DAS MASSAKER VON KATYN

film-zeit Film: DAS MASSAKER VON KATYN
Regie Andrzej Wajda
Kinostart 17.09.2009
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Inhalt • DAS MASSAKER VON KATYN

Der Film thematisiert das lang tabuisierte Massaker an tausenden polnischen Kriegsgefangenen durch den sowjetischen Geheimdienst 1940. Mehr als 22.000 polnische Offiziere, Polizisten und Intellektuelle waren 1940 in dem von Josef Stalin befohlenen Massaker durch den sowjetischen Geheimdienst und die Rote Armee hingerichtet und in Massengräbern verscharrt worden.

Kritiken • DAS MASSAKER VON KATYN

05. August 2009 | Kritik • critic.de Partner von film-zeit

Michael Kienzl sah einen "Historienfilm, was sich gerade angesichts der Tragik der Geschehnisse unvorteilhaft auf den Film auswirkt. Die Kostüme und die braunstichigen Bilder repräsentieren nicht nur eine vergangene Zeit, sondern haben auch eine verfremdende Wirkung. Darüber hinaus wird jede Szene so bedeutungsvoll inszeniert, als wäre den Beteiligten schon damals klar gewesen, dass sie einem Augenblick von größter historischer Wichtigkeit beiwohnen. Das drückt sich insbesondere in den hochgestochenen Dialogen, die fern jeder Alltagssprache sind, und dem theatralischen Spiel der Darsteller aus. Dass Wajda sich dann an einigen Stellen mit Archivmaterial und Handkamera um eine authentische Wirkung bemüht, wirkt im Rahmen seiner ansonsten überhöhten Inszenierung deplatziert."

01. September 2009 | Kritik • filmz.de

Linksammlung zum Film.

22. Februar 2008 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Der polnische Filmemacher Andrzej Wajda spricht mit Barbara Bönnemann über sein Werk KATYN, in dem er die Ermordung von mehr als 20.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen durch die Sowjets im Jahre 1940 dramatisiert.

16. Februar 2008 | Kritik • Der Spiegel

Wajda schwelgt in einer altmodisch epischen Behäbigkeit und setzt auf schwer symbolische Bilder, stellt Wolfgang Höbel fest. "So bebildert Wajda seinen Geschichtsunterricht mit mythischen Überhöhungen und erspart dem Zuschauer das Denken. Das ist nicht unsympathisch, aber nervig ist es schon, zumal seine Schauspieler fast stets so seelenvoll blicken, als habe der inbrünstig zelebrierte Katholizismus sie nicht bloß fromm, sondern auch ein bisschen dumm gemacht. Einmal sagt einer der Helden über die Hinterlassenschaft eines Toten von Katyn, was dem einen als Beleg der Fakten diene, das sei für den anderen ein Reliquie. Eine Reliquie möchte auch Wajdas Film selber sein."

16. Februar 2008 | Kritik • Der Spiegel

Bisweilen gerät KATYN laut Olaf Sundermeyer arg pathetisch. "Doch die letzten zwanzig Minuten von Wajdas KATYN gehören zu dem Eindrucksvollsten, das je im Kino vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs gezeigt wurde: Die Exekutionen der Offiziere, detailliert nachgestellt. ... Kein zeithistorisches Dokument, kein literarisches Werk hatte es bislang vermocht, der Erinnerung an Katyn eine Entsprechung zu bieten. Denn die Erinnerung lag Jahrzehntelang verschüttert, unter dem "versiegelten Gedächtnis". Der auch in Deutschland viel zitierte polnische Historiker Adam Krzeminski konstatiert nun, dass KATYN ein Film sei, der "eine riesige klaffende Lücke schließt"."

16. Februar 2008 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Es handelt sich für Tobias Kniebe "um eine nachgeholte, verzweifelte Abschiedssequenz, die dem polnischen Volk in der Realität verweigert wurde. Das Problem aber ist, dass dieser Abschied zugleich ganz unhistorisch ist: Eine wirkliche Offiziersfrau in jener Zeit hätte sich lieber die Zunge abgebissen, als ihren Mann einer solchen emotionalen Erpressung auszusetzen - und Wajda, der Sohn eines mutmaßlich in Katyn ermordeten Offiziers, muss das wissen. Wenn aber selbst Leute mit seiner Autorität schon die Notwendigkeit sehen, sich der ausufernden Gefühlsduselei der Gegenwart anzupassen - was sagt das dann über den Zustand des historischen Kinos an sich?"

16. Februar 2008 | Kritik • Die Welt

Hanns-Georg Rodek sieht KATYN als einen Schlusspunkt. "Wajda beginnt mit düsteren Wolken, die aufziehen, und entlässt uns mit traumatischen Mordbildern– unterstützt von Dissonanzen Krzysztof Pendereckis. Trotzdem sollte man seinen Film nicht als Anklage verstehen; es ist eher der Abschluss eines Trauerprozesses, der während der vier Jahrzehnte der Volkrepublik Polen in der Lüge über die Täter eingefroren war."

16. Februar 2008 | Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal könnte dem Film vorwerfen, dass er zu viel zeigt und sich dabei verliert. "Aber KATYN ist eben nicht einfach ein Film oder ein Requiem für die Opfer, das danach fragt, welche Seite man wählt durch das eigene Verhalten: die der Mörder oder Ermordeten. KATYN ist mehr - ein multinationales Politikum. Dass Angela Merkel gestern die Berlinale-Premiere von KATYN besuchte, sollte ein Zeichen setzen, deutsche Mitschuld bekennen und dabei nach vorn weisen. Denn dieser Film ist auch die Apotheose des Jahrhunderte alten Traums von einem freien Polen; letztlich ist es eine des Glaubens."

16. Februar 2008 | Kritik • Die Tageszeitung

Dieser Film ist so wenig Filmkunst, wie man eine Liturgie als Performance wahrnimmt, und trotzdem ist laut Dietrich Kuhlbrodt KATYN die Krönung des Werks von Andrzej Wajda. "Überdeutlich und gewollt plakativ sind Bildsymbole, die Faktenkram ersetzen sollen. 1945 reißen die Kommunisten die polnische, weißrote Fahne auseinander. Die rote Hälfte pflanzen sie sogleich wieder auf, die weiße dient zum Stiefelputzen. Das ist ein Bild, das auch den letzten der Zielgruppe erreicht, die der Film in Polen ansteuert. Altmeister Wajda sucht in seinem Alterswerk Verständigung mit den Mitteln einer Art Ikonenmalerei."

16. Februar 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Der Film ist eine Totenklage nach über 60 Jahren, schreibt Kerstin Decker. "Denn es gibt nur ein Medium für eine Totenklage, das Kameraauge, das wie ohne Lidschlag alles wahrnimmt, ohne Unterschied. Wajda wollte die abstrakte Zahl ins Menschliche zurückübersetzen. Aber da ist schließlich kein Einzelschicksal, nicht mal ein Gruppenschicksal, das Wajda hätte erzählen können, da ist zuletzt – doch nur wieder die Zahl: 20 000 tote Offiziere. Und Tagebuchblätter. Die meisten waren keine Berufsmilitärs, sondern Lehrer, Anwälte, Ärzte ... Stalin hatte – wie zuvor im eigenen Land – die geistige und militärische Elite vernichtet."

15. Februar 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Laut Tomasz Nowak hat der Film die polnische Geschichtsdebatte beflügelt. "Andrzej Wajda nun schließt diese Lücke auf seine Weise, wobei er den Stoff von KATYN vor allem aus Briefen und Notizen der Gefangenen recherchierte. Manchen Polen mögen einige Szenen zu pathetisch erscheinen, etwa die Weihnachtsmesse im Gefangenenlager, nur findet man sie genau so in den Tagebüchern wieder. Der Film nimmt darüber hinaus überwiegend eine Außenperspektive ein – er konzentriert sich auf das Los der Frauen, die sehnsuchtsvoll auf ihre Ehemänner, Söhne und Väter warten. Eine vergebliche Hoffnung, mit einer für den Regisseur auch persönlichen Dimension."

09. Februar 2008 | Kritik • Berliner Zeitung

Jagoda Engelbrecht spricht mit Regisseur Andrzej Wajda über seinen Film.

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