal, ob wir etwas lernen. Aber sehen sollte man schon können. WENDY AND LUCY gehört zu jenen Filmen, deren bedrückende Schönheit aus Wahrheit und Lebenstiefe kommen."

22. Oktober 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte lobt den Film. "In bester amerikanischer Kinotradition weiß der Film nicht mehr als seine Zuschauer - doch anders als es populäre Drehbuchlehrer predigen, bleiben psychologische Erklärungen aus. Dass man Wendy trotzdem sofort zu kennen glaubt, hat vor allem mit ihrer Darstellerin zu tun. Michelle Williams, bekannt durch ihre Oscar-nominierte Nebenrolle in Brokeback Mountain, spielt diese Verlorene ungeschönt natürlich und mit brüchiger Konzentriertheit."

01. Oktober 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • ray-magazin 10/2009

Aktueller könnte das Thema des Films nicht sein, meint Bettina Schuler. "Kelly Reichardt schafft es, in ihrem Film ein sehr genaues Bild des amerikanischen Kapitalismus zu zeichnen. Der, ganz dem Klischee des "american way of life" entsprechend, zwar alles möglich macht, jedoch ebenso gnadenlos jene Menschen an den Rand der Gesellschaft drängt, die sich in dieser Welt des ständigen Wettkampfes nicht zurecht finden. Ihr kleiner, aber feiner Film ist frei von jedweder Sozialromantik. Stattdessen zeigt sie, wie wenig in einer solchen Gesellschaft, in der jeder nur an seinen Aufstieg denkt, der einzelne Mensch wert ist. Selbst der Wachmann ist kein klischeehafter Gutmensch, sondern hadert eine ganze Weile mit sich selbst, bis er seine Hemmungen überwindet und Wendy bei ihrer Suche nach Lucy hilft."

30. September 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • programmkino.de

Michael Meyns hat einen Vergleich parat. "In seinem zurückgenommenen, fast kargen Stil erinnert Wendy and Lucy bisweilen an manche Filme der so genannten "Berliner Schule", die mit ähnlichen Mitteln erzählen. So tief auf der sozialen Leiter begeben sich die deutschen Regisseure zwar nicht, aber die Ähnlichkeiten in Stil und Erzählweise bleiben. Abseits des Mainstreamkinos versuchen sich hier wie dort Regisseure an unspektakulären Geschichten über einfache Menschen mit alltäglichen Sorgen. Inwieweit ein Film wie Wendy and Lucy auch eine Reaktion auf die globale Finanzkrise ist, sei dahingestellt, in jedem Fall ist Kelly Reichardt eine eindrucksvolle, unsentimentale Charakterstudie gelungen."

08. Mai 2009 | WENDY AND LUCY • Kritik • Der Standard

Für Dominik Kamalzadeh verweist die Regisseurin "mit ihrem Film eher auf solche europäischen Vorbilder, und sie hat mit der großartigen Michelle Williams/name> einen sehr uneitlen Star an ihrer Seite, der geradezu abwehrend agiert, aber in dieser Zurückhaltung umso mehr Anspannungsmomente zu vermitteln versteht. Nichts wird hier künstlich dramatisiert, mit der Konzentration einer Dokumentaristin protokolliert die Regisseurin die Verhärtung einer Krise, die auf andere, umfassendere verweist."

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