PALERMO SHOOTING

film-zeit Film: PALERMO SHOOTING
Regie Wim Wenders
Kinostart 20.11.2008

Inhalt • PALERMO SHOOTING

Als weltweit erfolgreicher Fotograf lebt Finn ein prominentes wie hektisches Leben in Düsseldorf. Als seine Existenz urplötzlich aus den Fugen gerät, lässt Finn kurzentschlossen alles hinter sich. Seine Reise führt ihn nach Palermo. Dort wird er von einem mysteriösen Schützen verfolgt, der ihm nach dem Leben trachtet. Gleichzeitig beginnt für ihn ein ganz neues Leben und eine große neue Liebe ...

Kritiken • PALERMO SHOOTING

20. November 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Als romantisch-philosophischen Thriller bezeichnet Christiane Peitz PALERMO SHOOTING. "Wenders gründelt mal wieder und sucht, wie in LISBON STORIES oder BUENA VISTA SOCIAL CLUB, die Unschuld der Bilder, das Wahre, Authentische. Dabei fährt er alles auf, was das Kino, diese Kunst der schönen Lüge, an Show und Fake zu bieten hat – ohne sich um den Widerspruch zu scheren. Campino ist ein lausiger Schauspieler, aber das macht es nicht wahrhaftiger, wenn er als eitler Poser der Melancholie alles Ungelenke vermeidet. Bloß keine Blößen!"

20. November 2008 | Kritik • Berliner Morgenpost

Matthias Heine beschreibt ein Gesetz des Kinos: Je mehr Musiker ein gealterter Regisseur mitmachen lässt, desto leerer das Werk. "Diesmal blasen die peinlichen Computereffekte, mit denen Wenders Finns Träume und Visionen illustriert, jedes kleine Originalitätsloch zu einem banalen Riesenkrater auf. Was als große Reflexion über Wahrheit, Tod und Liebe gemeint war, schleppt sich als mit tonnenschweren Klischees über Italien, Künstler und Frauen belastete Midlife-Crisis-Jammerei dahin."

20. November 2008 | Kritik • Der Freitag

Barbara Schweizerhof ist durchweg enttäuscht. "Nicht nur dem Zuschauer wird es eng ob all der Verdichtung von Sinn, auch Finn plagen in Palermo zunehmend klaustrophobe Ängste. Doch so sehr man ihm und seiner neuen Liebe wünscht, sie mögen wenigstens einmal der Verfolgung durch Bedeutungsüberfrachtung entkommen, so wenig Erbarmen kennt Wenders und verwickelt seinen Helden am Ende in eine lange Konversation mit dem Tod. Nichts gegen einen Film über Midlifecrisis, Tod, Liebe und das Für und Wider des digitalen Bildermachens: Aber in PALERMO SHOOTING werden selbst die ewigen Bewunderer von Wenders´ Mut zu Peinlichkeit und Männerkitsch auf eine harte Probe gestellt."

19. November 2008 | Kritik • Der Spiegel

Wolfgang Höbel entdeckt einen Hang zum grobgezimmerten Mysterienspiel. "Dieser Film über den nach Sizilien aufgebrochenen Künstlermenschen und seine Begegnung mit Liebe, Tod und Freskenmalerei ist ein kitschig allegorisches Himmelfahrtskommando, das sich leicht veräppeln lässt. Nicht nur, weil die Story mehr und mehr im Todestrüben versickert. Sondern auch wegen der schwer bedeutungsprallen Sätze, die Finn schier pausenlos daherschwadroniert, meist im inneren Monolog, dann (was schlimmer ist) im Dialog mit Gevatter Hein."

19. November 2008 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Hier ist der Regisseur ganz bei sich, so selbstverständlich wie schon lange nicht mehr, meint Rainer Gansera. Es ist "die Begegnung mit dem Tod, die die typische Wenders-Bewegung in Gang setzt: weg von den Oberflächenbildern, hin zu den Bildern, die berühren und ein "Dahinter" suchen. PALERMO SHOOTING ist eine wunderbare Erkundung von Campinos Gesicht. Bislang hat sich kein Wenders-Film derart auf ein Gesicht konzentriert. Zuerst zeigt es die manisch-depressiven Stimmungswechsel, wobei die misstrauisch hochgezogenen Augenbrauen dominieren. In Palermo dann treten die weicheren Züge hervor: das jungenhafte Lächeln, der gelassene und staunende Blick."

18. November 2008 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Für Bert Rebhandl ist die Last der Bedeutung in dem Film zu groß. PALERMO SHOOTING "wirkt bei aller Attraktivität der Schauplätze (und der zahlreichen Songs, die eine zweite Deutungsspur darstellen) wie ein Erfahrung, die schon vollständig verarbeitet ist und nun eben in jenem Stadium des Allegorischen noch einmal zu besichtigen ist, in dem es nicht mehr um individuelles Geschick, sondern um Allgemeingültigkeit geht. Campino, der sich rechtschaffen, aber doch mit deutlich sichtbarem Überschuss an Bewusstheit durch die ereignisarmen Szenen bewegt, wird als Figur niemals richtig lebendig, weil er als Typus immer schon über sich hinausweist."

18. November 2008 | Kritik • Berliner Zeitung

Als Zuschauer kann man sich nirgendwo so richtig andocken an diesen schönen glatten Bildern, kritisiert Anke Westphal. "PALERMO SHOOTING will ein philosophischer Film sein, der nicht nur Leben, Liebe und Tod verhandelt, sondern auch Kunst und Zeit (-geist), Kino, Licht und Schatten - und das Problem des Authentischen schlechthin. Es geht also um alles, aber irgendwie ist das dennoch langweilig - und viel läuft auch ins Leere."

18. November 2008 | Kritik • Die Tageszeitung

Dietrich Kuhlbrodt sah Attitüden und Posen den ganzen Film hindurch. "Die Details führen zu sehr schönen Effekten. Traumszenen sind dies, die über deutsche Innerlichkeit Auskunft geben und über das, woran Wenders leidet: "Die digitalen Welten, mit denen wir heute alle umgehen, erklären auch den Realitätsverlust, unter dem viele Menschen zunehmend leiden." Sein Dauerthema, die Befindlichkeit des Fotografierenden, hat er schon vor dreißig Jahren angeschlagen. Mit ALICE IN DEN STÄDTEN, unmanipulativ und unmittelbar. PALERMO SHOOTING will jetzt den Seelenzustand ins Erhabene verrücken und verewigen. - Möge Wenders sein Seelenheil gefunden haben."

18. November 2008 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Selten hat es der Regisseur seinem Publikum so schwer gemacht, ihm auf seinem Weg zu folgen, meint Michael Kohler. "Ein versierter Drehbuchautor war Wenders nie, dieses Mal verwechselt er sein Publikum zudem noch mit einem begriffsstutzigen Kind. Alles wird so lange wiederholt, bis die Botschaft auch beim Einfältigsten sitzt. Das Traurige daran ist, dass Wenders das Vertrauen in seine Bilder verloren zu haben scheint. ... An Hauptdarsteller Campino hat das übrigens nicht gelegen. Der Sänger der Toten Hosen weiß aus Erfahrung, wie man sich vor der Kamera bewegt, wie man lässig steht und ohne Worte vieles sagen kann."

18. November 2008 | Kritik • film-dienst 24/2008

Die pseudoexistenzialistischen Plattitüden dieser Monologe über Leben, Liebe, Zeit und Tod liefern laut Alexandra Wach manch unfreiwillig heitere Szene. "Vor allem, weil man sie dem in die Rolle eines tiefsinnigen deutschen Romantikers hineingezwängten Campino schlicht nicht abnimmt. Die Konfrontation mit dem Jenseits macht es nicht besser. Wenn der Geist von Lou Reed in einer Kneipe über die Notwendigkeit sinniert, sich seinen Ängsten zu stellen, ist das nur peinlich. Wenn sich der Tod im Finale, als Finn in einem barocken Bibliothekslabyrinth um sein Leben argumentieren muss, ausgerechnet über die Unterschiede zwischen analoger und digitaler Fotografie auslässt, kann man sich vor Lachen nicht mehr halten. Mal möchte der Tod wegen seiner schweren Aufgabe bemitleidet, dann wieder bewundert werden."

21. Oktober 2008 | Kritik • Die Zeit

Es ist eine Geschichte über die Lügen der Bilder, konstatiert Birgit Glombitza. "Verlorene Söhne, einsame Tontechniker, Bildersammler auf der Suche nach der richtigen Einstellung. Die Kunst, die sie mit Wenders teilen, ist das Sehen. Wenders kämpft für seinen Traum vom Kino, als sei es die letzte Welt, für die es sich noch zu kämpfen lohnte. Doch sein Dilemma liegt im Bestreben, die Oberflächenschönheit des Kinos mit digitalen Effekten zu feiern und andererseits die Verführungskraft ebendieser Effekte zu beweinen."

15. Oktober 2008 | Kritik • kino-zeit.de

Trotz allem lebt der Film laut Silvy Pommerenke "von den üblichen Wender'schen Attributen: Wechselspiel zwischen Traum und Realität, eine skurrile Geschichte und der Zuspitzung auf den Protagonisten. Leider kann Campino den Ansprüchen nicht gerecht werden und gerade in Szenen mit Dennis Hopper werden seine schauspielerischen Defizite mehr als deutlich. Das ist mehr als bedauerlich, denn der Punkrocker ist selbstverständlich kameratauglich, aber wohl doch eher für Musikjournalisten. Wenn ein Film explizit an einer Figur aufgehängt wird, dann erwartet der Zuschauer auch einen explizit guten Darsteller. Dies ist leider nicht der Fall. Schade für den Film!"

30. September 2008 | Kritik • critic.de

Es geht um die Existenz – da bleibt wenig Platz für Selbstironie, stellt Ulrich Ziemons fest. "Es ist aber vor allem der unbedingte Wille zur Ausformulierung jeder, aber auch jeder kleinsten Nuance des Seelenlebens seines Protagonisten, die dem Film endgültig ein Bein stellt. Bilder vom mit leerem Blick aus dem Fenster starrenden Finn werden mit dessen sonorer Stimme unterlegt, die aus dem Off darüber sinniert, dass die Zeit viel langsamer vergangen sei, als er noch ein Kind war. Campino raunt seine belanglosen Monologe heraus, als könnte die gepresste Aussprache ihnen irgendeine tiefere Bedeutung einhauchen. Diese übermäßige Ernsthaftigkeit führt zu vielen unfreiwillig komischen Szenen."

26. Mai 2008 | Kritik • programmkino.de

Dieter Oßwald wirft sich Wim Wenders ins Zeug: "So manche sarkastische Edelfeder in Cannes verspottete Dialoge als prätentiös und manieriert – als wären ganz ähnliche Texte nicht auch in den besten Songs zu hören. Musik spielt in Wenders Welt schon immer eine große Rolle, diesmal wird sie zum elementaren Bestandteil des erzählerischen Konzepts."

25. Mai 2008 | Kritik • Der Spiegel

Lars Olav Beier hat der Film nicht überzeugt. "Tatsächlich ist Wenders' Reflexion über Schein und Sein, über Leben und Tod sehr prätentiös geraten, die gestelzten Dialogsätze und schlaksigen Bewegungen des Hauptdarstellers passen nicht so recht zusammen."

25. Mai 2008 | Kritik • Berliner Morgenpost

Enntäuscht ist Sven von Reden. "Reflexionen über den Verlust der Unschuld der Fotografie im Zeitalter digitaler Manipulierbarkeit werden mit der Story verwoben. Leider überlässt Wenders wenig der Fantasie oder seinem Hauptdarsteller, dem überforderten Sänger der Toten Hosen, Campino. Alles wird doppelt und dreifach bebildert und erklärt. Am Ende bleibt der unaufgelöste Widerspruch, dass Finn seine Seele an die digitale Bildbearbeitung verlor, diese aber vom Regisseur selber mit großem Tamtam eingesetzt wird."

24. Mai 2008 | Kritik • Die Welt

THE PALERMO SHOOTING wirkt wie eine Suche nach den Wurzeln, nicht so sehr den deutschen, eher den europäischen, meint Hanns-Georg Rodek. "Eine der zentralen Stellen bei Wenders ist Campinos Ankunft in einer alten Kirche, wo gerade ein riesiges Wandgemälde restauriert wird, auf dem der Tod als apokalyptischer Reiter die VIPs des Mittelalters mit seinen Pfeilen spickt. Woody hätte Scarlett Johansson und Penelope Cruz davor gestellt und einen witzigen Dialog sprechen lassen. Bei Wim kommt der Fotograf mit der Restauratorin ins Gespräch (und ihr auch sonst näher), und der Film weitet sich: Es geht nicht länger mehr nur um Midlife Crisis, sondern um unseren Umgang mit Bildern (Wenders' altes Thema), aber auch mit der Realität– und dem Tod."

24. Mai 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Das seit langem persönlichste Dokument des Regisseurs sah Jan Schulz-Ojala. "Auch findet, recht spät im Film, eine für Wim Wenders’ Verhältnisse unerhört leicht anhebende Liebesgeschichte Raum; nur kann sie sich, zwischen dem auch sprachlich sentimentalen Overdrive des Beginns und dem übersinnlichen Brimborium des Finales, nicht richtig entfalten. ... Nicht ironisch, wie einige Details vermuten ließen, sondern überwiegend bedeutungsvoll raunend ist PALERMO SHOOTING geraten – ein erratisches Alterswerk, in dem schwindende Ausdruckskraft mit wachsender Mitteilungswut einhergeht."

24. Mai 2008 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte hat mit Regisseur Wim Wenders über die Flüchtigkeit digitaler Bilder, die Kurzlebigkeit heutiger Filme und die Vorteile, Rockstar zu sein gesprochen.

24. Mai 2008 | Kritik • telepolis.de

Rüdiger Suchsland sagt es unumwunden: "PALERMO SHOOTING ist in jeder Hinsicht Seniorenkino: Alte Autos, alte Kameras, alte Häuser, alte Männer, und auch Wenders' Bilder sehen alle mindestens 30 Jahre alt aus. Ein Quasselfilm, dessen erbärmliche Dialogqualität den Zuschauer von Anfang an quält. ... Wenn Wenders nicht selbst fortwährend mit den Bildern tricksen und sie bearbeiten würde, wo er inhaltlich doch so auf Authentizität erpicht ist. Aber Wenders hat ein etwas stumpfes Beharren darauf nichts dazu lernen zu müssen, das mit den Jahren immer sturer wirkt."

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