| Regie | Atom Egoyan |
| Kinostart | 21.05.2009 |
Laut Felix Frieler "ist SIMONS GEHEIMNIS (
) allein vom Umfang seiner Erzählebenen das bisher wohl komplexeste Werk des kanadischen Autorenfilmers. ...Aber auch wenn die vollständige Fusion der einzelnen Themenkomplexe ausbleibt, so weisen doch schon allein ihre ständigen Verknüpfungen auf die unbedingte Notwendigkeit hin, sie nicht isoliert voneinander, sondern in ihrer Gesamtheit zu denken. Dass er den Zuschauer hierfür sensibilisiert, ist das größte Verdienst von SIMONS GEHEIMNIS (
)."
David Kleingers sah ein so stilles wie fesselndes Drama, das vom Terror und Trost des Gedenkens erzählt. "Terrorismus, Fremdenhass, Familientragödien und die digital beschleunigte Auflösung des kollektiven Gedächtnisses - würde man Atom Egoyans Film sträflicherweise auf bloße Handlungsmotive herunterbrechen, käme ein ziemlich sensationalistischer Schlagworthaufen dabei heraus. Das stille Drama touchiert zwar all diese Komplexe, entspinnt dabei aber doch eine ganz andere, eigentümliche Geschichte."
Für Christina Tilmann wird der Film irgendwann unglaubwürdig, und "dass die Lehrerin, als Muslima verkleidet, den Onkel verfolgt und sich als Ex-Ehefrau von Simons Vater entpuppt, verfolgt man nur noch mit mäßigem Interesse. Ein Kommentar zu den Vorurteilen der westlichen Welt hätte es sein sollen, und ist doch nur eine verquere Innenschau geworden."
Heike Kühn spricht von einem Meisterwerk. "Man muss sich nur der Logik dieses Erzählens anvertrauen, das wellenartig Augen, Verstand und Herz mit sich reißt und wie jeder Ozean auf ein rettendes Ufer ausgerichtet ist..."
Esther Buss findet, dass Atom Egoyan trotz konzeptueller Schwächen ein kleines und fast paradoxes Kunststück gelungen sei. "Obwohl SIMONS GEHEIMNIS (
) von der Wirkungsmacht neuer Medien handelt, von digitaler Kommunikation, geborgten Identitäten und sozialen Räumen im Netz, vertraut er doch ganz auf die Kraft des filmischen Bildes."
Abgesehen von einigen Schwächen des Films, ist für Ronja Dittrich "SIMONS GEHEIMNIS (
) insgesamt eine spannende, intelligente und daher sehenswerte Einladung zur Überprüfung eigener und kollektiver Einschätzungen."
Linksammlung zum Film.
Bei allem Lob für die Darsteller, findet Marcus Wessel: "Atom Egoyan will einfach zuviel, was auch in der für ihn charakteristischen, fragmentarischen Erzählstruktur zum Ausdruck kommt. Obwohl die Orientierung nie wirklich schwer fällt, kann man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass über das Vor- und Zurückspringen in der Zeit künstlich einige zusätzliche Spannungsmomente etabliert werden sollen."
Für Nana A.T. Rebhan ist dies ein Film mit Tiefgang. "SIMONS GEHEIMNIS (
) ist eine komplexe Geschichte mit komplexen Charakteren, die sich intensiv mit einer Familie beschäftigt und deren Mythen und Rätsel zumindest teilweise zu lösen vermag. In zahlreichen realen und phantasierten Rückblenden erzählt sich eine bis zum Ende spannende Geschichte, die diverse Wendepunkte bereithält. Lange ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Egoyan versteht es gekonnt, den Zuschauer immer tiefer in seine komplexe Geschichte einzubinden. Er löst zwar das Rätsel der Geschichte immer mehr, wirft aber gleichzeitig auch viele Fragen auf, die zum Nachdenken anregen."
Christoph Egger ist enttäuscht: "Die Vielfalt der Bezüge um eine Geschichte, in der die grossen Themen des kanadischen Regisseurs – Familienbeziehungen und deren Spiegelungen in Bildmedien, wobei Video und Fernsehen nun durch das Internet abgelöst wurden – nicht fehlen dürfen, wird auch dadurch neutralisiert, dass der Grundeinfall, die Projektionen eines Jugendlichen in Bezug auf seine verstorbenen Eltern, psychologisch höchst unglaubwürdig erscheint."
Der Film will laut Jan Schulz-Ojala auf allerlei Ebenen simultan gelesen sein - familienpsychologisch, politisch, existenziell. "Was eine auch in ihren Bildern faszinierende Antwort des Kinos auf die mögliche Reinszenierung der eigenen Biografie im Second Life des Internet hätte werden können, weicht bald der zeitraubenden Zerquasselung eines Familienproblems."
Schieren Kitsch liefert der Regisseur laut Wolfgang Höbel. "Man kann es bewundernswert finden, wie Egoyan hier tolle Schauspieler durch ein Gewirr aus monumentalem Familiendrama (ein alter Patriarch auf dem Totenbett erzählt seinem Enkel seine Version der Geschichte), Internet-Videobotschaften (die Schulkinder chatten um die Wette) und grausiger Weltpolitik schlendern lässt. Es ist aber schaurig überladen ... So kommt es, dass einen Egoyans mit allen dramatischen Schikanen gewürzte Geschichte reichlich unberührt lässt."
Michael Sennhauser bekennt sich zum Atom Egoyan-Fan. "SIMONS GEHEIMNIS (
) ist eine clevere Auseinandersatzung mit Hass, Leidenschaft und Motivation, Vorurteilen und Debattierlust. Eine Kopfgeburt, aber sehr kinogerecht."
Datenblatt des Films beim 61. Filmfestival in Cannes.