| Regie | Leander Haußmann |
| Kinostart | 28.08.2008 |
Oberflächlich albern nennt Alexandra Seitz den Film. "Es ist also jede Menge los. Und in den einzelnen Details ist das durchaus auch immer mal wieder ganz lustig. Auf die Dauer jedoch wirken die ständigen raschen Wechsel von Tonlage, Genre und Tempo nicht nur beliebig, sondern ermüdend und irritierend. ... Haußmann schert sich weder um die Entwicklung ernstzunehmender Charakter, noch um eine schlüssige Dramaturgie, und schon gar nicht schert er sich um einen einzigen tiefergehenden Gedanken."
Klaus Irler entdeckt trotz allem Positives: "Es ist ein Konglomerat an völlig überdrehten Liebesgeschichtchen, das peinlich würde, wäre da nicht diese Leander-Haußmann-Wundertüte aus vielen kleinen inszenatorischen Kniffen. Von dem Film DIE REIFEPRÜFUNG klaut Haußmann nicht nur die Grundidee, er kleidet seinen Helden auch in sehr coolen 60er-Jahre-Klamotten und lässt ihn in einer - dramaturgisch völlig überflüssigen - Szene auf James Garfunkel treffen, den Sohn von Art Garfunkel. ... Nicht wahnsinnig nett, aber doch recht nett ist auch der Film. Nicht wegen der Geschichte. Aber wegen ihrer Umsetzung."
Auf der Oberfläche funkelt der Film, stellt Michael Kohler fest. Aber man "wird nicht satt in diesem Film. Es dürfte gerne von allem mehr sein: Mehr von der herrlich verschrobenen Musik von Element of Crime, mehr von Vladimir Vissotski, dem, wie dem Publikum mehrfach versichert wird, russischen Bob Dylan, mehr Innenansichten aus der angenehm korrupten Computerspiel-Industrie, mehr Hamburger Lokal- und Hafenkolorit, mehr Fritteur-Lektionen und vor allem mehr romantische Zufälle und Missverständnisse, wie sie einem auch gerne mal im eigenen Leben begegnen dürften."
Der Geist der sechziger Jahre schwebt von Anfang an über diesem Film, stellt Christian Schröder fest. "Es ist eine Screwball-Komödie zum Thema Patchwork-Familie. Traditionelle Bindungen werden gekappt, die auftretenden Personen sind allesamt dabei, sich neu zu konfigurieren. ... Haußmanns Humor entgleitet gerne ins ohnsorgtheaterhafte Gekalauere, seine Stärke ist – wie schon in SONNENALLEE, seinem immer noch bestem Film – das Kabarett am Küchentisch."
Andreas Kurtz berichtet von der Premiere in Berlin.
Bei dieser Chaostruppe dominieren nicht unbedingt sensible Figurenzeichnung oder subtiler Witz, stellt Margret Köhler fest. "Der deutsche Humorarbeiter Haußmann zieht die einfache Form von Komik vor und den Grobianismus im Lachen. Das muss nicht unbedingt gefallen und langweilt streckenweise, aber manchmal nötigt die Anreihung wirklich amüsanter Sketche und verrückter Slapsticks doch zum Schmunzeln. Auch wenn der Running-Gag und das ständige Spiel damit, dass Robert Zimmermann der Geburtsname von Bob Dylan ist, und der Jungmann "Blowing in the Wind" nicht mehr hören kann, irgendwann verpufft."
Das Wunder der Liebe bleibt für Julia Teichmann aus. "Möglichst entgegengesetzte Klischees werden, auch mit Hilfe einer überfrachtenden Ausstattung verdichtet, um dann jeweils aufeinander zu treffen ... Simple Bausteine, die Fallhöhe liefern und damit Komik verheißen – doch in ihrer Überzeichnung bleiben die Milieus seltsam blutleer. In dem Konstrukt von Klischee und Überzeichnung sind die guten Schauspieler (Tom Schilling und Maruschka Detmers als seine Angebetete) gezwungen, wie Marionetten zu agieren, zwischen den Darstellern entwickelt sich keine Chemie."
Laut Ulrich Ziemons findet der Film streckenweise zum verschmitzten Erzählstil und Erfindungsreichtum zurück, der die DDR-Jugenderinnerungen des Regisseurs so amüsant machte. Aber viele Erklärungen sind "unnötig und hemmen zudem den Fluss der ansonsten sehr charmanten und verspielten Liebesgeschichte, die auch ohne allzusehr ausbuchstabierte Erklärungen funktionieren könnte. Haußmanns Darsteller und sein Gefühl für Situationskomik und Wortwitz geben ausreichend Anlass zum Schmunzeln, auch wenn man nicht weiß, wer "Scarborough Fair" geschrieben hat oder der Woodstock-Soundtrack in der MP3-Sammlung fehlt."
Thomas Engel sah einen vorwiegend reizvollen Unterhaltungsfilm um ein ungewöhnliches Liebespaar. "Die reizende Hauptliebesgeschichte wird umrankt vom Treiben dieser zum Teil absonderlichen Figuren, und dabei sind ebenso köstliche wie absurde Situationen entstanden. Leander Haußmann und Detlev Buck (Ko-Produzent) wissen, wie man an ein vorwiegend junges Publikum herankommt. Entsprechend rasant, krachend, bunt, durcheinandergewirbelt-verrückt und phantasievoll – beispielsweise die Musical- und Tanzszene – sind Machart und Filmstil. Dem Ganzen fehlt eine gewisse Originalität keineswegs."
Michael Meyns bescheinigt dem Regisseur Mut zum Pathos. "Hier wird die große Kraft der Liebe beschworen, die in SONNENALLEE die Mauer zum Einsturz gebracht hat und hier den Altersunterschied zwischen Robert und Monika überwindet. An Subtilität hatte Haußmann noch nie Interesse, er erzählt in großen Emotionen, mit breitem Pinselstrich, ohne Zwischentöne. Die Figuren sind klar gezeichnet, die Farben grell, die Musik ... plakativ. Man muss sie nicht mögen, aber Leander Haußmanns Filme sind auf ihre Art im deutschen Kino ziemlich einzigartig."