| Regie | Christophe Barratier |
| Kinostart | 27.11.2008 |
Für Carmen Böker ist der Film ein Nostalgiewunderland. Die "Handlungsstränge gehen ein in einen romantischen Bilderbogen des alten Paris: mit liebevoll ausstaffierten Bistros, herzhaften Mahlzeiten, hübschen Strickmützen, kopfsteingepflasterten Gässchen, aufrechten Menschen voller Prinzipien und Entertainerqualitäten. Das alles zusammen wirkt wie ein Museumsdorf der Tourismuszentrale und deswegen ist diese Wiederauferstehung von la douce france ein bisschen sehr unecht nostalgisch, den kleinen privaten Tragödien und größeren Katastrophen zum Trotz. Bei Pierre Richards Auftritt guckt man allerdings doch wieder wacher zu."
Für Frédéric Jaeger verkörpert der Film eine Vorstellung von Kino, die das gemeinschaftsstiftende Moment hervorhebt. Er vermag "ganz nebenbei seine Schauwerte auszustellen – Stichwort entfesselte Kamera – und verbindet dies mit dem kruden Versuch einer aseptisierten Vergangenheitsdarstellung voll lächerlich-harmloser Charaktere brauner und roter Gesinnung. Dass der Film im Gegensatz zu DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU kein Zentrum findet und nicht einen der Konflikte ausreichend überzeugend unterfüttert, führt nach und nach zur Gleichgültigkeit gegenüber den Figuren. Selbst mit einem bedingungslosen Willen, sich unterhalten zu fühlen, ist dem nur schwerlich beizukommen."
Hier es zu keiner wirklichen Durchdringung von privater und politischer Ebene, kritisiert Hans Messias. "Das liegt auch daran, dass in einem Ensemble-Film eine melodramatische Engführung kaum möglich ist; eine Vielzahl von Personen, die professionelle Fröhlichkeit verbreiten müssen, birgt stets die Tendenz in sich, die Handlungsfäden aus dem gesellschaftlichen Kontext zu lösen; während die einen ihre Spuren im Dunkeln ziehen, lassen sich die anderen trotz vieler Rückschläge im Scheinwerferlicht feiern. Vielleicht nur kleine Bedenken bei einem Film, der beste Chancen auf eine ganze Reihe "Césars" hat, den französischen Filmpreisen."
Dem Zuschauer werden zwei Stunden Oberflächlichkeit serviert, kritisiert Beatrice Behn. "Keiner der Charaktere und Handlungsstränge vermag es so recht, Empathie oder wirkliches Interesse auszulösen. Alle bleiben skizzen- und klischeehaft gezeichnet, Überraschungsmomente entstehen leider nur durch die Unverständlichkeit der in ihrer Motivation nicht nachvollziehbaren Handlungen der Personen. Oder eben dem persönlichen Grad der Verwirrung des Zuschauers auf der Suche nach dem nur schwer auffindbaren roten Faden der Geschichte. Da hilft es auch wenig, dass Christophe Barratier den gesamten Film unter dem Denkmäntelchen des "poetischen Realismus" mit einem süß-kitschigen Zuckerguss aus Chansons und Pariser Romantik begießt."
Eine Liebeserklärung an ein Paris der Fantasie sah Margret Köhler, "bei dem politische und gesellschaftliche Wirklichkeit nur als folkloristische Folie dienen, ist ein alles verzaubernder Tanz, eine gelungene Paarung aus wunderschönem Kitsch und herzerwärmendem Klischee, überzogen mit großen Emotionen. Historisch wichtige Fakten werden "en passant" gestreift, es geht vor allem um ein emotionsreiches Sittengemälde mit Werten wie Solidarität und sozialer Gerechtigkeit, um den kleinen und respektablen Mann von der Straße, der auch nach härtesten Schicksalsschlägen mit neuer Kraft für seine Würde kämpft."
Matthias Dell erkennt ein bewährtes Rezept. "PARIS, PARIS (
) ist eine gekonnte Schmonzette, die den Zuschauer auch deshalb nicht fordert, weil Barratier so viel Herz auf den rechten Fleck setzt, dass er seine Protagonisten unmöglich um ihren Einsatz bringen kann. Den finalen Erfolg des Chansonia besorgen die Lieder von Max, die in Münchhausen'scher Selbsterrettung die Sorgen und Wünschen der Akteure und Zuschauer als beschwingte Wunschbilder reproduzieren. Puppenstubenhaft rieselt der Schnee, und die Dachkammern sind so pittoresk, wie kein Amerikaner sie sich besser erträumen könnte."
Wer nostalgisches Kino mag, ist hier richtig, meint Norbert Raffelsiefen. "Anfangs etwas überzuckert, liefert sein Film mit fortlaufender Dauer ein zunehmend überzeugendes Plädoyer für "unmoderne" Werte wie Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Das mag zwar teilweise als linke Folklore daherkommen, ist aber in seinem Selbstverständnis durchaus ernst gemeint. Für einen ironischen Blick auf die Zeit ist Barratier ohnehin der falsche Mann, auch wenn diesmal der Humor nicht zu kurz kommt."
Thomas Engel kann dem Ganzen dann doch einiges angewinnen. "Eine zwingende dramaturgische Logik besteht nicht. Immerhin sind aber die Einzelbestandteile zu einem lebhaften Potpourri zusammengefügt, das doch eine gute Regieleistung bezeugt, sehr unterhaltsam geworden ist und eine die Epoche widerspiegelnde Ausstattung aufweist, die weit über dem Durchschnitt liegt."