| Regie | Haile Gerima |
| Kinostart | 05.05.2011 |
Michael Kienzl stellt fest: ""Talk to me easy, T.C., coz I wanna unterstand." Zweifellos ist dieser Satz programmatisch für Gerimas Kino, das durch die Verweigerung gegenüber einer klassischen Dramaturgie zwar zeitweise nicht leicht zugänglich ist, dessen politische Botschaft aber immer unmissverständlich klar wird. In Morgentau macht sich dieser Vorsatz vor allem durch den – mitunter durchaus notwendigen – Voice-over von Anberber bemerkbar. An einigen Stellen wird dabei in Worte gepackt, was sich auch so schon unmissverständlich aus den Bildern ergeben hat."
Oliver Heilwagen stellt fest: "Manche Kritiker werfen dem Regisseur vor, er überfrachte seine Filme. Doch an westlichen Kino-Standards sollte man MORGENTAU (
) nicht messen. Sein ambitioniertes Vorhaben, Äthiopiens Geschichte von der italienischen Besatzung bis zur Gegenwart mit der Sinnsuche seines Helden zu verknüpfen, setzt Gerima überzeugend um: Nie plakativ, eher fragmentarisch und widersprüchlich wie die Identität von Anberber."
Ciprian David ist angetan. "Mit einer unruhigen Kamera, mit vielen Zooms und vertikalen Schwenks lässt Haile Gerima dieses filmische Essay über die Wirklichkeit seines Landes aufnehmen, oft auf Orientierung verzichtend um in die mystisch-drohende Stimmung einzutauchen, um Landschaften, die malerisch sein könnten, genauso zu politisieren, zu historisieren, wie er es mit der Arbeit, der Erziehung und der Liebe seiner Figuren bis kurz vor dem erstaunlich optimistischen Ende des Films macht."
Andreas Busche ist von dem Regisseur beeindruckt. "Gerima begreift das Trauma seines Landes jedoch als kulturelle Disposition. Der Titel seines letzten Films, Sankofa, bedeutet in der Sprache der Akan so viel wie "in die Vergangenheit zurückkehren, um fortzuschreiten". Auch Morgentau (
) folgt dieser Erzählbewegung. Um seinen gegenwärtigen Schmerz zu verstehen, zieht Anberber die Vergangenheit zu Rate."
Silvia Hallensleben findet den Film weniger gelungen als das vorangegangene Werk. "Leider verliert sich die anfängliche Bildgewalt und atmosphärische Dichte in fast zweieinhalb Stunden vor allem an brave Didaktik. Auch das Mengistu-Regime wird arg holzschnittartig dargestellt. 1993 hatte Haile Gerima mit dem ghanaischen Sklaverei-Drama Sankofa seinen größten Erfolg. In Morgentau (
) versucht er, die Traumata individueller Entwurzelung mit der Geschichte Äthiopiens seit dem Krieg gegen das faschistische Italien zu verkoppeln – womit er sich erzählerisch sichtbar überfordert."
Wilfried Hippen ist größtenteils zufrieden. "So ist der Film, der bei der Vielfalt seiner Themen und Stimmungen leicht hätte überladen wirken können, statt dessen einfach zu verstehen und oft erstaunlich spannend. Es gibt zwar ein paar irritierende melodramatische Zuspitzungen (so machen direkt im Anschluss an den Fall der Mauer schon deutsche Rassisten Jagd auf die Afrikaner), aber davon abgesehen ist Haile Gerima hier ein zugleich intimes und episches Drama gelungen."
Alexandra Seitz fühlte sich trotz der Erzählmenge nicht überfordert. "Der Fülle seines Stoffes, den zahlreichen Figuren und Handlungsorten zum Trotz macht Morgentau (
) nie den Eindruck, zu viel zu wollen. Mit sicherer Hand entwirft Gerima sein historisches Panorama, das zugleich von den vielfältigen Herausforderungen berichtet, die sich demjenigen stellen, der die Heimat verlässt, um ihr langfristig nützen zu können."
Esther Buss zeigt sich enttäuscht. "Morgentau (
) ist Geschichtsaufarbeitung, Geschichtsabarbeitung – ein Film, der von der ersten bis zur letzten Szene das ganze Gewicht der äthiopischen Historie mit sich herumschleppt. In diesem erdrückenden Setting wirken die Figuren schematisch, modellhaft: Sie stehen für eine politische Haltung, einen moralischen Konflikt, aber über ihre Funktionen hinaus entwickeln sie kein Eigenleben, keinen Raum, um sich zu bewegen."
Christoph Huber hat Zweifel: "Die Szenen und Schauspielerführung in Deutschland sind nicht immer überzeugend, fügen sich aber einigermaßen in Gerimas unverwechselbaren, drängenden wie didaktischen Mosaikstil. Obwohl das Resultat in solchen Defekten und seiner oft erstaunlichen Illusionslosigkeit viel von einem widerständigen Werk im Schatten erzählt, bekennt sich Gerima zuletzt doch zur Hoffnung".
Rüdiger Suchsland sagt es unumwunden: Dies ist "bestenfalls naiv erzählte Fabel über die äthiopische Geschichte aus Sicht der Opposition. Moralisch ehrenwert, filmisch belanglos - käme TEZA aus Deutschland oder Italien, spräche man von naivem Bauerntheater. Aber aus einem filmisch unbeschriebenen Land wie Äthiopien kommend, mit Seitenblicken auf Italiens Gasangriffe und andere Verbrechen unter Mussolini, gewinnt der Film an momentaner politischer Bedeutung. So sehen Jurykompromisse aus."
Anke Leweke ist enttäuscht: "In diesem Film geht es um linken Idealismus in Deutschland und um die Militär-Juntas in Schwarzafrika. Man spürt dieser Geschichte, dass sie aus dem tiefsten Herzen ihres Regisseur kommt. Doch lässt Gerima sich und seinem Helden nicht die Zeit, auch nur eine eine Situation tatsächlich zu erleben. Gefühle und Stimmungen werden nur durch dessen Off-Stimme vermittelt, als verzweifelter Versuch, diesen Film irgendwie zusammenzuhalten."
Christina Tillmann glaubt nicht, dass dieser Film Erfolg haben wird. "TEZA von Haile Gerima zeigt alle Katastrophen, die Äthiopien, das Heimatland des Regisseurs, in den letzten Jahrzehnten heimgesucht haben, vom Italienkrieg bis zum marxistischen Regime des Haile Mariam Mengistu. ... Jedes Thema wäre einen Film wert gewesen, aus einer Region, aus der sonst kein leidenschaftliches, bildmächtiges Kino wie dieses kommt – doch alles Elend der Welt ist einfach zu viel."
Der reichlich didaktische Film vermag trotz guten Momenten Susanne Ostwald nicht zu überzeugen.
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