| Regie | Nuri Bilge Ceylan |
| Kinostart | 19.03.2009 |
Daniela Sannwald sah ein Kammerspiel. "Nur wer Istanbul gut kennt, kann den durch verzerrende Kameraeinstellungen, Farb- und Lichteffekte zusätzlich verfremdeten Schauplatz identifizieren. Es geht nicht mehr um eine geografische Verortung in Nuri Bilge Ceylans Filmen, die immer weniger Türkisches enthalten; auch wegen dieser Internationalität ist Nuri Bilge Ceylan so beliebt bei Kritik und Festivaljurys. Seine Themen und seine Filmsprache sind überall verständlich, und das ist dem zweifellos hoch talentierten und mit Preisen überhäuften Istanbuler Ästheten ein wenig zu Kopf gestiegen."
Chrstiane Grefe sah verschiedene Abhängigkeitsverhältnisse. "Manchmal fast zu kunstvoll inszeniert Nuri Bilge Ceylan die Vereinzelung seiner Figuren, die schon in früheren Filmen sein Thema war; streckenweise wird sein Melodram so unnahbar wie sie. Doch unvergesslich bleibt die existenzielle Wucht der Bilder von Schuld, Angst und Scham – und die Kritik an einer patriarchalischen Gesellschaft, die Armut hinnimmt, ausnutzt und vielen Menschen den Ausbruch daraus so sehr verbaut, dass der Weg ins Gefängnis kaum mehr als einen Ortswechsel bedeutet."
Laut Rüdiger Suchsland findet der Regisseur eine künstlerische Form, um einen Thesenfilm zu vermeiden. "Eine zögerliche, fast schüchterne, aber oft berührende Entdeckung der Welt. Das Finden einer Sprache für Gefühle und Erfahrungen, die bis dahin noch keine Namen hatten. Zugleich macht auch er selbst sich der Sprachlosigkeit und Monotonie schuldig, die er in seinen Figuren beschreibt. Sie sind ausgedachte, symbolische, passive Wesen, in die der Betrachter viel, manchmal alles hineininterpretieren kann. Aber sie sprechen nie zurück."
Wie Alexandra Exter feststellt, bleiben die Figuren, "draußen wie drinnen, in ihren eigenen Gedanken und Gefühlen voneinander und von der Umwelt isoliert. Selbst der Politiker wird von seinen Parteioberen außer Sichtweite ganz schnöde am Telefon abserviert. Und von mehreren gedrehten Enden für seinen Film entschied Nuri Bilge Ceylan sich für das, was auch optisch Gewitterwolken aufziehen sieht: für einen zweiten Kreis moralischer Verfehlungen, in deren Mittelpunkt diesmal nicht ein nächtlicher Unfall, sondern ein bei Tageslicht begangener Mord steht. Und eine zweite Bestechung, ein zweiter zu Unrecht Verurteilter."
Laut Rüdiger Suchsland findet der Regisseur "eine künstlerische Form, die naheliegende Tendenzen zum Thesenfilm unterläuft. Hierin ähneln seine Filme genauso wie die seiner Kollegen Semi Kaplanoglu und vor allem Reha Erdem dem, was die Deutschen aus dem Kino der 1960er-Jahre kennen: eine zögerliche, fast schüchterne, aber oft berührende Entdeckung der Welt, das Finden einer Sprache für Gefühle und Erfahrungen, die bis dahin noch keine Namen hatten. Zugleich macht Nuri Bilge Ceylan sich aber selbst der Sprachlosigkeit und Monotonie schuldig, die er seinen Figuren zuschreibt. Sie sind ausgedachte, symbolische, passive Wesen, in die der Betrachter viel, manchmal alles hineininterpretieren kann. Aber sie sprechen nie zurück."
Thilo Wydra sah ein Drama über das Schweigen. "Auch die visuelle Ebene - die Kamera führte erneut Gökhan Tiryaki - ist statisch-erstarrt, ohne Bewegung, ist von asketischer Reduktion und Minimalismus geprägt. Nuri Bilge Ceylans Vorbilder und Einflüsse - die Werke Andrej Tarkowskis und Robert Bressons etwa - sind gerade an der strengen, klaren Bildsprache des türkischen Regisseurs erkennbar. DREI AFFEN (
) ist ein eindringliches, wenngleich etwas unzugängliches Tableau des Sich-nicht-Wahrnehmens."
Jedes Bild ist bei dem Regisseur eine Perle, lobt Birgit Glombitza. "Nacheinander aufgereiht ergeben sie jedoch einen Film, der einem mit seiner Kunstfertigkeit gelegentlich zu erschlagen droht. Scherenschnitt-Porträts vor Vorhängen, an denen der Wind und mit ihm die Zeit zerren. Eine nackte Frau, deren Körper aus den Falten der Bettdecke herausgemeißelt scheint. Alles wird bei Nuri Bilge Ceylan so sehr zur Skulptur, dass das Auge sich bei so viel Manier unweigerlich auf die Reise nach dem Unbeabsichtigten, einem übersehenen Detail, einem Fehler im System begibt."
Als wären sie Geister, schleichen die Figuren hier durch ihr Leben, paralysiert, verloren, schreibt Thomas Volkmann. "Mit einem farbentsättigtem Look, aus dem das rote Licht der nahen Leuchttürme oder auch von Bluttropfen kontrastreich hervorstechen, dazu noch die oft wolkenschweren Panoramablicke, macht Nuri Bilge Ceylan die erdrückende Stimmung deutlich. Und er steigert sie, indem er auf beschwichtigende Musik verzichtet, dafür aber Umweltgeräusche wie am Haus vorbeifahrende Züge, Gewitterdonner, Wind oder das Aufglühen gerauchter Zigaretten geradezu unheilvoll verstärkt."
Thomas Engel lobt den Film. "Bedrückend, gespannt, bedrohlich ist die Atmosphäre – angesichts der vorgegebenen Handlung muss sie es sein. Das ständige Klingeln des Handys kann einem hier Herzklopfen verursachen. Die Realität ist gar nicht so weit, weder was die exakt getroffene Stimmung noch was das Spiel der Darsteller betrifft."
Birte Lüdeking hätte noch etwas mehr erwartet. "Auf 35mm gedrehte, lange statische Einstellungen wechseln sich mit digital gefilmten Nahaufnahmen von Gesichtern ab. Die unmittelbaren Close-Ups versprechen zwar Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren, anders als in JAHRESZEITEN - IKLIMLER erreichen sie dies aufgrund der skizzenhaften Charakterzeichnungen aber lediglich in kurzen, kraftvollen Momenten und ermöglichen trotz der überzeugenden Darsteller nur in vereinzelten Szenen Empathie. Nuri Bilge Ceylans Charaktere sind in ihrer Sperrig- und Sprachlosigkeit auch in seinen vorherigen Werken nicht leicht zugänglich, in DREI AFFEN (
) werden sie außerdem zu einseitig als Parabelbotschafter definiert."
Linksammlung des Films.
Wo nicht geredet wird, entfalten andere Gegenstände plötzlich ein Eigenleben, das sehr viel beredter ist, als die Menschen, denen diese gehören, schreibt Tiziana Zugaro-Merimi. "Schließlich – und das ist vielleicht das Ernüchterndste an dem ganzen Film – erweitert der Vater den Kreis der Verlierer um eine weitere Person. Und gerade in dieser Nüchternheit inmitten des dunkelsten Dramas beweist DREI AFFEN (
) seine wahre Besonderheit und Größe."
Einen Spionagefilm unter Blutsverwandten sah Lars-Olav Beier. "Vor allem die großartige Hauptdarstellerin Hatice Aslan als Eyüps Frau Hacer zieht den Zuschauer mitten in dieses packende Familiendrama hinein, in dem wenig geredet und viel verschwiegen wird. ... Nur der Zuschauer weiß alles, er sieht den Figuren dabei zu, wie sie einander beobachten und versuchen, ihre Geheimnisse voreinander zu verbergen. Das ist überaus spannend und bewegend."
Anke Westphal fasst ihre Kritik wie folgt zusammen: "Nuri Bilge Ceylans findet machtvolle Bilder, in denen die Farben mitunter wie schizoid geschichtet wirken; die Kameraarbeit ist exzellent."