| Regie | Doris Dörrie |
| Kinostart | 06.03.2008 |
Für Jan Schulz-Ojala bietet das transzendentes Roadmovie einen Cocktail der Welten und Gefühle. "Die mangelnde Kohärenz dieses Gefühlscocktails ist es, die KIRSCHBLÜTEN als Ganzes schwer genießbar macht. Mag der biedermeierlich behäbige Blick auf das in Jahrzehnten freundlich aneinander versteinerte Kleinstadtpaar noch angehen, grenzt der Kontrast zwischen den Alten und ihren bösen Nachgeborenen mitunter an Kolportage. ... Zu dürftig kausal verknüpft stehen in KIRSCHBLÜTEN die Welten gegeneinander: hier das eisige Urteil über die Finsterlinge, die mitten im Leben stehen, dort die durch nichts zu erschütternde Lebensabendgloriole um das Elternpaar."
Anders als in ihren letzten Filmen gleitet Dörrie dieses Mal nicht ins Esoterische ab, lobt Thorsten Funke. "KIRSCHBLÜTEN ist eher eine Verbeugung vor japanischer Kultur als eine Vereinnahmung, und zudem überzeugt der Film vor allem, weil seine Einstellungen und Szenenabfolgen mit viel Gestaltungswillen komponiert sind. Das gilt auch für die Aufnahmen in Tokio, die wie der Part in Deutschland mit einer Digitalkamera gedreht wurden und eine langsame, stellenweise dokumentarische Annäherung an die futuristische Großstadt-Welt erlauben."
Einige Längen und manchmal auch Szenen, die an der Grenze zur Übertreibung liegen, bescheinigt Joachim Kurz dem Film. "Außerordentlich berührend hingegen ist die Begegnung Rudis mit der jungen obdachlosen Tänzerin Ju, die ihm dabei hilft, die durch den Tod abgebrochene Verbindung mit seiner Frau wiederherzustellen – bis hin zum finalen Totentanz am Fuße des Fuji. Insgesamt überzeugt KIRSCHBLÜTEN als feinsinnige Beobachtung und erstaunlich lebensnahe Meditation über Liebe und Vergänglichkeit – er ist mit Sicherheit kein perfekter Film, aber ein sehr beeindruckendes Werk, das seine Zuschauer in den Kinos finden wird – ob mit oder ohne Preissegen auf der Berlinale."
Klischees, bis der Parkbaum leuchtet, hat Susanne Messmer wahrgenommen. "Wieder einmal hat Doris Dörrie Figuren erschaffen, die weder sie noch der Rest der Welt sonderlich ernst nehmen muss. Sich deren Auseinandersetzung mit dem Tod vom Leib zu halten fällt etwa so leicht wie die Lektüre der Brigitte im Wartezimmer."
Der Film hat bei Elvi Plitt zwiespältige Gefühle hinterlassen. "Schon die behauptete enge emotionale Verbindung zwischen der Hausfrau Trudi und dem japanischen Butohtanz ist als Wendung des Drehbuchs zumindestens leicht gewöhnungsbedürftig. Während es Doris Dörrie dann aber über weite Strecken sehr einfühlsam gelingt, von der Unfähigkeit im Umgang mit dem Tod zu erzählen, entwickelt ihr Film in seinen Schlusssequenzen eine nur noch schwer erträgliche Sentimentalität. Wenn Elmar Wepper und Hannelore Elsner zusammen vor dem Gipfel des Fuji mit weißgeschminkten Gesichtern Butoh tanzen, funktioniert das als Bild einfach nicht und spätestens in diesem Moment hat die Handlung die Grenze zum Kitsch weit überschritten."
Ein Film über Trauerarbeit, meint Harald Jähner. "Doris Dörrie ist eine Filmemacherin von großem anteilnehmenden Realismus. Ihre Präzision, auch ihr Zeitmaß verlässt sie, sobald sie ins Exotische ausschwärmt. Am Ende kehrt die Genauigkeit in einem Gegensatz zurück: Hannelore Elsner ist im ganzen Film radikal ungeschminkt zu sehen. Am Ende tanzt sie mit Elmar Wepper, geschminkt nach Butoh-Art: überstäupt mit Puder als wäre es Mehl, die Lippen grob verschmiert, die Augen einmal rundum schwarz bekrakelt. So wie tot. Dann stirbt auch er."
Doris Dörrie gelingt ein Kunstgriff, meint Peter von Becker. "Ausgerechnet in der japanischen Megalopolis kommt ihr Film, trotz digitaler Handkamera und oft improvisierten Straßenszenen, immer mehr zur Ruhe. Gerät in eine sonderbare Trance zwischen Hypermoderne und Tradition, zwischen Schrille und Stille, Zack und Zen. Auf einmal blühen die Kirschen."
Im Interview mit Lars-Olav Beier erklärt Regisseurin Doris Dörrie, warum die demografische Katastrophe für das Kino keine sein muss und warum der Tod im Nacken gut tut.