| Regie | Steve McQueen |
| Kinostart | 13.08.2009 |
Daniel Kothenschulte ist begeistert: Der Regisseur überträgt "die Sinnlichkeit seiner hautnahen dokumentarischen Beobachtungen in eine rudimentäre, aber wunderbar gewichtete Spielfilmdramaturgie. Eine einzige ausgespielte Dialogszene in der Filmmitte reicht, um den gesamten Konflikt zu benennen, alles andere macht die meisterhafte Gewichtung einer visuellen Inszenierung, die an Carl Theodor Dreyer erinnert."
Einstellungen, so karg wie die Kerker, hat Lars-Olav Beier ausgemacht. "Mit ihrem eigenen Kot bemalen [die IRA-Gefangenen] die Wände und schaffen auf diese Weise so körperliche wie abstrakte Werke. Wenn ein Wärter diese Bilder mit einem Schlauch entfernt, wirkt dies wie eine überfällige hygienische Maßnahme und wie ein rüder Akt von Kunstschändung. In diesem Zwiespalt zu den IRA-Kämpfern hält McQueen die Zuschauer bis zum Ende seines Films."
Für Nana A.T. Rebhan erreicht der Regisseur "sein hohes Ziel. Ihm gelingt es, durch seine Bilder und die Tonebene dem Zuschauer den brutalen Alltag im Gewöhnlichen und Außergewöhnlichen des H-Trakts näher zu bringen. Am Ende des Films steht Bobbys Tod. HUNGER ist eine mutige, kompromisslose Annäherung an das, was geschehen ist. Steve McQueen kümmert sich bei seiner Umsetzung in erster Linie nicht um filmische Konventionen, sonst würde er etwa nicht Handlungen in Echtzeit ohne Schnitt zeigen. Das Ergebnis seiner filmischen Untersuchung ist packend und beunruhigend."
McQueens Kunstwollen tritt nicht hinter die Erzählung zurück, meint Cristina Nord. "Im Gegenteil, er tilgt fast allen Plot, fast alle Psychologie und auch die historisch-politischen Eckdaten. Die ideologischen Positionen treten so in den Hintergrund zugunsten eines scharfen, hyperrealistischen Blicks auf das, was die Wärter und die Häftlinge im nordirischen Maze Prison miteinander tun. McQueen schaut frappierend genau auf die Körper und darauf, wie sie reagieren, wenn sie zuschlagen oder wenn sie geschlagen werden."
Laut Jan Schulz-Ojala sagen die Helden, "allen voran die fantastische Hatice Aslan, einander fast alles durch Blicke, Gesten, Bewegungen. Bis zum Happy End, wie es im derzeitigen Autorenkino wohl kaum jemandem so donnernd wie Nuri Bilge Ceylan gelingt: Schmerz und Schuld sind unermesslich, aber wenigstens gerecht verteilt."