| Regie | Vanessa Jopp |
| Kinostart | 22.11.2007 |
Sara ist glücklich - sie liebt Jan, ihren vierten Ehemann, und ihre zusammengewürfelte Familie, zu der drei Kinder von drei verschiedenen Männern sowie Jans Sohn aus erster Ehe zählen. Zum Fest der Liebe hat Sara sämtliche Ex-Ehepartner samt neuem familiärem Anhang eingeladen. Jan ist alles andere als begeistert, doch ehe er das drohende Unheil abwenden kann, stehen schon alle vor der Tür. Ein Abend mit kleinen Sticheleien und großen Gemeinheiten nimmt seinen Lauf, mit Männergesprächen in der Sauna und Eifersüchteleien...
Für Thorsten Funke ist es die größte Leistung der Regisseurin, die "Figurenfülle unter Kontrolle zu behalten, ohne die Struktur des Films zu überfrachten, und die Schauspieler zu einer Gemeinschaft zu formen. Das ist schwierig, vor allem, weil alle Personen am gleichen Ort, hauptsächlich dem Wohnzimmer von Sara und Jan, agieren. MEINE SCHÖNE BESCHERUNG würde auch als Theaterstück funktionieren. Schon in KOMM NÄHER zeigte die Regisseurin eine Vorliebe für Multi-Personen-Plots, dort aber noch über eine ganze Stadt verteilt und unabhängig voneinander. Hier aber ziehen sämtliche Figuren mit vereinten Kräften an demselben Handlungsstrang, was jedem einzelnen weniger Raum zur Entfaltung gibt. Dass man in diesem bunten Reigen den Überblick behält und sich zudem gut unterhalten fühlt, dafür haben alle Beteiligten eine Herdprämie verdient."
Dietrich Kuhlbrodt ist gutwillig in den Film rein- und böse wieder rausgegangen. "In Ordnung wäre es, wenn der Film nicht böse macht, sondern böse ist. Eine Erkenntnis bitte schön, irgendeine. Und dann kommt doch noch was, wenige Sekunden vor Schluss der Sendung, äh, vor dem Abspann, wollte ich sagen. Wie eine Werbung mutet die Miniszene an. Wir sind ein Jahr später, wieder Weihnachten, dieselben Reden, aber jetzt sitzt die große Familie in überschießender Harmonie zusammen. Ferch und Gedeck ein trautes Paar. Dazu ertönt "I need you, only you". Und wir erkennen: Das ist der Spot zu den Plakaten, mit denen die CDU derzeit auf den Straßen wirbt: Zukunft Familie! Zukunft Kinder!"
Tolle Idee, tolles Ensemble – und doch nicht tollkühn genug, fasst Julian Hanich zusammen. "Zwar hält der Film schöne Wendungen und Überraschungen bereit, und auch der Schluss gerät – endlich! – so überdreht, wie man sich das gesamte Werk gewünscht hätte. Nur ist es eben insgesamt nicht richtig gemein geraten, nicht richtig flott und nicht richtig überzogen. Und so wirkt das gemeinschaftliche Bemühen der Schauspielschar im Ergebnis nicht wesentlich boshafter als ein Samstagabend mit "Verstehen Sie Spaß?""
Schauspieler Heino Ferch spricht über seine neue Kinokomödie EINE SCHÖNE BESCHERUNG - und erzählt Hanns-Georg Rodek auch noch einen Witz.
Irgendwie aufgewärmt findet Peter Zander die Komödie. "Die Weihnachtsfamilienkomödie ist eigentlich ein klassisches Hollywood-Accesoire, das alle Jahre wieder ins Kino kommt wie die Christkugel an den Baum. Um so schöner, dass es Regisseurin Vanessa Jopp gelingt, einmal eine deutsche Variante zu entwickeln, groß besetzt bis in kleinste Rollen, mit den üblichen Zänkereien, Seitensprüngen, Katastrophen - auch Coming-Outs gehören bereits fest dazu."
Gute Schauspieler und gebremstes Gelächter hat Birgit Roschy ausgemacht. "Doch fehlt es der Inszenierung, die viele Gags zu lang auswalzt, nicht nur am flotten Komödientempo, sondern vor allem an Frechheit. Penetrant ist bereits die osteuropäische Humbatäterä-Musik, die signalisiert: Jetzt darf gelacht werden. Mit ihrer biederen Urmutterfantasie im Zentrum verschenkt Regisseurin Vanessa Jopp zudem die Gelegenheit, Mutterromantik samt Versorgerehe á la Eva Herman mal etwas satirischer zu betrachten."
Alles andere als ein Weihnachtsfilm im klassischen Sinne sah Gary Rohweder. "Wer also die Besinnlichkeit und die Harmonie sucht, die dieser Tage für gewöhnlich zelebriert wird, ist hier völlig fehl am Platze. Stattdessen wird dem Zuschauer der ganz normale Wahnsinn vorgeführt, der sich so oder so ähnlich in einer beliebigen Großfamilie zutragen könnte. Ein bissiger Geschlechterkampf, der sich in einer turbulenten Beziehungskomödie ausdrückt. Ein locker inszeniertes Filmvergnügen, das von Anfang bis Ende einfach nur Spaß bereitet. Das liegt zum einen an dem guten weil pointierten und durchaus intelligenten Drehbuch und zum anderen an dem guten weil durchweg überzeugenden Ensemble."
Ein Lustspiel mit einigen netten Seitenhieben auf die Festtagsumtriebe, mit ein bisschen Slapstick und mit deutlichen Anleihen beim Boulevard, sah Peter Gutting. Die Regisseurin greift "des öfteren unter die Gürtellinie. ... Aber es ist nicht nur die Menge der Figuren, das Doppeln und Überfrachten der Konflikte, warum aus einzelnen lustigen Teilen kein komisches Ganzes wird. Es ist vor allem die Botschaft, die sich unter all den Tumulten breit macht: Dass Weihnachten sogar in Zeiten des Patchworks das Fest der ganz großen Liebe sei. Beides geht schwer zusammen: Sich lustig zu machen über das ganze Harmoniegewebe und es am Ende umso kitschiger unterm Flickenteppich hervorzuzaubern."