| Regie | Matt Reeves |
| Kinostart | 31.01.2008 |
Rochus Wolff lobt zwar einiges an dem Film, aber er ist kein großer Wurf. "Dafür fehlen die wirklich überzeugenden Charaktere – die Figuren sind allesamt eher nichtssagende New Yorker Yuppies – und auch die Bilder, die wirklich im Gedächtnis bleiben. Das vielleicht atemberaubendste – der Kopf der Freiheitsstatue liegt abgetrennt auf der Straße – ist noch dazu ein Motiv, das einem Werbeplakat für John Carpenters Science-Fiction-Dystopie DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) entnommen ist."
Achim Fehrenbach warnt: CLOVERFIELD sollte nur anschauen, wer über einen halbwegs stabilen Magen verfügt. "Den Kino-Besucher erwarten 85 Minuten Wackel-Kamera mit chaotischen Schwenks, Filmrissen und unscharfen Bildern. In den USA, wo der Film bereits läuft, gab es vereinzelte Fälle von plötzlicher Magen-Entleerung. Wer sich auf CLOVERFIELD einlässt, wird mit einem intensiven Kino-Erlebnis belohnt. Denn im Gegensatz zu den üblichen Katastrophen-Filmen bleibt der Abrams-Streifen immer ganz nah bei seinen Protagonisten."
Als grell und geistreich bezeichnet Peter Uehling den Monsterfilm. Wer "an BLAIR WITCH PROJECT denkt, liegt falsch. Dieser Film demonstrierte das Sehen als Blindheit: Das, was eine Gruppe hier filmen will, die Blair-Hexe, bekommt sie nicht vor die Kamera. In CLOVERFIELD dagegen wird das Gesuchte auch gefunden: Kurz reckt das Monster seine Schnauze vor die Linse. Dann kommt der Schreck, stürzendes Licht, verschmierte Konturen, Abstraktion. Das sind die schönsten Momente dieses originellen, grellen, geistreichen Films."
Einen Film in Web 2.0-Bildern sah Dietmar Kammerer. "Die Idee, eine Geschichte mal nicht aus der Frontperspektive von entschlossenen Generälen und nerdigen Wissenschaftlern zu erzählen, sondern denen zu folgen, die einfach nur nicht unter die Räder kommen wollen, ist aber nur ein Teil der Frischzellentherapie, die "Lost"-Produzent J. J. Abrams und Regisseur Matt Reeves dem Genre verpassen. Auf eine Formel gebracht: BLAIR WITCH trifft GODZILLA. Die Bilder der Apokalypse erreichen uns als found footage, als Flaschenpost aus der Hölle."
Laut Daniel Kothenschulte hat der Regisseur das japanische Horrorkino besser verstanden als Roland Emmerich. "Subtilitäten gibt es durchaus, aber sie haben wenig zu tun mit smarten Dialogen oder nuancierter Darstellerführung. Wie stets im effektvollen Horror ergeben sie sich aus dem Verhältnis zwischen Gezeigtem und Unsichtbarem. Schlecht geführte Videokameras sind Meisterinnen in der Kunst des Unsichtbaren. Der Film ist reich an Szenen, in denen hysterisch durcheinander geschrieen wird, aber man erst einmal gar nichts sieht."
CLOVERFIELD löst aber nur teilweise ein, was die virale Marketing-Kampagne im Internet versprochen hatte, empört sich David Kleingers. "Mittendrin statt nur dabei ist das Versprechen dieses Films, der mit zerbröckelnden Wolkenkratzern und Brücken, klaustrophoben Hetzjagden durch U-Bahnschächte, Hubschrauberabstürzen und Kriegsgewitter so ziemlich alle potenten 9/11-Schrecken für die sicher im Kinosessel geparkte YouTube-Generation simuliert, um sich dann doch reichlich simpel aus der Debatte über das ultranaturalistische Grauen und seine realen Vorbilder zu stehlen. ... Wie das aufgeplusterte Agentenmärchen "Alias" und die pompöse Insel-Schnitzeljagd "Lost", so ist auch CLOVERFIELD eine technokratische Chimäre, die das effektvolle Abhaken möglichst verstiegener Plotpoints als innovatives Erzählkonzept verkauft."