| Regie | Shari Springer Berman |
| Robert Pulcini | |
| Kinostart | 14.08.2008 |
Anke Westphal fühlte sich wie im Puppenheim. "Wenn man es gründlich bedenkt, ist NANNY DIARIES ein einzige soziale Stillhalteaufforderung: Mach einen unterbezahlten Job, maul nicht und stör uns nicht, aber falls du wider Erwarten doch Erfolg haben solltest, dann unterhalte uns wenigstens damit. ... Warum aber soll man dann diesen lauen, verlogen versöhnlerischen Film sehen? Darauf sind verschiedene Antworten möglich: Zum einen natürlich wegen der wunderbaren Laura Linney. Zum anderen wegen der Außerordentlichkeit von Scarlett Johansson: Hier darf sie beweisen, dass sie zu jener seltenen Spezies von Schauspielern gehört, die auch so profane Kleidungsstücke wie Jeansbermudas oder Strickwesten zu nobilitieren im Stande sind."
Einen fahlen Nachgeschmack hinterlässt der Film bei Rochus Wolff. "Unter all den verschiedenen Weiblichkeitsmodellen, die der Film zum Teil im wörtlichen Sinne mit Plastikfiguren in den Schaukästen eines Naturkundemuseums ausstellt, präsentiert er zuletzt in den rosigsten Farben eines, in dessen Zentrum die Kindererziehung zu stehen scheint. Dass Kinder hier bei weitgehend abwesenden Männern ganz in den Tätigkeitsbereich der Frauen fallen, ist politisch schon sehr rückwärtsgewandt und den starken Frauenfiguren des Films auch nicht angemessen."
Laut Ronja Dittrich kann Scarlett Johansson hier erneut ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. "Der Trumpf des Films ist jedoch Laura Linney in der Rolle der ehrgeizigen Upper-Class-Mum. Sonst eher für bodenständigere Charaktere bekannt, spielt sie hier die eiskalte und gleichzeitig mitleidserregende Berufs-Ehefrau. Der Film startet auf hohem Niveau, satirisch und mit märchenhaften Elementen im Stil von Mary Poppins, Kindermädchen der ersten Stunde. Und dann passiert etwas, was angesichts aller Beteiligten tragisch ist: Der Film wird gewöhnlich, verliert sich in Nebenhandlungen."
Das Regie-Team inszeneier mit großem Tempo und viel Witz, meint Esther Buss. "So richtig will sich „Nanny Diaries“ für die scharfsinnige Satire dann aber doch nicht entscheiden. Eine schlaff inszenierte Romanze mit einem Nachbarn muss her, dazu noch ein ernsthafter Konflikt mit der Mutter, die Annie bei einem ambitionierten Finanzjob vermutet. Der zunächst unausstehliche Grayer verwandelt sich mit der Zeit in ein ganz gewöhnliches süßes Kind, und auch die wunderbar ätzende Mrs. X bekommt nach und nach menschliche Züge."
Überraschend amüsant findet Pia Horlacher die Komödie. "Dafür, dass die Lachobjekte nicht zu billig bleiben, sorgt die grossartige Laura Linney als Mrs X, Gegenspielerin und repräsentative, wenn auch nicht richtige Hauptfeindin aller Nannys. Die Sinnlosigkeit ihrer Schmarotzer-Existenz zwischen Konsum und Depression legt sie als gestählte Luxus-Mom schauspielerisch präzise und für eine Komödie geradezu schmerzhaft an – in jener schillernden Grauzone, wo sich die Konturen von (Mit-)Täterin und Opfer verwischen."
Unterhaltsam und solide umgesetzt, nennt Thomas Volkmann den Film. "Auf der Handlungsebene bleiben die NANNY DIARIES simpel gestrickt, werden ein paar vorhersehbare Konflikte wie unzufriedene Ehe, potenzieller Freund für Annie, die Angst, der eigenen Mutter vom neuen Job zu erzählen und die Skrupel, trotz der Demütigungen und Erniedrigungen als Kindermädchen letztlich doch für das unschuldige Kind da zu sein, aufgeführt. All diese Dinge sind vorhersehbar und letztlich ebenso nur Klischee wie die Scheinwelt der überbeschäftigten und schnippischen Eltern."
Die NANNY DIARIES sind ein netter Unterhaltungsfilm mit leichtem Tiefgang geworden, schreibt Thomas Engel. "Aus einer literarischen Vorlage wurde ein respektables Drehbuch geschaffen, und die verpflichteten renommierten Darsteller sorgten dafür, dass es gut umgesetzt wurde. Dem Anthropologie-Aspekt des Ganzen sind einige besonders nette Museumsszenen zu verdanken, wie es denn überhaupt dem Film neben der routinierten Regie und passenden Dialogen an Phantasie keineswegs fehlt."