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DIE STADT DER BLINDEN

DIE STADT DER BLINDEN

Regie Fernando Meirelles
Kinostart 23.10.2008

Kritiken • DIE STADT DER BLINDEN

24. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Alle Regeln des Kinos werden hier laut Marli Feldvoss unterlaufen. "Doch das Unternehmen der Verfilmung ist ein Scheitern auf höchstem Niveau, was es wieder interessant macht. Schon lange hat man keinen Film mehr gesehen, der so konsequent alle Regeln des Kinos unterlaufen hat und als Ergebnis ein radikales Kunstwerk präsentiert, das die Geduld der Zuschauer von der ersten Sekunde an auf die Probe stellt. Zu den wichtigsten Störfaktoren gehören Weiss und Schwarz, die den Erzählstoff mit gleissenden Weissblenden oder totaler Finsternis traktieren und gewohnte Blickwinkel ins Chaos stürzen. Dieser Angriff auf die Sinne geschieht allerdings auf Kosten der Empathie."

23. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Berliner Zeitung

Bert Rebhandl schreibt über die Unterschiede zwischen Buch und Film. "Der literarische Text beschwört eine Situation herauf, die Details können sich die Leser nach eigenem Temperament ausmalen. Ein Filmemacher muss sich entscheiden, ob er eher indirekt vorgeht oder mitten in das Grauen hineinspringt. DIE STADT DER BLINDEN könnte man sich gut in einer Verfilmung von Tarkowski vorstellen; er hätte wohl eher eine Meditation daraus gemacht. Fernando Meirelles, der aus der Werbung kommt und einen ausgeprägten Sinn für visuelle Zuspitzung hat, holt aus der literarischen Vorlage vor allem die spekulativen Elemente heraus und rückt seinen Film damit in die Nähe von ähnlichen Schockern aus der jüngeren Zeit wie 28 TAGE SPÄTER."

23. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Julian Hanich fragt sich, woher die emotionale Distanz kommt? "Zum einen werden die Figuren zu sehr in den Dienst der Parabel genommen und gewinnen nur wenige Konturen. Daran ändert auch die internationale Starbesetzung nichts, die von Julianne Moore, Mark Ruffalo, Gael García Bernal bis Danny Glover und Alice Braga reicht. Zum anderen unterminiert Meirelles sein inhaltliches Anliegen mit dem Versuch, das Blindheitsthema auch formal zu fassen. Die entfärbte Welt des Films ist für den Blick des Zuschauers oft schwer zu durchdringen."

23. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Frankfurter Rundschau

Für Michael Kohler geht der erzählerischer Mehrwert geht annähernd gegen Null. "Fernando Meirelles und sein Kameramann César Charlone finden eindrucksvolle Bilder für Saramagos moderne Endzeit-Fantasie, doch sobald sie das allegorische Territorium der Heilanstalt betreten, ist ihre ganze Kunstfertigkeit nur noch die Hälfte wert. Hinter den Mauern übernimmt der "Herr der Fliegen" das fadenscheinige Regiment in Saramagos Geschichte, nur dass die Erwachsenen erwartungsgemäß Kultur und Zivilisation noch gründlicher hinter sich lassen als William Goldings Inselkinder und entsprechend tiefer sinken."

23. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • artechock.de

Am besten funktioniert diese Parabel für Rüdiger Suchsland auf visueller Ebene. "Meirelles und sein Kameramann César Charlone lassen die Bilder und die Farben verschwimmen. Das Auge des Betrachters im Kino selbst soll verunsichert werden. Die Welt im Film gerät aus den Fugen und wird nie wieder ganz intakt. Sie zeigen auch immer wieder die Innensicht der Blinden ihre Welt schimmert mattweiß, milchig, aber gleißend hell – wie ein erblindender Blick in die Sonne. Schwieriger ist die darstellerische Ebene: Mark Ruffalo, Alice Braga, Danny Glover und Yusuke Iseya, die Schauspieler der wichtigsten Blinden tun, was man schon seit je her im Schülertheater getan hat, wenn man zum Beispiel den Ödipus zu geben hat: Sie schlurfen langsam, sie stolpern, sie fuchteln in der Luft, greifen ins Leere."

22. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Der Spiegel

Regisseur Fernando Meirelles fand beeindruckende Bilder für die Leinwand-Fassung der blendend weißen Endzeit-Vision - aber keine eigene Sprache, kritisiert Birgit Borsutzky. "Ein Hingucker, der provoziert, ist DIE STADT DER BLINDEN trotzdem. Nicht, weil er mit unserer Unfähigkeit spielt, die Menschen so zu sehen, wie sie sind, oder zeigt, auf welch wackligen Beinen die kultivierte Fassade steht. Sondern weil er uns das Destillat einer Gesellschaft serviert, die nicht handelt, wenn es nötig ist. Im Kino schaut man nicht weg. Genau das lässt den Film noch lange nachwirken."

22. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • critic.de

Sascha Keilholz lobt besonders die Hauptdarstellerin. "Julianne Moores Interpretation der Vorlage ermöglicht dem Zuschauer eine selten erlebte Einfühlung. Diese Figur wird so sehr zur Person, zum Menschen, dass sie alle literarischen und filmischen Fesseln, alle Schemata, die einen solchen Charakter ansonsten einpressen und -pferchen, abwerfen und überwinden kann. Dabei durchläuft sie keineswegs eine Saulus-Paulus-Wandlung. Sowohl sie als vor allem auch ihr Ehemann sind wie durchweg alle Figuren immer wieder von Egoismus und all den anderen, üblichen, allzumenschlichen Charakterschwächen gezeichnet. Von Sünden könnte man sprechen bei einem Film, der die symbolische, zeitlose Ebene seiner Vorlage sehr ernst nimmt."

10. Oktober 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • kino-zeit.de

Die Verfilmung kann durchaus – wenngleich laut Joachim Kurz "mit manchen Abstrichen – als teilweise gelungenes Experiment gewertet werden, das die Erzählhaltung und die Implikationen Saramagos in vielen Momenten in stimmige, atmosphärisch dichte und beängstigende Bilder umsetzt und noch lange nach dem Verlassen des wohltuend dunklen Kinosaals in die gleißende Helle der Außenwelt nachwirkt. Allerdings wirkt die Grundsituation oftmals – und das liegt nicht allein an der gleißenden Kälte des alles überstrahlenden Weiß – wie eine kalte Versuchsanordnung, was durch die Personen, bei denen auf Eigennamen verzichtet wurde, noch verstärkt wird."

18. Mai 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Für Martin Walder ist es "fast ein Wunder, wie treu der Brasilianer Fernando Meirelles dem Roman geblieben ist. Gleichzeitig ist es sein Verhängnis. Saramagos rabenschwarze, komplexe Parabel ist aus provokant lächelnder Distanz erzählt und zugleich von seltener Drastik im Detail. Beides ist Gift für einen «realistischen» Publikumsfilm, dem sich solche Extreme verbieten, damit er breit konsumierbar bleibt. «Blindness» ist ein hervorragend gemachter Film, der sein Thema am Ende aber doch nur gekonnt illustriert."

15. Mai 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal hat diese Geschichte "im Kino schon oft gesehen; sie wirkt auch jetzt beängstigend. Aber nicht verstörend. Unsere Vision von der Welt werde DIE STADT DER BLINDEN für immer verändern, verspricht der Verleih. Das sind zu große Worte für eine gewagte, aber auch gehemmt ambitionierte Festivaleröffnung."

14. Mai 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Filmfestival Cannes

Datenblatt des Films beim 61. Filmfestival in Cannes.

14. Mai 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Der Spiegel

Lars-Olav Beier stört die Off-Stimme: Der Zuschauer wird oft "von gleißenden Einstellungen geblendet. Ob ein weiß gekachelter Boden oder ein Schuss Milch in einer Tasse Kaffee – nahezu jede Gelegenheit nutzt der Film, den Zuschauer dazu zu zwingen, angesichts der Helligkeit die Augen zusammenzukneifen. ... Wenn Julianne Moore gegen Ende des Films die Augen schließen möchte, um das ganze Elend nicht mehr sehen zu müssen, fährt der Schauspielerin ein geschwätziger Off-Kommentar in die Parade und erklärt den Zuschauern, was die Figur gerade fühlt und denkt. Wer Filme macht, muss dem Augenschein oft blind vertrauen."

15. April 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Die Tageszeitung

Cristina Nord entdeckt hier eine Dystopie. "Fernando Meirelles Beitrag "Blindness" malt sie nach Kräften aus. Ein Zustand, in dem die Regeln der Zivilisation außer Kraft sind, in dem die Normalität aufgehoben ist, in dem die Institutionen versagen - ein Zustand, der vielen Filmen einen Rahmen gibt, zuletzt etwa CHILDREN OF MEN von Alfonso Cuarón oder WOLFZEIT von Michael Haneke. Nicht zufällig, - schließlich hat es großen Reiz, sich vorzustellen, wie eine Stadt aussieht, wenn ihre Bewohner nicht länger ihren geregelten Abläufen folgen, nichts mehr funktioniert. Wie gehen die Menschen miteinander um?"

15. April 2008 | DIE STADT DER BLINDEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Kühl hat der Film Jan Schulz-Ojala gelassen. Der Regisseur "macht aus diesem Material geradezu erschütternd wenig. Brav bebildert er die Stationen seiner Vorlage ... Im Bemühen, jene emotionale Leerstelle zu übertünchen, beschwört DIE STADT DER BLINDEN zwangsläufig weitere Mängel herauf. Die Musik tut bis zum Tinnitus-Terror alles, um auf ihrer Sinnebene den Seelenhorror der Figuren auszumalen - und setzt in den Momenten der Harmonie auf gröbsten Spieluhr-Kitsch. Und die spät eingreifende Erzählerstimme ist irgendwann nur mehr als Kapitulation der mise en scène zu verstehen, bis zum - erschöpften - Happyend, zu dem auch ein niedlich zottiger Terrier sein Teil besteuert."

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