| Regie | Götz Spielmann |
| Kinostart | 12.02.2009 |
Julia Teichmann sah ein österreichisches Sittengemälde. Der Regisseur "verknüpft ganz unterschiedliche Schicksale miteinander, um die Abgründe in Beziehungen auszuloten oder dem Leben überhaupt auf die Spur zu kommen. Leicht kann diese episodische Erzählweise ins Klischee abrutschen, sich im verschränkten Plot erschöpfen. Götz Spielmann gelingt, sowohl in ANTARES als auch in REVANCHE (2008) (
), das Gegenteil: ein moralisch vielschichtiges, tiefenwirksames, verdichtetes Bild. Das antipodische Paar in REVANCHE (2008) (
) siedelt Götz Spielmann in der Stadt an, im Wiener Rotlichtmilieu - denkbar weit von der ländlichen Musterhaus-Idylle entfernt."
Bert Rebhandl entdeckt eine für einen österreichischen Regisseur untypische "Erzählhaltung, bei der der Suspense daher rührt, dass wir den Figuren dabei zusehen können, wie tapfer oder wie hilflos sie mit ihrer unübersichtlichen Lage zurechtkommen. Götz Spielmann aber geht es in seinem kleinbürgerlichen, ländlichen Trauerspiel nicht um eine Zivilisationsdiagnose (wie es bei Michael Haneke immer und bei Ulrich Seidl immer öfter den Anschein hat), er bleibt bedingungslos auf der Seite seiner Figuren und belässt ihnen eine Würde, die sie gerade dadurch gewinnen, dass sie etwas durchleben, was wir schon durchschauen. Dieser Differenz gewinnt REVANCHE (2008) (
) eine ganze Menge ab."
Heike Kühn ist begeistert: "Während die Späne fliegen und Alex beschließt, Robert zu erschießen, setzt die Kamera auf die teilnahmsvolle Gelassenheit buddhistischer und christlicher Weisheitslehren. In aller Ruhe entfalten sich Bilder, die Raum für Entwicklungen geben. Kein filmisches Genre-Muster, kein menschliches Vor-Urteil verstellt den Blick auf die verqueren, das normative Format des Melodrams sprengenden Qualen der Protagonisten."
So ausdrucksvoll geschwiegen wurde schon lange nicht mehr, schreibt Thomas Rothschild. "Die Qualität des Films liegt in der Inszenierung einer melancholischen Einsamkeit... In den besten Momenten kommt Götz Spielmann an die Stimmung des film noir heran, wenngleich die Farbbilder von Martin Gschlacht (Kamera) bisweilen fast ländliche Heiterkeit ausstrahlen. ... Gegen Ende droht REVANCHE (2008) (
) ins Didaktische auszugleiten, zu einem Plädoyer auf Racheverzicht zu werden, was moralisch lobenswert, dramaturgisch aber verhängnisvoll wäre. Immerhin enthält das Drehbuch, das Spielmann wie immer selbst geschrieben hat, ein paar Volten, die dem Schema interessante Ambivalenzen beifügen."
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Für Lukas Foerster steht der Film "auf interessante Art und Weise quer zu den dominanten Strömungen im zeitgenössischen deutschsprachigen Kino. Einerseits verzichtet Götz Spielmanns kluge, ökonomische Regie auf manipulative Gesten, auf alle inszenatorischen Kniffe, die aus Sicht der spielmannschen Poetik unzulässige emotionale Aufladungen bedeuten würden, nämlich solche, die nicht unmittelbar aus dem Handeln und der Reflektion der konstruierten Figuren entstehen. ... Andererseits hält Götz Spielmann auch von Exzessen ganz anderer Art Abstand, von Exzessen, die insbesondere das österreichische Autorenkino der Gegenwart fast markenzeichenhaft prägen, nämlich von Exzessen des (vermeintlich) Authentischen."
In den Kontrasten, Zuspitzungen und Auflösungen in der zweiten Hälfte des Films findet REVANCHE (2008) (
) laut Dietmar Kammerer "seine stärksten Momente. Man ist Regisseur Götz Spielmann nachgerade dankbar dafür, dass er das halbseidene Milieu rasch hinter sich lässt - den Typus des abgefeimten Wiener Zuhälters mit einer sadistischen Freude an der Erniedrigung von Prostituierten hat man im österreichischen Kino schon genug gesehen. Trotz eines Hangs zur Übererklärung gelingt Götz Spielmann die intensive Studie eines Mannes, der weiß, dass er nichts mehr geradebiegen kann, und seiner Wut dennoch eine Richtung geben muss."
Konzentriert nennt Daniela Sannwald den Film. "Mit Präzision und Nüchternheit protokolliert Spielmann dieses Zusammenprallen von Individuen und sozialen Milieus. ... In stehenden Einstellungen scheint die Kamera einem zufälligen Geschehen zuzuschauen. Dass natürlich jede Szene mit äußerster Präzision geplant und gespielt, jeder Schauplatz sorgfältig gewählt und eingerichtet ist, sieht man der Beiläufigkeit der Inszenierung und der Wahrhaftigkeit der Darsteller nicht an. Fast wundert man sich, dass der Regisseur seine Figuren so unbeteiligt ins Unglück rennen lässt."