| Regie | Robert Guédiguian |
Klassisch mutet der Thriller laut Markus Zinsmaier an. "Verdrängtes kommt ans Licht. Es geht um Rache und Liebe. Im Hintergrund flimmern Bilder aus Palästina. Robert Guédiguians LADY JANE ist ein Meisterstück des Neo-Film-noir. Seit Lino Ventura schaute niemand mehr so stoisch in die Kamera wie Gérard Meylan."
Atmosphärisch und ästhetisch hat der Film nur wenig zu bieten, kritisiert Joachim Kurz. "Die drei Hauptdarsteller haben trotz aller Dramatik des Stoffes allesamt die Ausstrahlung eines Eisblocks. Fast scheint es so, als seien die Flashbacks, die den Mord an dem Juwelier und an Muriels Sohn mehrmals ins Gedächtnis rufen, nur deshalb in den Film eingearbeitet worden, um durch ihre lauten Pistolenschüsse den geneigten Zuseher vom sanften Entschlummern abzuhalten ... Immerhin bekommt man so schnell – und zwar sehr viel schneller als das ahnungslose Trio – heraus, wie die Dinge miteinander verknüpft sind, so dass die wenig spektakuläre Auflösung des Dramas kaum jemanden überraschen kann."
Einen Kriminalfilm mit Schlingerkurs sah Carmen Böker. "LADY JANE leidet daran, dass sich der Film nicht mal für die Mutter als Fokus dauerhaft entscheiden, sich erzählerisch nicht scharfstellen will. Der Regisseur definiert es als Kriminalfilm im Stil der Sechziger (wofür das Whodunit zu unüberraschend ist), aber irgendwann wird daraus eine matte Meditation über eine Blutrache in zweiter Generation - und sehr viel gesprochen, es sind halt Franzosen, wird vorm Schießen auch über Beziehungsillusionen."
Der finstere Thriller beginnt für Christina Tilmann verheißungsvoll, "als Geschichte der unausgesprochenen Liebe, der lakonischen Gangster, der verschwiegenen Motive. Doch allzu schnell setzt der Film den Zuschauer auf die Fährte – auch wenn die Protagonisten ewig brauchen, bis sie verstehen. Die Auflösung ist brutal. Überraschend ist sie nicht."