| Regie | Sven Taddicken |
| Jan Christoph Glaser | |
| Jakob Ziemnicki | |
| Carsten Ludwig | |
| Kinostart | 01.05.2008 |
Überraschend authentisch findet Detlef Kuhlbrodt das Kreuzberg. "Die einzelnen Figuren sind mit Respekt gezeichnet und durchgehend gut besetzt. Vor allem beeindruckt Cemal Kubasi, der mimisch sehr schön veranschaulicht, wie es langsam in dem kleinen Yavuz arbeitet, als Dinge geschehen, die sein bisheriges Weltbild ins Wanken bringen. Am Ende treffen sich alle im Urbankrankenhaus. Darüber, ob die ganz große Katastrophe notwendig war, von der man nun erfährt, lässt sich streiten."
Ralf Schenk entdeckt die These hinter den Episoden: Das Private, nicht das Politische, als Initialzündung für Ausbrüche. "Momentaufnahmen aus der Wirklichkeit, die insgesamt aber den fatalen Eindruck einer Ansammlung von Klischees hinterlassen. Fragt sich nur, ob die Realität eben aus Klischees besteht - oder ob sich in den Köpfen der Autoren schon vor Drehbeginn jene Muster festgesetzt hatten, die dann zu Geschichten verdichtet wurden? ... Viele Klischees und Versatzstücke, aber trotz starker Darsteller nur wenige Momente, die haften bleiben."
Kollektiv, subversiv und explosiv findet Christiane Peitz die Episoden. "Die im Dokufiction-Stil inszenierten, ineinander verwobenen und mit coolem Soundmix angereicherten Episoden richten den Fokus weniger auf die Straßenkrawalle als auf den Psychostress, auf Coming-of-Age- und Midlife-Krisen. Stau, jetzt geht's los. Eine Gewaltspirale gerät in Gang, ein Wahnsinnstrip, dessen Strudel die Bilder erfasst. Gefahr im Verzug: Mehr und mehr krankt der Film an der Überdosis seiner explosiven Stoffe, all der Hauptdramen und Nebentragödien, was ihm einen fatalistischen Drall verleiht."
Michael Kienzl hat sich nicht überzeugen lassen. "Die scheinbar so spontanen und dokumentarischen Ansätze der Regisseure verhindern nicht, dass er über weite Strecken viel zu konstruiert wirkt. So besuchen die beiden bürgerlichen Krawallbrüder vor der Mai-Demo noch ein Museum, lassen sich von den Kunstwerken berieseln und geben alberne Sätze wie "Ich mag die Struktur" von sich. Überhaupt bestehen die Dialoge überwiegend aus Phrasen, die man auch in jeder Seifenoper zu hören bekommt."
Dies ist laut Thomas Engel ein "gemeinsamer Versuch der möglichst authentischen Schilderung dreier Schicksalsgeschichten, die zunächst politisch überwölbt erscheinen, dann aber gänzlich ins Individuelle, Private, Emotionale gehen."
Michael Meyns sah einen überzeugenden "Film, der trotz vier verschiedener Kameraleute, diverser Cutter, Autoren und Regisseure aussieht wie ein Ganzes. Der vermeidet dankenswerterweise eine Stilisierung des 1. Mai zu einem politisch relevanten Ereignis, eine Heroisierung der Randale zu einem Akt der Systemkritik. Stattdessen gehen die Episoden weit über den 1. Mai hinaus und nutzen diesen nur als Hintergrund für wesentlich relevantere Fragestellungen."
Ein gewagter Episodenfilm, der sich als erstaunlich rund und wie aus einem Guss präsentiert, lobt Joachim Kurz. "Sicherlich bedient sich der Film, wie mancher Kritiker anmerkte, einiger Klischees (welcher Film tut das nicht?), insgesamt aber stellt er in mehrfacher Hinsicht ein gelungenes Experiment dar, das jungen Filmemachern eigentlich Mut machen sollte. Denn zum einen zeigt er, dass neue Konzepte und Erzählweisen durchaus eine Chance haben, realisiert zu werden ... Und zum zweiten dekonstruiert 1. Mai gnadenlos und ohne erhobenen Zeigefinger die Spießigkeit mancher Revolutionäre, deren Motive in manchen Fällen mehr als fragwürdig oder schlichtweg dumm sind."
Einen Episodenfilm rund um den Krawalltag in Kreuzberg sah Matthias Oloew, "aber nicht einen, der die Geschichten nur aneinanderreiht. Auch dient der 1. Mai nur als Hintergrund für Handlung. Dass es am Ende tatsächlich geklappt hat, ein geschlossener Spielfilm dabei herausgekommen ist, hängt auch mit dem ungewöhnlichen Entstehungsprozess zusammen, den die Produzenten vorgaben und auf die sich die vier einließen, bevor es losging."