| Regie | Joseph Vilsmaier |
| Kinostart | 16.10.2008 |
Gibt es einen Heimatfilm ohne Klischees, fragt sich Julian Hanich. "Manchmal meint man, einen Hauch von Ironie zu spüren. Doch er verweht schnell in Vilsmaiers Postkarten-Kino mit zurechtdrapierten Requisiten-Stillleben. Dabei ist die Besetzung eigentlich ein Coup: der Dramatiker Franz Xaver Kroetz als Brandner Kaspar und Bully Herbig als Tod. Dazu Jörg Hube als Petrus, Detlev Buck als Preußenimport und Herbert Knaup als Erzengel Michael. Doch ach, allein die Gesichtsgymnastik von Bully Herbig macht einen vor Fremdscham ganz verlegen."
Sylvie-Sophie Schindler spricht mit Schauspieler und Regisseur Franz Xaver Kroetz.
Deftig geht es DIE GESCHICHTE VOM BRANDNER KASPAR zu, meint Margret Köhler. "Unschlagbar als Darsteller die wuchtigen Berg-Panoramen in den Dolomiten und der Benediktinenwand im Voralpenland, vor deren majestätischer Kulisse die Handlung abläuft. Im bewussten Gegensatz dazu die im Studio gedrehten Szenen im Himmel der Bayern von reizender Einfachheit und dazu passenden Spezialeffekten, populäres Volkstheater auf der Leinwand aus einer Mischung von Traditionsbewusstsein, Chuzpe und Modernität."
Mögen sich die Preußen quälen, in Bayern wird in fester Heilsgewissheit mit dem und über den Tod gelacht, glaubt Michael Kohler. "Für den größten Gesprächsstoff dürfte Michael "Bully" Herbigs Interpretation des Schnitters sorgen. Er macht das gar nicht schlecht, greint und katzbuckelt, dass es eine Freude ist, wirkt neben einem bayerischen Urgestein wie Franz Xaver Kroetz aber auch ein wenig deplatziert. Gleiches gilt für Detlev Buck, doch der spielt wenigstens einen Preußen."
Durch und durch bayerisch ist der Film laut Michael Meyns. "Mit Herbert Knaup als grantiger Erzengel Michael verbirgt sich auch hier ein großer Schauspieler unter der Maske. Während auf Erden Detlev Buck als Gast aus Preußen unverkennbar ist, wird Michael Herbig als Boanlkaspar unter einer bleichen Maske versteckt und ist kaum wiederzuerkennen. Er ist die größte Überraschung des Films, verleiht seiner Figur eine verschlagene, aber auch verletzliche Aura, die diesen Sensemann zu einer geradezu sympathischen Figur macht."
Ein "Zuckerl" für Liebhaber ist DIE GESCHICHTE VOM BRANDNER KASPAR, lobt Thomas Engel. "Man kann das Urteil über diesen Film sehr leicht zum Ausdruck bringen: bayerische Folklore ziemlich perfekt gemacht. Ein typischer Vilsmaier-Film. Neben den herrlichen Schauplätzen und dem vielbewährten Drama hatte der Regisseur eine Schauspielergarde zur Verfügung, die sich sehen lassen kann."
Das komische Fach ist nicht Sache des Regisseurs, befindet Sonja M. Schultz. "Die Witze bleiben bieder, das Tempo gemächlich, und einige Szenen, wie die gescheiterte Abholung des Brandners (Franz-Xaver Kroetz) durch den Boanlkramer (Bully Herbig), wirken wie auf knarzenden Bühnenbrettern inszeniert, so gemächlich schreiten sie voran. ... DIE GESCHICHTE VOM BRANDNER KASPAR bleibt eine allzu kreuzbrave Schrulle, bei der nie klar wird, auf welche Zielgruppe sie ausgerichtet ist. Auf Bully-Schenkelklopfer wartet man vergeblich, und auch der Mundart-Appeal erschöpft sich sehr schnell."