| Regie | Adam McKay |
| Kinostart | 11.09.2008 |
Radikal infantil, radikal pubertär, radikal versaut ist der Film für Ekkehard Knörer. "Im Verzicht auf Verantwortung liegt ihre Glückseligkeit. Das kann nicht gutgehen. Der Film sieht das ein und bahnt seinen Helden dann doch einen gangbaren Weg ins richtige Leben. Sie machen dazu gute Miene und sogar Musik. Erstaunliche Musik. Toller Film."
Der Hund ist bissiger als die Komödie, schreibt Daniel Kothenschulte. "Ferrell und Reilly sind hinreißende Komiker, was man immer dann bemerkt, wenn sie in seriösen Filmen auftreten. Das kann man über STIEFBRÜDER nicht behaupten, und so tölpeln sie enthemmt durch die Klamotte nach einem mit Fäkalwitzen gespickten Drehbuch. ... Die modernen amerikanischen Slapstickkomödien lassen nie vergessen, dass ihr Zielpublikum Teenager und College-Studenten sind, die sich gerade der Fesseln des Elternhauses entledigen, aber die nächsten schon in den Händen halten. So sind die Ausbruchsutopien, die diese Filme anbieten, eindeutig begrenzt."
Thomas Klein unterhält sich mit den komischen Enddreißigern Will Ferrell und John C. Reilly.
Ferrell und Reilly bilden einmal mehr ein geniales Tandem, findet Marcus Wessel. "Zwischen den beiden ergibt sich eine Vielzahl schwachsinniger Momente, die mit der gängigen Definition von gutem Geschmack garantiert nicht kompatibel sind. ... Es ist schon erstaunlich, wie konsequent und schmerzfrei der Film diese abstruse Idee bis zum Finale durchzieht. Als Brennan dann doch sein Lampenfieber überwindet und mit der Darbietung von Andrea Bocellis "Con te Partirò" die Herzen seiner Zuhörer erweicht, offenbart McKays Film sogar satirische Qualitäten. Plötzlich erscheinen die STIEFBRÜDER mit ihrer gnadenlos überzogenen Happy-End-Kulisse wie das sehnsüchtig erwartete Korrektiv auf Hollywoods biedere Unterhaltungsmaschinerie."
Ständig hat Sascha Koebner "das Gefühl, dass die Macher des Films selbst schnell merkten, dass keine ihrer Ideen wirklich funktioniert. Und so reiht sich Szene an Szene, stets auf der Suche nach einem winzigen Gag, was leider viel zu oft erfolglos bleibt. Humor kann sich doch nicht darin erschöpfen, erwachsene Männer zu zeigen, die sich wie renitente Pubertierende benehmen – aber leider erschöpft sich der Film in dieser Idee. Ob beim möglichen Arbeitgeber oder in der Sitzung mit einer schönen Therapeutin: stets lässt sich erahnen, welche Richtung die Gespräche und Aktionen nehmen werden."
Lukas Foerster lobt den hervorragende Ensemble-Cast. "DIE STIEFBRÜDER nimmt durchgehend – manchmal auch explizit – Partei für gelebte Infantilität, bedingungslose Anarchie und kreativen Hedonismus sowie gegen gesellschaftliche Ordnungsprinzipien, geradlinige Lebensläufe und Kontrollwahn. Das beste Argument für eine solche Haltung ist der Film selbst. Solange man mit einem 98 Minuten langen kreativen Amoklauf, der konsequent alle Regeln des vermeintlich guten Geschmacks wie des klassischen Erzählkinos verletzt und selbst naheliegende Vergleichsobjekte wie die Monty-Pyton-Filme im Vergleich behäbig aussehen lässt, Erfolg haben kann – der Streifen spielte allein in den USA an die 100 Millionen Dollar ein –, besteht Hoffnung für alle Brennans und Dales dieser Welt."