MONDKALB

film-zeit Film: MONDKALB
Regie Sylke Enders
Kinostart 31.01.2008

Inhalt • MONDKALB

Auf der Suche nach einem Neuanfang zieht Alex ins Haus ihrer verstorbenen Großmutter, um sich in der Kleinstadt ihrer Kindheit zurückzuziehen. Sie will sich raushalten - aus Gesprächen, Beziehungen, dem Leben. Auch der 12-jährige Tom ist abgetaucht in die innere Emigration. Wie ein Geist heftet er sich an Alex Fersen. Er lässt sich nicht abwimmeln, genauso wenig wie der redselige Piet, der Tom Vater und Mutter zugleich sein muss und der Alex für sich gewinnen möchte. Ganz allmählich beginnen sie sich zu öffnen und einander anzunähern. Das ist ein Anfang - doch dann zündet Tom das Auto seines Vater an ...

Kritiken • MONDKALB

05. Februar 2008 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Viel Hoffnung ist in diesem Film laut Tilman Spreckelsen nicht zu haben. "All dies zeigt Enders in starken, ruhigen Bildern, die, wenn dann doch etwas passiert, umso heftiger wirken. Sie verharrt auf den Gesichtern von Alex und Piet ebenso wie auf den Körpern, sie arrangiert Begegnungen und Zwiegespräche, die sehr rasch alles Zufällige verlieren und da hingehen, wo es wehtut. Nur manchmal ist diese Stilisierung etwas aufgesetzt, wenn sich etwa schwer symbolisch ein Gitter zwischen Alex und Piet schiebt, nachdem sie eben noch so einträchtig miteinander tanzten."

02. Februar 2008 | Kritik • Die Tageszeitung

Probleme schaffen Probleme. Das strapaziert nicht nur den Zuschauer, sondern auch die Dramaturgie, stellt Dietmar Kammerer fest. Der Film bürdet die gesamte Last den Schauspielern auf. "Das kann ins Gegenteil umschlagen. Dann werden die Zeichen überdeutlich und Selbstmord, Gewalt, unverarbeitete Trauer werden zum erzählerischen Selbstzweck. Juliane Köhler als Alex drückt sich dermaßen weit in sich hinein und den Kopf zwischen ihre Schultern, dass man vom Zusehen Atemnot bekommt. Das mag man anerkennen als schauspielerische Tour de Force, das wirkt mitunter jedoch auch wie eine Anstrengung, ein darstellerisches Muskelspiel."

01. Februar 2008 | Kritik • Der Freitag

Matthias Dell entdeckt hier die Biederkeit des deutschen Nachwuchsfilms. "MONDKALB will keine Komödie sein, auch keine intelligente, bittersüße. MONDKALB will ein anspruchsvoller Kinofilm sein, und anspruchsvolle Kinofilm sind hierzulande von tiefem Ernst und hohem Problembewusstsein (Gefängnis, Pyromanie, Gewalt, Beziehungsunfähigkeit). Dass dieser Ernst vorgenommen wirkt und den Film nicht trägt, zeigt sich an einer planen Erzählweise, die immer wieder ins Komische ausweicht. Der Witz, selbst der schlechte, ist die einfachste Form aus den Sackgassen rauszufinden, in die das Drehbuch sich manövriert hat."

31. Januar 2008 | Kritik • critic.de

Thorsten Funke empfiehlt den Film trotz einiger Schwierigkeiten. "In MONDKALB ist nicht die Adoleszenz in der Unterschicht die treibende Kraft, sondern die Trostlosigkeit hinter zerrütteten mittelständischen Biografien. Alex und Piet haben also, anders als die selbstbewusste Weddinger Göre Kroko, eine Vergangenheit, die durch das den ganzen Film durchziehende Leitmotiv des Todes immer im Bewusstsein gehalten wird. Weil das Drehbuch aber nur wenig von der Hintergrundgeschichte erläutert, bleiben diese Figuren dem Zuschauer fremd, ja sie werden sogar im Verlauf des Films immer fremder."

31. Januar 2008 | Kritik • Berliner Zeitung

Meisterhaft ist der Film für Miriam Müller. "Diese Geschichte über die vorsichtige Annäherung zweier traumatisierter Menschen in der ostdeutschen Provinz erzählt gleichermaßen von Isolation wie Obsession, und sie bietet den Charakteren eine ausgezeichnete Reibungsfläche, welche die drei Darsteller auch gekonnt vor grandiosen Landschaftsaufnahmen nutzen. Doch so verkapselt sich die Figuren in ihrem unglücklichen Leben bewegen, so undurchdringlich wirkt der Film mitunter selbst. ... Die Figuren sind so frei, dass sie einem im luftleeren Raum zu entschweben drohen. Der Zuschauer kommt an sie nicht dicht genug dran; er versteht ihre Wünsche und Motive letztlich nicht."

31. Januar 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Laut Jan Schulz-Ojala beherrscht die Regisseur die Kunst des Weglassens. "Weit wagt Sylke Enders sich in ihrem dritten Spielfilm ins Weglassen. Gefährlich weit. Nur die Oberfläche vergangener Katastrophen stellt sie hin – eine lange Gefängnisstrafe, ein Freitod –, die Ursachen lässt sie fast völlig beiseite. Und erfindet sich in ihrem Drehbuch lieber mit aller Macht ein schicksals- und schmerzensgeplagtes Trio, das vorsichtig zusammenkommen möge. Wenig ist ja tröstlicher im Kino wie im Leben als Leute, die sich gemeinsam aus Dunkelheiten aufraffen – mit einer Energie, zu der sie alleine nie fähig wären."

31. Januar 2008 | Kritik • Berliner Morgenpost

Viel Wärme hat Leni Höllerer gespürt. "Enders erspart dem Zuschauer so die Idylle einer Patchwork-Familie, statt dessen beschreibt sie urteilsfrei und mit viel Wärme die Verstrickungen von Liebe, Angst und Gewalt, von Schuld und der Unmöglichkeit zu sühnen."

31. Januar 2008 | Kritik • Der Stern

Sylvie-Sophie Schindler ist das Popcorn im Halse stecken geblieben. "Der Plot ist ein kompaktes Flechtwerk aus Mega-Problemen. Jedes Lachen wäre nur verdächtig. Wer noch unter Post-Weihnachts-traumata leidet oder sich aus anderen Gründen in melancholischen Zuständen aufhält, der mag den cineastischen Brocken nur schwer schlucken. Und doch, trotz aller Warnhinweise: nichts wie rein in den Film! Die Regisseurin hat ein wahres Meisterstück abgeliefert: handwerkliche Brillanz plus feinfühlige Erzählweise."

30. Januar 2008 | Kritik • film-dienst 03/2008

MONDKALB ist für Horst Peter Koll "ein stilles, intensives Drama um menschliche Befindlichkeiten auf dem schmalen Grat zwischen existenziell notwendigem Selbstschutz und fast zwangsläufig drohender Selbstzerstörung. Am Ende steht, wie auch in Sylke Enders’ früheren Filmen, keine übertriebene Läuterung, sondern lediglich eine behutsam angedeutete, Hoffnung vage signalisierende Veränderung, womit sich um so glaubwürdiger vermittelt, dass die Protagonisten durchaus bereit sind, ihr Leben, ihre Fehler und ihre Schuld doch endlich auf den Prüfstand zu stellen."

20. Dezember 2007 | Kritik • kino-zeit.de

Katrin Knauth sieht in MONDKALB "ein berührendes Porträt dreier Menschen, die alle in ihrer eigenen Welt leben. Die drei haben verschiedene Vorstellungen und Auffassungen vom Leben, die schwer miteinander vereinbar sind. Und dennoch kreuzen sich ihre Wege. Jeder hat für sich zu kämpfen, jedem fällt es gleich schwer, sich mit dem anderen zu vereinen. Erst am Ende finden die drei zueinander – auf ihre Art."

20. Dezember 2007 | Kritik • programmkino.de

Zunächst scheint MONDKALB Kurs auf ein Sozialdrama zu nehmen, meint Volker Mazassek, aber das ist nur Beiwerk für ein Beziehungsdreieck. "Das vielleicht Anregendste an diesem Film ist, dass Enders dem Zuschauer keine Chance gibt, die Figuren in eine Schublade zu stecken. Dazu sind sie zu vielschichtig, zu wenig typisiert und zentrale biografische Ereignisse bleiben im Dunkeln. So unterläuft die Regisseurin bequeme Urteile über Schuld und Sühne und verweigert eine wohlgefällige Auflösung. Am Ende steht jedenfalls nicht die Liebe, sondern allenfalls die Einsicht, sich Verantwortungen nicht entziehen zu können."

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