VON LöWEN UND LäMMERN

film-zeit Film: VON LöWEN UND LäMMERN
Regie Robert Redford
Kinostart 08.11.2007

Inhalt • VON LöWEN UND LäMMERN

Die Studenten Arian und Ernest nehmen die Aufforderung ihres Professors Dr. Malley, etwas Bedeutendes im Leben anzustreben, zum Anlass, sich freiwillig als Soldaten für den Einsatz in Afghanistan zu melden. Als Dr. Malley das erfährt, ist er gleichermaßen bewegt wie bestürzt. Während Arian und Ernest im Hindukusch bald nur noch ums nackte Überleben kämpfen, werden sie zum Bindeglied zweier scheinbar unzusammenhängender Episoden an der Ost- und Westküste der USA: Dr. Malley nimmt sich eines Studenten aus privilegiertem Elternhaus an, der jeglichen Enthusiasmus vermissen lässt. Zeitgleich versucht in Washington der Senator und potentielle Präsidentschaftskandidat Jasper Irving eine TV-Journalistin mit einer Story zu manipulieren, die Arians und Ernests Schicksal besiegeln könnte.

Kritiken • VON LöWEN UND LäMMERN

09. November 2007 | Kritik • Berliner Zeitung

Für Anke Westphal ist der Film ein eher sprödes staatsbürgerliches Statement, ein Lehrstück, ein Diskurs. "Nach etlichem Pathos findet dieser Film zum überraschenden Ende. Pathos aber kennzeichnet nahezu alle Hollywood-Stellungnahmen zu den Folgen der Anschläge vom 11. September 2001. Das hat sicher mit der Überwältigung durch den vielfachen Tod zu tun, verweist es auch auf eine andere Gemeinsamkeit aktueller Kriegsfilme: den starken Rechtfertigungsdruck, der sie alle kennzeichnet. Wer den Krieg ablehnt in Hollywood, der will und muss unbedingt beweisen, dass er dennoch Patriot ist."

08. November 2007 | Kritik • Berliner Morgenpost

Didaktisch nennt Hanns-Georg Rodek den Film. Er "ist so didaktisch-schematisch konstruiert wie von Brecht fürs Theater ausgedacht: Drei verschiedene Zweier-Dialoge an drei verschiedenen Orten in drei verschiedenen Zeitzonen, die sich gleichzeitig entfalten und ursächlich miteinander verbunden sind. ... Im Grunde steht "Von Löwen und Lämmern" stellvertretend für die Zwickmühle der Demokratischen Partei, die sich in ihrem Herzen nach einer Fundamentalkritik der Bushschen Militärpolitik sehnt, deren politische Vernunft sie aber davon abhält, aus Angst, unpatriotisch dazustehen."

08. November 2007 | Kritik • Die Tageszeitung

Diedrich Diedrichsen beschreibt die Schauspieler wie folgt: "Tom Cruise als Senator hat einen gewissen Schauwert, weil der Zuschauer geneigt ist, die einstudierten Körperkorrekturen, das knirschende Grinsen und die ruckartigen Verbindlichkeitsanstrengungen abwechselnd seiner Rolle, seiner Person und sinistren Scientology-Trainingslagern zuzuschreiben. Und der schlaffe Jungmann aus Kalifornien kann wenigstens seinen unengagierten Körper etwas ausschlenkern lassen. Robert Redford als Prof und Meryl Streep als Journalistin bleiben hingegen ganz hochgespannte Aufsagemaschinen, unabhängig von Streeps passiver und Redfords eher aktiver Variante."

08. November 2007 | Kritik • Frankfurter Rundschau

VON LÖWEN UND LÄMMERN ist ein Thesenfilm gegen die Politikverdrossenheit, meint Daniel Kothenschulte. "Das ändert nichts daran, dass dieses politische Kammerspiel bei aller Schwere des Rahmens leichthändig ausgeführt ist. Wenn es Schauspieler gibt, die Papier lebendig machen können, sind es Streep, Cruise und Redford selbst. Auch saß Redford lange genug am Sundance-Institut in Drehbuchseminaren, um den Holzanteil daran gering zu halten. So ist es ein interessanter Film, wenn auch ein Nebenwerk. Hauptsache jedenfalls: Die Wut ist wieder da. Redford steht sie gut, und man kann sie gegenwärtig gut gebrauchen."

08. November 2007 | Kritik • Die Zeit

Katja Nicodemus ist Robert Redford begegnet. "VON LÖWEN UND LÄMMERN ist ein typischer Redford-Film, also ein wenig wie er selbst: Aufrecht und aufklärerisch will er den Amerikanern zeigen, was aus Amerika geworden ist."

08. November 2007 | Kritik • critic.de

Lukas Foerster hält dem Film paradoxerweise sein Scheitern Zugute. "Der Versuch gelingt nicht im entferntesten. Sowohl Cruises Neoconinterpretation als auch Redfords liberaler Idealismus weisen weit über das melodramatische Finale in den Bergen Afghanistans hinaus. Zurück bleibt ein ebenso ambivalentes wie hochinteressantes Stück Politkino, das einiges verspricht für die weiteren Auseinandersetzungen Hollywoods mit der Zeitgeschichte, welche diesen Herbst und Winter die deutschen Kinos erreichen werden."

07. November 2007 | Kritik • programmkino.de

Michael Meyns hat ein engagiertes Stück Kino erwartet und bekommen. "Dass jeder der drei Hauptschauplätze zudem eine statische Situation beschreibt, erhöht noch die Theatralik des Films. Drehbuchautor Matthew Michael Carnahan vermag es zwar nicht ganz, Dialoge zu schreiben, die so pointiert sind, wie man sich das manchmal wünschen würde. Und doch gelingt es ihm in erstaunlich kurzer Zeit (mit weniger als 90 Minuten ist dies einer der kürzesten Filme, die Hollywood seit Jahren produziert hat), eine Vielzahl von Themen anzuschneiden. Vor allem aber diese auch auf vielschichtige Weise darzustellen, die Logik des Handelns auf beiden Seiten zu zeigen, die Schwierigkeit, in einer zunehmend komplexen Welt Haltung zu bewahren."

06. November 2007 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Dies ist der Film der jüngsten lost generation von Amerika, schreibt Fritz Göttler. "Der Film zelebriert Naivität als amerikanische Tugend - und als amerikanisches Verhängnis. Redford und sein Team haben die Szenen und Schauplätze virtuos verknüpft. Was im Einzelnen eher lehrbuchhaft klingen mag, gewinnt Intensität durch das Moment der Gleichzeitigkeit. ... Es ist ein Film, der nicht nur aus Diskussionen besteht, sondern immer auch deren Rhetorik reflektiert. Das demokratische Urmodell der Antike scheint durch, die Diskussion von Mann zu Mann, der Professor bringt gar Sokrates, Platon, Aristoteles ins Spiel."

06. November 2007 | Kritik • Berliner Zeitung

Mariam Schaghaghi erzählt Robert Redford einiges über Bürgerverantwortung.

06. November 2007 | Kritik • Neue Züricher Zeitung

Robert Redford kämpft mit seinem Antikriegsfilm an mehreren Fronten, stellt Susanne Ostwald fest. "Der Film, ein überzeugendes und engagiertes Antikriegsplädoyer des Liberalen Redford, ist auf sympathische Art altmodisch, versucht er doch nicht Aufmerksamkeit zu heischen durch gestalterische Auffälligkeiten wie etwa Brian de Palma durch die Verwendung von pseudoauthentischem Web- und Videomaterial in REDACTED. Redford verlässt sich ganz, und zwar zu Recht, auf die Wirkung der Worte, denn der Film ist nicht zuletzt eine Würdigung der Aufklärung, die nur mit Worten erreicht worden sei, so Malley."

05. November 2007 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Anke Sterneborg unterhält sich mit Robert Redford über über Angepasstheit und Patriotismus, Macht und Manipulation und seinen neuen Film.

05. November 2007 | Kritik • Die Welt

Alexander Soyez spricht mit Regisseur Robert Redford über die falsche US-Politik, konservative Werte, iPhones.

02. November 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Peter Körte spricht mit Regisseur und Schauspieler Robert Redford.

26. Oktober 2007 | Kritik • Berliner Zeitung

Der Film will mit dem Zuschauer das, was der Collegeprofessor mit seinem Studenten will: ihn zum handelnden Subjekt machen, schreibt Christian Esch. "Ohne ihm aber vorzuschreiben, was er denn tun soll. Die Zurückhaltung ist weise, wenn sie auch ab und an künstlich wirkt: "Rom brennt, und alle kucken bloß zu!", ruft Professor Redford etwas wolkig im Film, man meint den Regisseur zu hören."

26. Oktober 2007 | Kritik • Der Tagesspiegel

Tu was für dich, deine Zukunft und dein Land, lautet Redfords unmissverständliches Fazit, stellt Christiane Peitz fest. "Die Korruptheit der Medien, Zynismus der Mächtigen, die politische Verantwortung des Einzelnen und die sozialen Verwerfungen des amerikanischen Bildungssystems: eine filmische Selbstprüfung der Nation. Nach dem Script von Matthew Carnahan, der zuvor das Drehbuch für den Saudi-Arabien-Thriller OPERATION: KINGDOM schrieb, hat Redford eine komplexe Versuchsanordnung arrangiert. Deren Herausforderungen sind seine Bilder jedoch leider nicht gewachsen."

26. Oktober 2007 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Ein hölzernes Stück über Politik, Krieg, Erziehung und demokratische Werte, sah Harry Nutt. "Hölzern ist hier nicht als ästhetisches Werturteil zu verstehen. Redford hat sein Thema in die Form eines Triptychons eingepasst, das sich der Geschmeidigkeit des amerikanischen Erzählkinos absichtsvoll entzieht. Der hölzerne Rahmen des klassischen dreigeteilten Altarbildes hatte vor allem eine schützende Funktion. So gesehen kann man den Film als Reisetriptychon betrachten. Aufrütteln, Fragen stellen sind Floskeln, mit denen man in der Regel die Absichten eines politischen Kunstwerks attributiert. Robert Redford hat ein Thesenwerk entworfen."

26. Oktober 2007 | Kritik • Neues Deutschland

Marion Pietrzok sah einen Lehrfilm, bei dem das Didaktische das Künstlerische erdrückt. "Robert Redford möchte denn sein Werk weniger als Anti-Kriegsfilm aufgefasst wissen. Im Mittelpunkt stehen für ihn die Studenten, Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die lernen müssen, Verantwortung zu übernehmen, auch angesichts einer verfahrenen Politik. Als wolle er einen Trupp Selbsthelfer mobilisieren. Stellt dabei allerdings weder die militärische Präsenz der USA in anderen Ländern in Frage noch Kriege als Mittel, "Demokratie zu senden". Kein Wort auch von ökonomischen Interessen."

25. Oktober 2007 | Kritik • Der Spiegel

Der Film zeigt präzise die Widersprüche der US-Politik, findet Yassin Musharbash. "Der Film ist ein Kaleidoskop, in dem die Gegenwart des politischen Amerika gedreht und gewendet und aus verschiedenen Puzzlestücken immer wieder neu zusammengesetzt wird. Dabei ist das teilweise beklemmende Werk handwerklich fast altmodisch: Das hervorragende Drehbuch setzt massiv auf Dialoge. Das hat Methode und Hintersinn, denn weil alle Hauptfiguren auch als Phänotypen verstanden werden können, spiegeln ihre Gespräche ganze gesellschaftliche Debatten wider - freilich auch solche, die nie wirklich öffentlich geführt wurden."

25. Oktober 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Dies ist der politischste, dringlichstes Film bisher von Robert Redford, schreibt Verena Lueken. "Selbstbefragung ist Redfords Thema, scharfsichtiges Eruieren, was im eigenen Land so schiefgelaufen ist und wie vielleicht noch etwas zu retten sei vom amerikanischen Glücksversprechen, an das Redford ja nach wie vor glaubt. Er weiß selbst, dass er nur einen Film gedreht hat und vielleicht sogar einen, der in Europa besser als in Amerika verstanden wird, und dass Filme, auch seine, politisch keinen Einfluss haben."

25. Oktober 2007 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte staunt, wie bescheiden die äußeren Mittel sind, die VON LÖWEN UND LÄMMERN aufbietet.

24. Oktober 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Über weite Strecken ist VON LÖWEN UND LÄMMERN nichts weiter als ein hochkonzentriertes, sich immer mehr steigerndes Wortgefecht, schreibt Frank Schirrmacher. "Das klingt nach einem Kommuniquéfilm und wäre nicht der Rede wert, wären Redfords brillante Dialoge nicht so konstruiert, dass der Film die mediale Erwartung vollständig unterläuft. Sieht man genau hin, wird man feststellen, dass dieser Film, der fast vollständig auf Effekte verzichten kann, womöglich der Antikriegsfilm unserer Zeit ist. Das ist nicht mehr APOCALYPSE NOW oder PLATOON; das sind immer wieder hart an der Tautologie und damit am Wahnsinn operierende Rechtfertigungen und Selbstrechtfertigungen. Die Welt dieser hier Handelnden ist frei von Zynismus, denn sie glauben an das, was sie tun."

Aktueller Stand der Datenbank:
15396 Filme,
15159 Bücher & Artikel,
800 Biographien,
49 Themen & Listen
all: 0.2175