| Regie | Eran Riklis |
| Kinostart | 02.10.2008 |
Dietmar Kammerer spricht mit dem Regisseur.
Laut Bettina Spoerri kondensiert der Filmemacher einen politischen Konfikt. "Dabei gelingt es ihm erneut, ein differenziertes Bild einer konkreten Auseinandersetzung zu zeichnen. Während der Vorgänger mit einer Prise "Drusen-Exotik" aufwarten konnte, richtet LEMON TREE den Fokus auf das schmerzhafte Zentrum der Politik im Nahen Osten. Reale Vorbilder für die fiktive Ortschaft Zur Ha-Sharon, die der Verteidigungsminister in Riklis' Film zu seinem neuen Zuhause erkürt, gibt es in Israel viele; sie sind eine halbe bis eine ganze Autostunde von Tel Aviv entfernt – wie auch Kfar Saba, in dessen Nähe die Dreharbeiten stattfanden."
Kira Taszman unterhält sich mit dem Regisseur.
Sollte israelische Rechtsprechung auch für Palästinenser gelten, stünde es um die vermeintliche Notwendigkeit von Selbstmordattentaten schlecht, schreibt Heike Kühn. "Israelische Anmaßung und palästinensische Herrenmentalität nehmen sich nichts in diesem Film, der grenzüberschreitend der stillen Wut der Frauen huldigt und trotz erheblicher Drehbuchlängen und stereotyper Nebenfiguren endlich wieder einmal erahnen lässt, warum Eran Riklis mit seinem 1991 gedrehten Film CUP FINALE als herausragender Regisseur gilt."
Als kleine Enttäuschung bezeichnet Joachim Kurz LEMON TREE. "Deutlich, zum Teil überdeutlich findet Eran Riklis immer wieder Metaphern für die verzwickte Lage, die vor allem in Bildern des Eingesperrtseins, der Mauern, Grenzen und Gitter bestehen. Alle Handelnden in diesem Film sind Gefangene: Sie unterwerfen sich der verfahrenen Situation, sind unfähig zur Kommunikation, hören immer wieder auf Ratschläge von außen, statt ihrem Herzen zu folgen und den Konflikt auf menschliche Weise beizulegen."
Hendrike Bake lobt den scharfsichtigen Blick für die Unmöglichkeiten des israelisch-palästinensichen Alltags. "Die märchenhafte Konstruktion und die hübschen Bilder von LEMON TREE täuschen Harmlosigkeit vor. Ein freundlicher Arthouse-Film denkt man, Happy-End inklusive. Doch der Schein trügt – wie schon DIE SYRISCHE BRAUT lebt auch LEMON TREE in einer labilen Gefühlslage zwischen Optimismus und Pessimismus, die der Regisseur 'Opsimismus' nennt und die viel über den Alltag in Israel/Palästina verrät. Hoffnungsvolle Fiktion und resignierter Realismus wechseln einander ab. Das mutige Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung droht immer wieder von den Realitäten erdrückt zu werden."
Thomas Engel hat der Film überzeugt. "Ein das Nahost-Problem gut beleuchtender, um Ausgleich bemühter, Gerechtigkeit heischender, menschlicher und nicht zuletzt tapferer Film, der sowohl thematisch als auch von der Regie und der Machart sowie den Darstellern her überzeugt. Hiam Abbes (Salma) und Ali Suliman (Daud) glänzen, Rona Lipaz Michael (Mira) und Doron Tavory (Verteidigungsminister) geben in ihren schwierigen Rollen ihr Bestes."
Für Marguerite Seidel macht LEMON TREE "den Zwiespalt zwischen festgefahrenen Haltungen und selbstbestimmten Entscheidungen in seiner ganzen konkreten Abstraktheit auf beiden Seiten sichtbar. Riklis gelingt dies mit kleinen Ereignissen und Gesten ... Doch wenigstens führt Riklis die schwelende Pein des Nahost-Konflikts mit dieser kleinen, parabelhaften Erzählung auf großartig vielschichtige Weise vor. Auch wenn es nicht so scheint, irgendwo zwischen dem modernen Kubus des Obersten Gerichts in Jerusalem, dem bescheidenen Anwaltsbüro im Flüchtlingslager Jalazon bei Ramallah, zwischen der durchdesignten Ministervilla und Selmas schlichtem Haus, begegnen sich die Menschen."