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ANONYMA

ANONYMA

Regie Max Färberböck
Kinostart 23.10.2008

Kritiken • ANONYMA

25. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • telepolis.de

Hier bleibt alles irgendwie falsch, stellt Rüdiger Suchsland fest. "Das Ergebnis ist ein Mainstream-Prestigeprojekt, ist cleanes deutsches Hochglanz-Schicksalskino, wie wir es - fast hätten wir gesagt: "bis zum Erbrechen" - kennen; saubere, hervorragende deutsche Schauspielerinnen bis in die Nebenrollen, mit schwarzer Schmutzschminke im Gesicht und sichtbar kratzigem Tuch auf der weißen Haut, als müssten sie ein Hauptmann-Stück aufführen, und dann zwischen fein säuberlich arrangierte Trümmerkulissen gestellt."

24. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Neues Deutschland

Vollständig überflüssig, sogar ärgerlich findet Gunnar Decker den Film. "Denn hier wird das, was doch höchst individuelles Protokoll sein sollte, auf Hochglanz poliert. Vergessene Schicksale im Breitwandformat und von der üblichen Spielfilmdramaturgie verschluckt – und so gleich noch einmal missachtet. Man gerät eben unweigerlich in ein missliche Lage, wenn man vorgibt, dokumentarisch zu sein (schwierig bei dieser Vorlage!) und gleichzeitig großes Kino machen zu wollen. Die hier versammelten Frauen eines Berliner Hauses wirken wie aus einer Vorabendserie."

24. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Die Zeit

Laut Evelyn Finger ist ANONYMA "in einer langen Reihe aktueller Geschichtsdramen über deutsche Weltkriegsopfer der erste, der nicht scheinheilig behauptet, ein politisch verordnetes Schweigen brechen zu wollen, sondern möglichst unideologisch zeigt, was war und warum daraus ein privater Schweigepakt entstand – zwischen deutschen Männern, die nicht fragten: Was ist dir passiert?, und deutschen Frauen, die nicht fragten: Was hast du im Krieg getan? ... Vielleicht lässt sich angesichts des Films nun das Eigentliche diskutieren: Wie schroff die vergewaltigten Frauen von der Nachkriegsgesellschaft behandelt wurden."

23. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Der Freitag

Die Übersetzung von der Tagebuchperspektive in eine Filmhandlung ist laut Matthias Dell eines der Probleme des Film. "Färberböck traut sich nicht recht, die Liebesgeschichte zwischen der deutschen Frau und dem sowjetischen Major zu erzählen. Und er scheut es, den Albtraum der Vergewaltigungen zu zeigen, was einer Verharmlosung gleich kommt: Das, was Qualität und Erfolg des Buchs ausgemacht hat, die Hölle der Erfahrung, bleibt im Film im kunstgewerblichen Rahmen, aus dem nichts fallen darf, was 20.15 Uhr in der ARD jemanden verstören könnte."

23. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • artechock.de

"Angesichts der Dimension des Themas begibt sich Max Färberböck auf eine schwierige Gradwanderung zwischen historischer Aufarbeitung und Unterhaltung. Schließlich soll der Film ja ein großes Publikum ins Kino locken. Der Ton ist pathetischer und dramatischer als der lakonische Ton Buches, der durch die Erzählstimme ab und an noch durchscheint. Auch die Liebesgeschichte zwischen dem russischen Major und der Anonyma kommt so im Buch nicht vor, aber sie macht die recht spröde Geschichte etwas melodramatischer und kinotauglicher. Doch kann man Max Färberböck nicht vorwerfen, dass er die historischen Hintergründe missachtet und undifferenziert das Leiden der Deutschen darstellt."

22. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Berliner Zeitung

Der Film setzt den Stoff drastisch um und bleibt dabei erstaunlich differenziert, lobt Harald Jähner. "So sehr man sich beim Zuschauen vor den Soldaten fürchtet, ihre Attacken hasst, so sehr ihr Chauvinismus anwidert, so deutlich bleibt doch in jeder Sekunde, welcher Krieg hinter ihnen liegt. Sie toben sich aus in der Hauptstadt des Aggressors, beileibe nicht alle. Man teilt sogar ihre Freude bei der Feier der deutschen Kapitulation, bangend zugleich vor den Folgen des Alkohols."

22. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Die Tageszeitung

Reneé Zucker findet es schade, dass aus einem ungewöhnlichen Buch ein mittelmäßiger Film geworden ist. "Man glaubt, jede Kulisse und jede Figur schon in zehn Filmen zuvor gesehen zu haben: die gleiche Straße, derselbe Bunker, die Kittelschürzen, die Frisuren, die Antiquitäten, ja, selbst die russischen Soldaten kommen einem bekannt vor, und dazwischen, fast wie eine Modeikone, Nina Hoss, von der man inzwischen gar nicht mehr weiß, ob sie eigentlich eine gute Schauspielerin ist, weil sie ständig dasselbe machen muss. Schön aussehen, sparsam reden und vor allem gucken."

22. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Der Tagesspiegel

Laut Christiane Peitz vermittelt der Film eine Ahnung von der Verwüstung der Seelen. "Zwar sind ihre großen blauen Augen entschieden zu oft zu sehen, auch der hochdramatische Soundtrack von Zbigniew Preisner ist wohl ein Zugeständnis der Constantin-Produktion ans erhoffte große Publikum. Aber anders als beim ebenfalls aus dem Hause Constantin stammenden BAADER MEINHOF KOMPLEX folgt aus der Mainstreamisierung keine Geschichtsklitterung. Das Krude der Bilder, das im Trümmerstaub diffuse Kulissenhafte der mit Mobiliar und Kriegsgerät vermüllten Ruinenstadt – diese Unzulänglichkeiten sind wahrer als jede behauptete Authentizität."

22. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte ist enttäuscht: Hier wird nur verdeckt, verschleiert, ja verschämt ästhetisiert. "Was die Schreie der vergewaltigten Frauen betrifft, ist davon auch nicht viel zu hören. Hier glättet die Filmmusik eines weiteren, ansonsten untadeligen, Meisters voreilig alle Wunden: Zbigniew Preisner. Vielleicht träumten Max Färberböck und Produzent Günter Rohrbach von einem Film, der es wenigstens akustisch mit Roman Polanskis Meisterwerk DER PIANIST aufnehmen könnte; vielleicht wollten sie auch nur etwas, das so ähnlich klingt."

22. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • Der Spiegel

Das Ergebnis der Literaturverfilmung ist für Joachim Kronsbein enttäuscht. "Färberböck will seinen Figuren offenbar nicht zu nahe treten. Den Russen nicht und den deutschen Frauen auch nicht. Scham? Political Correctness? Oder die Unfähigkeit, sich moralisch zu positionieren? So entsteht ein quälend betulicher Film ohne Dramatik, ohne Kraft und Wucht. Was bei diesem Thema eine bemerkenswerte Regieleistung ist. Die Kulissen wirken künstlich, die Musik bemüht emotional. Der Film ist durch und durch von Pappe."

10. Oktober 2008 | ANONYMA • Kritik • kino-zeit.de

Joachim Kurz stören "die immergleichen Bilder von endlosen Trümmerwüsten, die man aus Dutzenden deutscher Filme der letzten Jahre kennt und die sich stets zu gleichen scheinen, sorgen allerdings trotz der guten Absicht für einen gewissen Ermüdungseffekt, der der aufklärerischen und wichtigen Absicht des Films entgegensteht: Die geradezu manische Beschäftigung des deutschen Films mit der eigenen Vergangenheit, vor allem aus der Zeit des Dritten Reiches, wirkt trotz allen Engagements seltsam formelhaft und stupide. Und das ist angesichts des Themas dann doch ein klares Manko dieses Films, der ein enorm wichtiges Thema behandelt. Vielleicht ist nun der Weg endlich frei für eine gründliche Aufarbeitung des Tabus. Es wäre an der Zeit."

20. September 2008 | ANONYMA • Kritik • programmkino.de

Laut Marcus Wessel vermeiden es die Filmemacher wohlweißlich, eine schematische Opfergeschichte zu erzählen. "Unterstützt von einem durchweg erstklassigen Ensemble – darunter die Fassbinder-Actrice Irm Herrmann, die junge Sandra Hüller und der russische Kinostar Evgeny Sidikhin – fungiert eine abermals souverän aufspielende Nina Hoss als ambivalenter Fixpunkt. Der Film weicht unbequemen Fragen keineswegs aus. So muss sich die gelernte Journalistin auch ihrer eigenen Verantwortung stellen."

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